Xanten: Karthaus "nicht für die TIX"

Xanten: Karthaus "nicht für die TIX"

Umfrage der RP: Der Ausbau der Karthaus zur Herberge mit Fremdenzimmer stößt bei den Hoteliers in der Stadt auf Skepsis; die Übertragung der Pacht auf die TIX auf klare Ablehnung. Auch die IGX hat dagegen Position bezogen.

Nur in einem Punkt sind sich die Akteure komplett einig: Die Karthaus muss saniert und als Denkmal im Besitz der Stadt erhalten bleiben. Für die Interessengemeinschaft Gewerbetreibende Xanten (IGX) haben Manfred Albrecht und Ludger Lemken ihre Bewertung der städtischen Sanierungs- und Nutzungspläne bereits schriftlich fixiert und dem Bürgermeister sowie den Ratsfraktionen zugeleitet.

Die Kernaussage: Die Vermarktung der Zimmer sollte einem Unternehmer übertragen und nicht über die Tourist Information (TIX) erfolgen. Es wird die Gefahr einer Interessenkollision befürchtet.

Weniger Übernachtungen

Xantens Hoteliers wollen sich in der kommenden Woche an ihrem "Hotelier-Stammtisch" auf eine einheitliche Stellungnahme verständigen. Doch die steht bereits, wie eine Umfrage der Redaktion ergab, und sie deckt sich mit der Stellungnahme der IGX.

Was nicht verwundern sollte, wie Michael Neumaier im Gespräch mit der RP erläuterte. Neumaier: "Ich verzeichne für meinen Betrieb in den ersten vier Monaten dieses Jahres bereits einen Rückgang der Übernachtungen um 30 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum. Das ist schon eine Entwicklung, die sorgfältig beobachtet werden muss."

Neumaier betreibt ein kleines Hotel mit Restaurant an der Orkstraße (14 Zimmer), ist jedoch mit den Betrieben im Schützenhaus (Fürstenberg) und in der Römischen Herberge Groß-Gastronom in der Stadt. Doch er hat grundsätzliche Bedenken dagegen, dass ein städtischer Eigenbetrieb — und so stuft er die TIX ein — ebenfalls Gästezimmer vermietet. Schon jetzt seien die gastronomischen Aktivitäten der FZX und deren Absicht, weitere Übernachtungsmöglichkeiten am Nibelungenbad auszubauen, als "sehr grenzwertig" einzustufen.

  • Xanten : Die Karthaus wird saniert

"Prima!" nennt Miriam Bröcheler, Geschäftsführerin im Hotel "Nibelungenhof" (50 Zimmer), die Sanierung der Karthaus. Die geplante Nutzung mit Gästezimmern versieht sie jedoch mit Fragezeichen. Miriam Bröcheler: "Wir haben im Sommer zu wenig Zimmer, im Winter hingegen zu viel." Den Interessenkonflikt mit der TIX sieht auch sie. "Die TIX soll Zimmer vermitteln und die Stadt vermarkten, aber nicht selber als Zimmervermieter auftreten." Richtig wäre es, die Vermietung den Pächtern der Gastronomie "Einstein" anzubieten, die bereits in der Karthaus etabliert sind — "allerdings zu Konditionen, die bezahlbar sind".

Sabine Hess, die mit ihrem Mann das "Xantener Gästehaus" (30 Zimmer) führt, sieht's ähnlich und befürchtet: "Da werden Steuergelder versenkt." Sie bezweifelt, dass es zu wenig Gästezimmer in der Stadt gibt, und spricht ebenfalls von einer rückläufigen Entwicklung bei den Übernachtungen. "Früher konnten wir uns kaum retten vor Nachfragen der Radtouristen. In diesem Jahr ist es sehr schleppend angelaufen." Die Saison in Xanten sei zudem sehr kurz. Sabine Hess: "Wenn sie gut ist, dann dauert sie vom 1. Mai bis zum 30. Oktober."

TIX soll Zimmer nur vermitteln

Andreas Scholz, der die Gastronomie und das Hotel Hövelmann (24 Zimmer) in einem "schwierigen Zustand übernommen" hat und jetzt endlich am Markt etablieren konnte, mahnt: "Wir sind froh, übers Jahr eine Auslastung im Hotel von 50 Prozent zu erreichen. Die Stadt schneidet sich mit dem zusätzlichen Angebot ins eigene Fleisch." Die stets propagierte Steigerung der Übernachtungszahlen komme jedenfalls "bei uns nicht an". Die TIX möge ihre Arbeit tun, aber nicht zusätzliche Konkurrenz aufbauen. Scholz: "Ich böte gerne alle meine Zimmer über die TIX an, aber von deren Portal kommt kaum was." Gleichzeitig werde die Situation für die Betriebe in der Innenstadt immer schwieriger durch die FZX-Aktivitäten am neuen Hafen.

Anne Trautmann (Hotel van Bebber, 35 Zimmer)) kommentierte die städtischen Pläne und die Verpachtung von Gästezimmern an die TIX zurückhaltend: "Eher nicht."

Die IGX plädiert dafür, dass ein privater Unternehmer die Zimmer zu einem "moderaten Pachtzins" vermarkten soll. Dies gelte im Übrigen auch für den Caravanplatz in der Römerschlucht. Die TIX sollte Partner und Dienstleister für Gastronomie, Hotel und Tourismus bleiben und nicht zu einem Konkurrenten werden. "Wir möchten ein unabhängiges Verkehrsbüro behalten!"

(RP)
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