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Leader-Projekt Nachbarschaftsberatung startet in Xanten, Rheinberg, Alpen und Sonsbeck

Vier Koordinatoren für vier Kommunen : Profis für gute Nachbarschaft

Die Leader-Region „Niederrhein: Natürlich lebendig!“ startet das Projekt Nachbarschaftsberatung. Ehrenamtliche sollen auf niederschwelliger Basis Hilfebedürftigen zur Seite stehen. Vier Koordinatoren kümmern sich ab sofort um den Aufbau und die Pflege von Netzwerken und Strukturen.

Vier Kommunen, die in absehbarer Zukunft vor dem selben Problem stehen werden: Immer älter werdende Einwohner, die noch in ihren eigenen vier Wänden leben und dabei womöglich auf Hilfe angewiesen sind, ohne dass jemand davon Kenntnis nimmt. Diesem Szenario wollen die Städte Xanten und Rheinberg sowie die Kommunen Alpen und Sonsbeck frühzeitig einen Riegel vorschieben.

Daher startet nun in allen vier Kommunen das von der Leader-Region „Niederrhein: Natürlich lebendig“ initiierte und verantwortete Projekt Nachbarschaftsberatung. Erst Ende Dezember 2018 ging der Förderbescheid der Bezirksregierung bei der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) ein, in Rekordzeit wurden nun vier halbe Stellen besetzt. In allen vier Kommunen wird sich ein Koordinator um die Schaffung von Netzwerken und die Verbindung von Helfern sowie Hilfebedürftigen kümmern.

„Es geht darum, auf nachbarschaftlicher Ebene Bedarfe vorranging älterer Menschen zu erkennen und entsprechende Hilfen durch Ehrenamtliche zu vermitteln“, sagte Projektleiterin Beate Pauls bei der Vorstellung im Alpener Rathaus. Dabei gehe es allerdings nicht um Hilfe bei häuslichen oder pflegerischen Tätigkeiten. Sondern um niederschwellige Angebote wie Unterstützung beim Lesen der Post, Mitnahme bei Fahrten in den Ortskern oder einfach nur einander Gesellschaft zu leisten. Daher sollen nun auch bereits bestehende Netzwerke wie Vereine, Pumpennachbarschaften oder Dorfwerkstätten in den Prozess eingebunden werden, um Ehrenamtliche zu finden, die mitwirken wollen. Die Koordinatoren kümmern sich dann um die Professionalisierung der Strukturen.

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In Alpen wird sich Sonja Böhm, um die Koordination der Hilfen kümmern. Ihre Kollegin in Sonsbeck wird Gabi van Royen sein. Die beiden Damen werden bereits am Freitag, 1. Februar, ihre Tätigkeit aufnehmen. Erst einen Monat später wird es dann für die beiden männlichen Kollegen Andreas Cziudej (Rheinberg) und Manuel ter Bekke (Xanten) losgehen. „Wer in diesen Kommunen bis dahin Hilfe benötigt, kann sich aber vertrauensvoll an uns bei der LAG wenden“, so Pauls.

Auf drei Jahre ist der Projektzeitraum zunächst befristet, so lange gilt die finanzielle Förderung. „Danach werden wir eine Evaluierung vornehmen und schauen, ob und wie das Projekt weitergeführt wird“, sagte Leader-Vorstand Leo Giesbers. Er gehe allerdings davon aus, dass es einen längerfristigen Bedarf nach Hilfen und der Koordinierung dieser gebe. „Und wenn wir es schaffen, dass nur eine Person durch das Projekt in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben kann, ist viel erreicht.“ Das sei der Mehrwert, der bei der Bewertung des Projekts auch in den Blick genommen werden müsse. „Es darf nicht nur um die reine Fallbetrachtung anhand von Zahlen gehen.“

Auch die Vertreter der Kommunen sehen nur Vorteile in dem nun gestarteten Projekt. „Wir dürfen das Ehrenamt nicht überfordern. Daher ist es wichtig, dass wir Strukturen einrichten und anbieten, in denen Profis die Koordination übernehmen und die Ehrenamtlichen sich ganz auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können“, sagte Xantens Bürgermeister Thomas Görtz. Ähnlich sieht es Rosemarie Kaltenbach, Beigeordnete der Stadt Rheinberg: „Das Projekt dient hervorragend dazu, Ehrenamtlichen die Hilfestellung im direkten Umfeld der Nachbarschaft zu erleichtern, indem ihre Arbeit an höherer Stelle koordiniert wird.“ Sonsbecks Bürgermeister Heiko Schmidt sieht zudem gute Chancen, dass sich die Nachbarschaftsberatung auch über den Projektzeitraum von drei Jahren hält. Denn gerade im ländlichen Raum sei man stabile Nachbarschaften gewohnt. Daher gehe er davon aus, dass sich viele Helfer gewinnen ließen. Dieser Auffassung ist auch Alpens Gemeindeoberhaupt Thomas Ahls: „Die Anonymität der Großstadt ist hier nicht gegeben, hier gibt es bereits gewachsene Strukturen auf ehrenamtlicher Ebene. Ich mache mir null sorgen, nicht genug Hilfebedürftige oder Helfer zu finden.“

Die Kommunen werden die Kontaktdaten ihrer Koordinatoren demnächst mitteilen. Bis dahin können sich Interessierte oder auch Betroffene auf der Internetseite der LAG oder telefonisch unter 02838 36149 informieren.