Xanten: KZ-Überlebende rappt gegen Rechts

Xanten: KZ-Überlebende rappt gegen Rechts

Die Musik hat wohl Esther Bejarano einst das Leben gerettet.

Hätte sie ansonsten das NS-Vernichtungslager Auschwitz überlebt? Oder hätte sie zu über eine Million Menschen gehört, die dort getötet wurden? Fakt ist, dass sich die heutige Hamburgerin meldete, als 1943 das Mädchenorchester im Lager eine Akkordeonspielerin suchte. Fortan musste sie gemeinsam mit anderen Frauen unter anderem zum täglichen Marsch der Arbeitskolonnen durch das Lagertor aufspielen. Meist leichte Muse, um so von dem Grauen abzulenken. So überlebte Esther Bejarano.

Heute setzt sie die Musik ganz bewusst gegen Rechts ein. Gemeinsam mit dem Duo "Microphone Mafia", in dem ihr Sohn mitspielt, rappt sie unter anderem in Schulen, um Jugendliche vor Nationalsozialismus und Faschismus zu warnen. Dazu erzählt sie aus ihrem Leben und von ihren Erfahrungen.

Am Donnerstag, 12. April, ist sie in der Gesamtschule im Xantener Forum zu Gast. "Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, in die Schulen zu gehen und zu mahnen, die Augen offen zu halten. Die jungen Menschen müssen wissen, was passieren kann, wenn es wieder einen bestimmten Nationalismus und einen Faschismus gibt", sagt die 93-jährige Dame.

Fast wäre Esther Bejarano noch den NS-Schergen entkommen. Für die Überfahrt in die USA hatte der bereits übergesiedelte Bruder den Boden vorbereitet, doch dann verdoppelte die US-Regierung die für die Einwanderung zu hinterlegende Summe. Für die Familie in Deutschland unbezahlbar.

Eine weitere Hoffnung zerschlug sich, als der Vater wegen jüdischer Vorfahren trotz eines Stellenangebots in der Schweiz nicht übersiedeln durfte. So musste die Familie im Nazi-Deutschland bleiben. 1943 wurde Esther Bejarano in einem Viehwaggon nach Auschwitz gebracht. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs folgte sie dem Ruf nach Palästina. Dort lebte sie in einem britischen Lager, sie erlebte die Anschläge jüdischer Extremisten auf die Kolonialherren, distanzierte sich davon und musste Beschimpfungen und Beleidigungen hinnehmen. Israel war nicht ihr Staat.

"Wir mussten weg", sagt sie heute. Gesundheitliche Gründe spielten bei der Entscheidung, mit Mann und zwei Kindern 1960 nach Deutschland zurückzukehren, eine Rolle. "Aber ich war auch nicht einverstanden mit der dortigen Politik. Ich bin es auch heute nicht." Außerdem wäre ihr Mann für seine Kriegsdienstverweigerung ins Gefängnis gekommen.

Der Wechsel nach Deutschland fiel nicht leicht. In den 60er Jahren waren viele ehemalige Nationalsozialisten an den Schaltstellen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. "Eine richtige Entnazifizierung hat nie stattgefunden", betont sie. Andererseits "muss man auch die Möglichkeit haben, wieder Fuß fassen zu können. Das war hier am besten möglich. Ich habe immer die deutsche Staatsangehörigkeit behalten."

Und heute? Der Rechtsextremismus sei leider im Vormarsch. "Ich habe ein schlechtes Gefühl." Man müsse wachsam sein, denn, so sagt sie, "die Lage steht nicht mehr am Anfang, sondern wir sind mitten drin". Um zu warnen, tritt Esther Bejarano mit dem Duo "Microphone Mafia" auf. Der Rap ist für sie ein geeignetes Mittel, um die jungen Menschen anzusprechen. "Er ist modern, die Jugend steht drauf."

Esther Bejarano und die Microphone Mafia: Donnerstag, 12. April, ab 19.30 Uhr im Forum der Gesamtschule Xanten. Tickets: 5 Euro für Schüler, 9 Euro für Erwachsene( j.agbai@gexaso.de)

(kump)