Xanten: Landebahn auf der A 57

Xanten : Landebahn auf der A 57

Ein Teil des Autobahnabschnitts zwischen Sonsbeck und Alpen wurde als Notlandeplatz für Flugzeuge konzipiert. Auch die Rastplätze Hamb und Bönninghardt gehörten zu diesem Militärkonzept. Vieles ist noch heute sichtbar.

sonsbeck/alpen So einiges ist anders hier. Anders als auf anderen Autobahnteilstücken. Hier, auf der A 57, zwischen den Rastplätzen Hamb und Bönninghardt. Zwei Dinge fallen sofort ins Auge: Zum einen verlaufen die vier Fahrbahnen hier kilometerlang wie an einer Schnur gezogen, zum anderen fehlt in der Mitte der Grünbewuchs, sind die Leitplanken nur gesteckt, nicht einbetoniert. Diese Auffälligkeiten sind kein Zufall. Sie rühren vielmehr daher, dass bei der Planung des Autobahnteilstücks in den 70er Jahren Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums mit am Tisch saßen.

Der Wunsch der Herren von der Bonner Hardthöhe: Der Abschnitt der A 57 zwischen Sonsbeck und Alpen solle als Notlandeplatz (NLP) für Flugzeuge konzipiert werden. Die Idee, Militärmaschinen auf Straßen landen zu lassen, stammt dabei aus den Endjahren des Zweiten Weltkriegs, als viele deutsche Flughäfen zerbombt waren.

Richtlinien stammen von 1964

Im Kalten Krieg wurde die Idee wieder aufgenommen. Bereits im März 1964 gab Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel (CDU) Richtlinien für den "Ausbau von Straßen als Notlandeplätze für Flugzeuge" heraus. Die hierin enthaltenen Punkte wurden auch beim A 57-Projekt umgesetzt. Das Teilstück zwischen den beiden Parkplätzen ist 2,5 Kilometer lang. Es hat in Breite und Länge nicht mehr als drei Prozent Gefälle, die Europa-Leitplanke in der Mitte steckt in Hülsen. Die Parkplätze Hamb und Bönninghardt sind als Abstell- und Wartungsflächen für sechs bis zehn Flugzeuge angedacht. Es gibt keine Brücken, keine Überlandkabel, dafür Zufahrtswege und Stromversorgung (heute noch sichtbar) auf besagten Rastplätzen.

Oberstleutnant Heiner Möllers vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg geht davon aus, dass der "NLP III/3", wie das A 57-Teilstück hieß, in NATO-Überlegungen als Alternative für den bis 1999 bestehenden, nahen Flughafen der britischen "Royal Air Force" (RAF) in Weeze-Laarbruch gedient habe – im Ernstfall binnen 24 Stunden.

Die Freigabe des 10,75 Kilometer langen Abschnitts zwischen den Anschlussstellen Sonsbeck und Alpen erfolgte nach dreijähriger Bauzeit am 3. April 1981. Im Straßenbaubericht des Bundes aus dem gleichen Jahr sind Kosten von 49 Millionen Euro festgehalten. Auf RP-Nachfrage zeigte sich Norbert Cleve vom Landesbetrieb Straßen NRW überrascht über die parallele militärische Funktion des A 57-Abschnitts: "Wir wussten nichts darüber."

Bis zum Ende des Kalten Krieges wurden in Westdeutschland 25 NLPs fertiggestellt. Finanziert wurden sie von Verkehrs- und Verteidigungsministerium sowie mit Geldern aus dem NATO-Infrastrukturprogramm. Von 1961 bis 1985 fanden 13 Manöver auf NLPs statt. Das bekannteste 1984 auf der A 29 bei Ahlhorn (Info). Zwischen Sonsbeck und Alpen sei nie ein Flieger gelandet, so die Informationen aus Bundeswehrkreisen. Als Einschränkung heißt es, die betreffenden Akten seien aber entweder nicht mehr auffindbar oder unterlägen noch einer 30-jährigen Sperrfrist.

(RP)
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