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Klimaschutz in Sonsbeck: Versiegelung von Vorgärten löst Debatte aus

Klimaschutz vor der Haustür : Versiegelung von Sonsbecks Vorgärten löst Debatte aus

In Sonsbecks Umweltausschuss diskutierten Politik und Bürger darüber, ob die Vorgaben in Bauplänen geändert werden müssen, um Vorgärten grüner zu gestalten. Ein Problem stellt die Kontrolle dar.

So kurz die Tagesordnung für die Sitzung des Umweltausschusses in Sonsbeck auch war, der Redebedarf war offenbar groß. Allen voran ein Thema – und das stand nicht auf dem Papier – sorgte für eine lebendige Debatte: die Versiegelung der Vorgärten.

Weitestgehend einig waren sich die Ausschussmitglieder darüber, dass es bei der naturnahen Gestaltung der Vorgärten Nachhol­bedarf gibt. Unterschiedlich war die Auffassung, wie das gelingt. „Seit Corona und dem Buchsbaumzünzler sieht man zunehmend, dass Gärten zu Schotterflächen verkommen“, beklagte Eckhard Sy (CDU). „Bei den alten Bestandsgebäuden kann man nicht viel machen, doch bei den Neubaugebieten sollten die textlichen Vorgaben angepasst werden.“ Festgeschrieben ist, dass der überwiegende Teil der Fläche begrünt sein muss. Laut Georg Schnitzler, Leiter des Fachbereichs Bauen und Planen, sei die Kontrolle jedoch schwierig. „Man kann ja nicht mit einem Zollstock alles nachmessen, um den Grünanteil zu ermitteln“, erklärte er. Einige Anwohner legten die Vorgaben spitzfindig aus. Schnitzler: „Da werden kleine Alibi-Beete und dahinter ein breiter Weg angelegt.“ Schreiben an die Anwohner hätten aber bereits Wirkung gezeigt.

Ein Zuschauer bezweifelte grundsätzlich, dass sich die Gestaltung der Vorgärten aufs Klima auswirke. Er schlug vor, für die versiegelten Flächen der Baugebiete am Rand der Gemeinde Ausgleichsflächen zu schaffen. Das stieß Landwirt Willi Cleven, Sachkundiger Bürger, sauer auf. „Jedem Häuslebauer muss bewusst sein, dass er durch den Bau und damit durch Versieglung der Natur Raum entzieht. Es kann doch nicht sein, dass die Verantwortung, der Natur etwas zurückzugeben, dann abgeschoben wird und letztlich wir Landwirte gezwungen werden, Flächen abzugeben.“ Schnitzler erklärte zudem, dass sich die Schotterflächen sehr wohl auf das Mikroklima in Wohngebieten auswirke. Die Luft heize sich schnell auf, wenn die Sonne auf die Steine trifft. Auch nachts speicherten die Steine Wärme. Durch fehlende Pflanzen könne zudem der Staub aus der Luft nicht gefiltert werden. „Manche legen einen Schottergarten aus stilistischen Gründen an, vielen ist aber gar nicht bewusst, was sie damit anrichten“, so Schnitzler. 

Bürgermeister Heiko Schmidt hält an den Vorgaben in den Bebauungsplänen dennoch fest. „Wir wollen den Bauherren ja auch einen gewissen Gestaltungsspielraum lassen“, sagte er. Stattdessen setzt der Bürgermeister auf mehr Aufklärung. „Es geht darum, den Bürgern keine Regeln vorzusetzen, sondern sie beim Thema Klimaschutz mitzunehmen und davon zu überzeugen.“