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Xanten: Karl Leisner - ein großes Vorbild für alle

Xanten : Karl Leisner - ein großes Vorbild für alle

Märtyrer sind nicht nur Erscheinungen des frühen Christentums. Auch im 20. Jahrhundert hat es sie gegeben: Christen, die ihres Glauben willen selbst Verfolgung, Folter und Mord widerstanden. Einer ihrer prominentesten Vertreter ist Karl Leisner. Anlässlich seines 100. Geburtstags führte Dr. Burkhardt Tutsch am Samstag durch die Sonderausstellung "Karl Leisner 1915-1945 - Märtyrer und Seliger" im Stiftsmuseum.

Trotz Leisners Geburt im Ersten Weltkrieg verlief dessen Kindheit behütet. Für ihn prägend war die Gymnasialzeit in Kleve. Dort lernte Leisner den Lehrer Dr. Walter Vinnenberg kennen, der eine katholische Jugendgruppe gründete, der sich auch Leisner anschloss. "Die Gruppe machte Ausflüge, trieb Sport, schnitzte Kasperlefiguren und renovierte eine Mühle als Stammsitz. Häufig wurde aber auch über Politik, Wertvorstellungen und Pflichterfüllung diskutiert", erklärte Dr. Tutsch. "Leisner lernte dabei schnell, Verantwortung zu übernehmen", ergänzte er.

Ebenso prägend: das Jahr 1933. Leisner lernte die Schönstattbewegung kennen, die von den Gläubigen neben der Marienverehrung vor allem eine starke Selbstreflexion und stete Selbsterziehung zur inneren Reife fordert. "Das bewegte Leisner. Er selbst war sehr befähigt zur Selbstreflexion", wie der Historiker an den Tagebüchern des damals 17-Jährigen anschaulich machte: "In seinen Büchern sind sowohl detaillierte Beobachtungen der Außenwelt, etwa der politischen Ereignisse, als auch sehr kritische Beobachtungen seiner eigenen Person zu finden. Leisner fertigte teils ganze Vorsatzlisten an", verdeutlichte er.

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Nicht zuletzt dank dieser Selbstbefragung lehnte Leisner die nationalsozialistische Ideologie von vornherein ab. "Die Diktatur verlief diametral zu seiner Weltsicht", betonte Dr. Tutsch. So entschied sich Leisner bewusst für ein Theologiestudium, obgleich das Regime bereits schroff gegen die katholische Kirche vorging. Und auch während seines Studiums leitete er aktiv katholische Jugendgruppen, um die Jugendlichen gegenüber dem System zu stärken. "Alles unter den argwöhnischen Augen der Gestapo", ergänzte Dr. Tutsch. 1937 verhörte die Staatspolizei Leisner schon einmal, allerdings ohne ihm den Prozess zu machen.

Als jedoch der an Tuberkulose erkrankte Priesteranwärter 1939 nach einem Attentatsversuch an Hitler zu einem Mitpatienten im Sanatorium leichtfertig sagte, es sei schade, dass Hitler nicht getötet wurde, konnte er der Verhaftung nicht mehr entgehen. Leisner kam ins Konzentrationslager Dachau. "Trotz seiner Krankheit und der Gräuel hat er es immer geschafft, den anderen Mithäftlingen Mut zu machen", sagte Dr. Tutsch. Der Dank: Von Leisners großem Wunsch, Priester zu werden, wissend, organisierten die Mithäftlinge alles für die eigentlich unmögliche Priesterweihe im KZ.

Exponate im Museum zeigen den unter größter Gefahr selbst geschnitzten Bischofsstab und selbst gefertigten Bischofsring für den inhaftierten Bischof Gabriel Piguet, der die Primiz-Feier vornahm. "Es ist das einzige Zeugnis für eine Priesterweihe im KZ und war für die Beteiligten ein gewaltiger Triumph über das grausame System", erklärte Dr. Tutsch. Am 12. August 1945 starb Leisner kurz nach der Befreiung an den Folgen seiner Krankheit. "Und noch am Sterbebett bittet er um Gottes Segen für seine Feinde", fasste der Historiker Leisners positive und tief gläubige Lebenseinstellung zusammen.

(beaw)