Xanten: Jungen lieben Feuer, Mädchen das Trapez

Xanten: Jungen lieben Feuer, Mädchen das Trapez

Der Zirkus ZappZarap hat sein Zelt an der Wilhelm-Koppers-Grundschule aufgeschlagen. Die knapp 200 Kinder aus Veen und Menzelen machen in der Manege wichtige Erfahrungen. Am Wochenende sind Vorstellungen für die Familien.

Auf den Fluren, in den Klassenzimmern und natürlich im großen Zelt auf dem Schulhof der Wilhelm-Koppers Grundschule in Menzelen-Ost wird in dieser Woche jongliert, gezaubert und geturnt statt geschrieben, gelesen und gerechnet. Anlass dafür für den radikalen inhaltlichen Wechsel ist die dritte Zirkusprojektwoche mit dem Leverkusener "Circus ZappZarap".

An dem Zirkus-Projekt nehmen neben 198 Grundschülern aus Menzelen und Veen auch 60 Eltern teil, die bereits am vergangenen Samstag in drei Schichten das 275 Sitzplätze fassende Zirkuszelt aufgebaut haben. Viele Eltern proben mit den künftigen Stars in der Manege auch das Dutzend Zirkusnummern ein. Darauf wurden sie im Vorfeld in einem Seminar vorbereitet.

Dazu können sie in dieser Woche auf die Unterstützung durch die Zirkuspädagoginnen Angela Priester und Katrin Jahn zählen. Zwar fällt der Unterricht in dieser Woche aus, wichtige pädagogische Aspekte, die sonst manchmal im Unterrichtsalltag etwas zu kurz kommen, stehen aber dennoch im Vordergrund. Schließlich lautet das Motto der Projektwoche nicht umsonst: "Kannst Du nicht war gestern".

"Die Kinder erlernen andere Fähigkeiten, entwickeln Selbstbewusstsein sowie ein intensives soziales Miteinander und sammeln wichtige Erfahrungen in der Gruppe", erklärt Rektorin Anette Krömker. Daneben lernen die Kinder, Misserfolge zu verkraften, Ängste zu überwinden und, sich nonverbal zu verständigen. Denn in der Manege ist es ganz wichtig, sich einzig mittels Gesten und Mimik verständigen zu können.

Katrin Jahn hebt einen weiteren Aspekt hervor: "Im Zirkus haben die Kinder die Möglichkeit, aus ihrem Alltag auszubrechen. Sie kommen in völlig neue Gruppen, die im Alter gemischt sind, und schaffen sich so ganz neue Rollen."

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Dazu soll die Selbstständigkeit der Teilnehmer mit gezielten Maßnahmen gefördert werden. So gibt es zum Beispiel weder einen Zirkusdirektor noch einen vorgegebenen Ablaufplan. "Alles wird von den Kindern selbst organisiert. Die Eltern stehen zwar im Hintergrund, sind aber bewusst in schwarz gekleidet, damit erkennbar wird, was die Kinder leisten", sagt Rektorin Anette Krömker.

Die Rollenverteilung aber ist auch im Zirkus noch eher traditionell. Während es die Mädchen vorwiegend ans Trapez zieht, steht bei den Jungen das Spiel mit dem Feuer ganz hoch im Kurs. Um dem Bedarf auch gerecht werden zu können, wurde kurzerhand die Jonglage-Nummer gestrichen und dafür eine zweite Gruppe angehender Feuerschlucker ins Leben gerufen.

Damit deren Mitglieder nicht in Versuchung geraten, das Gelernte zu Hause auszuprobieren, greifen die Mütter Vera Elbers und Deborah Aulich zu einem Trick. "Feuerschlucken funktioniert nur mit der echten Einhornspucke, weil die nicht ganz so heiß wird", erläutert Deborah Aulich ihren Schützlingen. Der siebenjährige Matthias hat die Lektion sofort verstanden: "Wenn ich mich verbrenne, tut das nicht so weh."

Am Trapez nimmt Angela Priester den angehenden Artistinnen die anfängliche Angst: "Es muss nicht alles hundertprozentig sein, aber ich bemühe mich, es so aussehen zu lassen." Vom Erfolg dürfen sich am Freitag die Alpener Kindergartenkinder und alle ehrenamtlichen Helfer bei der Generalprobe überzeugen. Am Wochenende heißt es dann für rund 800 Eltern, Großeltern und Geschwister: Manege frei für die Zirkus-Kinder.

(RP)