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Kabarett-Star Ingrid Kühne und ihre Mutter Gertrud Egger blicken zurück.

Familie der Xantener Kabarettistin : Von ihr hat De Frau Kühne das Showtalent

Gertrud Egger ist nicht nur die Mutter der Xantener Kabartettistin, sondern oft auch Mittelpunkt ihrer Späße.

Wenn Ingrid Kühne auf der Bühne steht, ist ihre Mutter immer dabei. Genau wie ihr Mann Ralf und ihr Sohn Sven. Imaginär zumindest. Denn alle drei spielen zentrale Rollen in den Texten der Xantener Kabarettistin und Büttenrednerin – bis hin zum fingierten Telefongespräch mit der Mama. Und Gertrud Egger kann gut damit leben, dass sich dabei hunderte von Zuschauern schlapplachen. Sie ist stolz auf ihre Tochter und deren großen Erfolg auf den Kleinkunstbühnen in ganz Deutschland, versicherte sie bei einem Ortstermin in Aldekerk.

Auch im größten Karnevalsstress lässt sich Ingrid Kühne nicht nehmen, regelmäßig am Rahmer Kirchweg vorbeizuschauen. Hier in Aldekerk hat die Komikerin ihre Kindheit und Jugend verbracht, hier hat sie auch zum ersten Mal auf der Bühne gestanden. Und hier hat sie ihren Mann Ralf, begleitet von zwei Freunden, zum ersten Mal ihrer Mutter vorgestellt. Kennengelernt hatte sie ihn in der Disco, im Schweizerhaus in Kleve-Materborn „Das haben sie danach aber abgerissen“, sagt Ingrid Kühne lachend. Ralf immerhin schaffte es, seine Ingrid nach Xanten zu führen, wo die Familie heute am Rheindeich in Lüttingen lebt.

Zurück nach Aldekerk. Gertrud Egger ist ein Urgestein des Dorfes, hier 1936 als Gertrud Croonenbroeck geboren und aufgewachsen. Mit vier Geschwistern, davon drei „Jonges“. „Ich hatte die beste Mutter der Welt“, erinnert sie sich. Der Vater war im Krieg gefallen. Mutter Regina zog nicht nur die Kinder groß, sondern versorgte auch die pflegebedürftigen Großeltern. Dafür wurde Oma Cöly von allen geliebt. Gertrud Egger machte schon früh das, was ihre Tochter Ingrid heute professionell treibt. Sie spielte Mundarttheater, war Tanzmariechen und Büttenrednerin. Unvergessen sind in Aldekerk ihre Zwiegespräche mit ihrem Bruder Köb, den man auch als Geschäftsstellenleiter der Volksbank im Dorf gut kannte. „Das war für Aldekerk so, als ob das Colonia-Duett in Köln auf die Bühne kam“, sagt Ingrid Kühne. Noch besser wären aber die Parodien auf „Pack die Badehose ein“ bei Familienfeiern gewesen. „Mutter kann toll singen. Von diesem Talent habe ich leider nichts abbekommen“, sagt Ingrid Kühne.

Und früh, ganz früh, kam so auch Ingrid Kühne auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Ende der 70er Jahre wurde sie für die Kinderrollen im Theater bei den Inszenierungen von Lehrer Wilhelm Sommer und Gerta Solty eingesetzt – etwa bei der „Pelzjacke“, der Vogteier Version des „Biberpelz“ von Gerhart Hauptmann. Und Ingrid Kühne konnte immer auf ihre Mutter zählen, auch, als sie wegen des Dauerärgers mit einer Lehrerin und gefrustet vom Hängenbleiben in der 10 das Lise-Meitner-Gymnasium verließ und zur Liebfrauenschule Mülhausen wechselte. Damals machte Gertrud Egger sogar den Führerschein, um die nach einem Unfall eingeschränkte Tochter zur Schule bringen zu können. Und auch der Abschied von der Schule vor dem Abi, um in Vater Alfreds Fußstapfen zu treten, der in Kevelaer bei Butzon und Bercker arbeitete, und in Geldern bei Schaffrath Schriftsetzerin zu werden, trug man gemeinsam.

Gertrud Egger arbeitet als Friseurin, betrieb lange den Salon im Altersheim. Und engagierte sich an allen Ecken, etwa im Amelandlager. „Ich bin sehr behütet aufgewachsen“, sagt Ingrid Kühne und „wir mussten uns nie Sorgen um sie machen“, gibt Mutter Gertrud zurück. Wobei Ingrid einräumt, schon immer „der Clown“ gewesen zu sein. Der ist sie heute auf der Bühne und im Fernsehen. Sind die ganzen Geschichten über Mutter, Ralf und Sven denn wahr? „Frei erfunden“, sagt Gertrud Egger und dann einigt man sich darauf, dass doch vieles so gewesen sein könnte. Ingrid Kühne: „Diese Geschichten, die im Leben passieren, die kann man so gar nicht erfinden. Da muss man gut zuhören und sich das dann sofort aufschreiben.“ Etwa, wenn in Aldekerk Bauarbeiten sind, und Mutter fragt, was denn da gemacht wird. „Die verlegen Kabel für das Internet“. „Blödsinn“, lautet die Antwort, „heute hat doch jeder Wlan.“ Beleidigt sei sie nie, wenn sie im Publikum sitzt und der ganze Saal über sie oder mit ihr lacht, sagt Gertrud Egger. „Meistens kann ich selbst darüber lachen“. Und sie freut sich schon auf den Altweibertag, wenn sie abends mit ihren Verwandten und Freunden Ingrid Kühnes Auftritt bei der ZDF-Mädchensitzung im Fernsehen schauen kann.