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Kantorin Annegret Pfaff aus St. Maria Magdalena Sonsbeck geht in Ruhestand

Abschied zum 1. Dezember : Eine Autodidaktin macht Schluss

Annegret Pfaff (63), Kantorin der Pfarrei St. Maria Magdalena, geht in den Ruhestand. Drei Jahre lang begleitete sie etliche Gottesdienste mit der Orgel, leitete zudem mehrere Chöre. Nun will sie erst einmal ein Jahr lang abschalten.

Annegret Pfaff macht Schluss. Nach drei Jahren als Kantorin an St. Maria Magdalena in Sonsbeck verabschiedet sich die Kirchenmusikerin am Wochenende in den Ruhestand. Mit 63 Jahren, so sagt die gebürtige Moerserin, habe sie sich ein stressfreieres Leben verdient. Ihren Chor in Kevelaer-Kervenheim begleitet sie weiter, und an der Musikschule in Neukirchen-Vluyn, an der sie Klavier- und Blockflötenunterricht gibt, wird sie ebenfalls weiter tätig sein.

Zum „Organisten“ muss man geboren sein. Wer unter anderem in den drei Sonsbecker Gemeinden allein schon die Sonn- und Feiertagsgottesdienste auf der Orgel begleitet, mit dem Kirchenchor im Jahr gut 19 kirchliche Feiern vorbereitet und begleitet, an Wochentagen zu Beerdigungen und Hochzeiten im Einsatz ist, der muss seinen über den ganzen Tag verteilten Dienst – von der Morgenmesse bis hin zu den Chorproben am späten Abend – schon richtig lieben.

„Und das tue ich auch mit ganzem Herzen“, sagt Pfaff, die das Herz ganz offen auf der Zunge trägt, wie man so sagt: „An mir scheiden sich halt die Geister.“ Will heißen: „Ich kritisiere, wenn es sein muss, ja, aber ich lobe auch.“ Und das erwartet die kleine, drahtige Frau auch von allen anderen. Auch von ihrem Chor. „Dafür sitzen wir aber auch nach den Anstrengungen immer wieder zusammen.“

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Das verlangt die Liebe zur Musik, sagt die „Autodidaktin“, die in jungen Jahren auf einer auf Pappe gemalten Klaviatur samt „Lernheft“ die ersten Schritte machte, bis ihre Tante mahnte: „Das Kind braucht ein Klavier.“ Das bekam Annegret auch. Die Schülerin des neusprachlichen Mädchengymnasium in Moers erhielt zwei Jahre später geregelten Unterricht – auch mit Querflöte und Cembalo. Den ersten Kontakt mit einer Orgel hatte sie dann im Alter von 16 Jahren: Unterricht gab es in der evangelischen Stadtkirche mit deren herrlicher Barockorgel („Die hat mich geprägt“) und Übungsstunden in der katholischen St.-Josef-Kirche. Annegrete Pfaff sagt lachend: „Dafür musste ich aber im Kirchenchor mitsingen.“ Und die Nonnen an ihrem Gymnasium ließen sie die Gottesdienste begleiten.

In Köln hat Annegret Pfaff Kirchenmusik studiert, in Mülheim parallel zu ihrer ersten Stelle sechs Semester am Robert-Schumann-Institut in Düsseldorf verbracht, und kurz vor dem Examen – hingeworfen. Der Liebe wegen. Verbunden mit einer musikalischen Pause: drei Kinder, ein Umzug nach Sonsbeck. Inzwischen lebt die Familie seit 20 Jahren dort.

Die Katze, so sagt man aber auch, lässt das Mausen nicht. In Sonsbeck spielte Annegret Pfaff die Orgel der evangelischen Kirche, in Kervenheim kam 2004 der katholische Kirchenchor hinzu. Und dann fragte Pfarrer Hoebertz an: „Möchten Sie bei uns tätig werden?“ Pfaff: „Ich wollte.“ Und es hat richtig Spaß gemacht.“

Eine offizielle Verabschiedung will Annegret Pfaff nicht. In der vergangenen Woche haben ihre Sänger aus den ehemals drei Chören aus Labbeck, Hamb und Sonsbeck, die sie seit April 2016 zusammengeschmiedet hat, eine lustige Abschiedsprobe erlebt. Neben den Einsätzen bei Erstkommunionfeiern, Oster- und Weihnachtsfeiertagen, Patronatsfesten, Goldhochzeiten, Ständchen und Beerdigungen hatte es 2015 drei große Konzerte gegeben.

Der 2016 für ein Konzert mit der Alpenerin Judy Bailey gegründete Projektchor verabschiedete seine Gründerin am vergangenen Wochenende mit einem Konzert in der Labbecker Marien-Kirche. 90 Minuten lang bot der Projektchor die Lieblingsmusiken der vergangenen zwei gemeinsamen Jahre. Von Eric Claptons „Tears in Heaven“ bis zu John Rutters „The Lord bless you and keep you“ gab es Chormusik – professionell vorgetragen, zum Träumen und andächtig werden.

Und jetzt? Ihr Mann Paul sorgt in seiner Lafer-Lichter-Pfaff-Küche für gute Verpflegung. Zum Ausgleich will Annegret Pfaff vermehrt auf Wanderschaft gehen. Ein Enkelchen gibt es jetzt auch, das ab und an von Oma betreut werden soll. Und das weiße Roland-Digital-Klavier im Wohnzimmer des Sonsbecker Hauses will endlich wieder mit Bach, Mozart und Chopin, abends auch mit Soul, Jazz und Pop gefüttert werden. „Ein Jahr herunterkommen“, hat sich Annegret Pfaff selbst verschrieben. „Und dann schauen wir mal…“