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Unsere Woche: Kleiner Wald, großes Thema

Unsere Woche : Kleiner Wald, großes Thema

In dieser Woche wurde über kaum etwas mehr geredet als über ein Wäldchen in Orsoyerberg. Es liegt zwischen Siedler- und Schlesierweg, ist 5,6 Hektar groß und hat lange Zeit niemanden interessiert. Erst als das Kommunale Wasserwerk es Ende 2017 an ein Ehepaar aus Vierbaum verkauft hat, brachen die Spekulationen los.

Um es ganz deutlich zu sagen: Die Eigentümer haben nichts Verbotenes getan. Ein Waldstück kaufen: darf man. Eine Bauvoranfrage stellen, ob an einem äußeren Zipfel am Schlesierweg in einer Baulücke bebaut werden kann: darf man auch.

Natürlich dürfen besorgte Anwohner auch eine Bürgerinitiative gründen. Allerdings wäre dieser Schritt möglicherweise vermeidbar gewesen, wenn die Anwohner das getan hätten, was wir als Zeitung getan haben: einfach auf die Eigentümer zuzugehen und fragen, ob man sich mal unterhalten kann. Nun kann man zumindest darüber diskutieren, ob das guter Stil war.

Hinterfragen muss man auch die Aussage des Technischen Beigeordneten der Stadt, Dieter Paus. Der hatte darauf hingewiesen, dass der Schutzstatus des Waldes so hoch sei, dass er auch Wald bleibe. Das mag sein, allerdings hat er nicht gesagt, ob das für den Wald in seinem jetzigen Umfang gilt. Denn nun wissen wir ja, dass die Absicht bestand, zumindest einen Teil des Wäldchens zu Bauland zu machen. Der Streifen westlich des Siedlerwegs bis zur Bahn in Verlängerung der vorhandenen Bebauung ist bereits erschlossen. Mal angenommen, ein solcher Antrag käme in Verbindung mit der Zusage, die dahinter liegende Waldfläche und die Biotope unberührt zu lassen. Dann stellte sich die Frage, ob die Stadt Rheinberg das pauschal hätte ablehnen können. Oder ob sie das überhaupt gewollt hätte. Ein gewisser Druck, vorhandene Bebauungsgebiete moderat auszuweiten, ist ja durchaus vorhanden. Unter dieser Prämisse wäre die Aussage "Wald bleibt Wald" möglicherweise nicht haltbar - auch wenn der Hinweis auf den gültigen Landschaftsplan formal richtig ist.

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Nun stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Die Eigentümer haben ganz offensichtlich das Interesse an dem Wäldchen verloren und würden es wieder abgeben. Sollte die Stadt es kaufen, wenn die Fläche wieder zu haben ist? Weil es sich um ein Stück unberührter Natur handelt, wie es sie in Rheinberg kaum noch gibt? Denkbar. Dann hätte die Stadt die Hand drauf und könnte das Land an Organisationen wie den Naturschutzbund verpachten.

Aber wer weiß: Wenn den Anwohnern so viel an dem Wald gelegen ist, dass sie schon eine Bürgerinitiative gründen, kaufen sie ihn möglicherweise selbst - als Gemeinschaft. Das wäre konsequent.

In diesem Sinne: ein schönes Wochenende!

UWE.PLIEN@RHEINISCHE-POST.DE

(RP)