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Kurrende: Posaunenchor Sonsbeck spielt Weihnachtslieder in Hirten-Kostümen

Neues Projekt des Posaunenchors : Sonsbecks Hirten machen sich auf den Weg

Der Posaunenchor will einen weihnachtlichen Brauch aus dem Erzgebirge auch am Niederrhein etablieren. Im Dezember ziehen die Musiker durch die Gemeinden Sonsbeck und Issum und spielen an mehreren Stationen Lieder.

Im Erzgebirge gehören sie zum weihnachtlichen Brauchtum fest dazu: Die Kurrenden, Laufchöre, ziehen in der Adventszeit durch einen Ort und tragen für die zufälligen Passanten und durchs Fenster zuschauenden Anlieger Weihnachtslieder vor. Auch der musikalische Leiter des Posaunenchors Sonsbeck kennt diese Tradition noch gut aus seiner Jugend in der Kleinstadt Hainichen. Nun will Michael Böhme sie am Niederrhein etablieren und macht sich mit seinen Musikern am Samstag, 4. Dezember, in Sonsbeck und am Samstag, 18. Dezember, in Issum auf den Weg.

Einen kleinen Unterschied zum Erzgebirge wird es aber geben. Die Sonsbecker Blechbläser wollen die Chor-Tradition in ein neues Gewand hüllen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Sie sind dann mit Mantel und Filzhut gekleidet als Hirten unterwegs. Auf diese Idee haben sie die beiden Mitglieder Fadi und Yazan Elyateem gebracht. Die beiden jungen Männer kommen ursprünglich aus Beit Sahour, also jener Stadt, von der aus sich dem Neuen Testament zufolge die Hirten nach Bethlehem aufgemacht haben, nachdem ihnen die Botschaft der Geburt Christi verkündet worden war.

 In Mantel und Filzhut: Der Posaunenchor Sonsbeck hat mit Hilfe einer Landesförderung die passenden Outfits für sein Hirtenprojekt anschaffen können.
In Mantel und Filzhut: Der Posaunenchor Sonsbeck hat mit Hilfe einer Landesförderung die passenden Outfits für sein Hirtenprojekt anschaffen können. Foto: Ostermann, Olaf (oo)
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„Gerade unsere jüngeren Spieler fanden die Idee, in Hirtenkostümen loszuziehen, so peinlich und abgefahren, dass sie sie irgendwie wieder gut fanden“, erzählt Jeanette Böhme lachend, die selbst das Waldhorn im Posaunenchor spielt. Also wurde mit finanzieller Hilfe des NRW-Förderprogramms „2000 Mal 1000 Euro für das Engagement“ das passende Outfit gekauft. „Gut, die Umhänge kommen aus der Ecke für mittelalterliche Kostüme“, sagt Böhme. Die beiden (Deko)-Schafe Grete und Karli vervollständigen aber den Hirten-Look. „Und wir haben sogar einen optimalen Betreuungsschlüssel für die beiden“, wie Böhme betont. Ein gutes Dutzend Hirten haben die beiden Schafe in Obhut.

Die Tierchen werden in Bollerwagen bequem von Station zu Station kutschiert, und dort mit Laternen und Kerzen in Szene gesetzt, während die Musiker spielen. „Den Evangelischen Posaunenchören ist es eigen, dort hinzugehen, wo Menschen sind“, sagt Böhme. „Es geht darum, sie zu überraschen und aus dem Alltag zu holen, indem irgendwo plötzlich Lieder ertönen.“ Musik für alle also, statt nur für eine ausgewählte Hörerschaft wie bei Konzerten. „Aufgrund der derzeitigen Corona-Situation wollen wir ohnehin Ansammlungen vermeiden“, so Böhme. Sie empfiehlt daher, den Weihnachtsliedern im Vorbeigehen zu lauschen, die Fenster zu öffnen. „Unser Spiel ist weniger ein Konzert als vielmehr ein musikalischer Gruß, der durch die Straßen und Gassen im Ort zieht.“

Jeweils fünf bis acht Minuten bleiben die Musiker an jedem Spielort. Gestartet wird in Sonsbeck um 15 Uhr am Neutorplatz. Von da aus geht es weiter zum LVR-Wohnverbund Zur Licht, ehe der Posaunenchor Richtung Alttorplatz marschiert und zum Abschluss an der evangelischen Kirche spielt. „Wir haben Orte ausgewählt, die viel Platz bieten, um den Abstand zu wahren“, erklärt Böhme. An jedem Ort werden andere Lieder gespielt, nur der Auftakt ist mit „Macht hoch die Tür“ immer gleich. In Issum geht’s um 16 Uhr am Wendehammer Meisenweg los. Gespielt wird auch an der Katharina- und Jahnstraße. Der Abschluss ist vor der evangelischen Kirche geplant, wo der Posaunenchor gesangliche Unterstützung bekommt.

(beaw)