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Ingrid Kühne glückt die Feuertaufe bei Seniorennachmittag in Xanten

Kabarett im Haus der Begegnung : „De Frau Kühne“ glückt die Feuertaufe

Mit ihrem Programm „Wie war das früher no(ch)rmal“ ließ Ingrid Kühne 160 Senioren im Haus der Begegnung gar nicht aus dem Lachen herauskommen. Der Auftritt war eine Generalprobe für die Kabarettistin vor einer WDR-Aufzeichnung.

Wenn an einem Nachmittag im Haus der Begegnung mehr als zwei Stunden nur gelacht wird, dann könnten die Anekdoten von Ingrid Kühne der Grund dafür sein. Und genauso war es am Montag: Die Kabarettistin aus Lüttingen, besser bekannt als „de Frau Kühne“, sorgte dafür, dass 160 Menschen über 60 Jahre aus dem Lachen kaum noch heraus kamen. Und das für nur fünf Euro Eintrittspreis, der Sozialstiftung der Stadt als Trägerin des Hauses sei Dank.

Er sei nicht die Frau Kühne, aber das liege nur an seiner Frisur, begrüßte Bürgermeister Thomas Görtz und nach ihm die Leiterin des Hauses, Barbara Doerk, die Besucher in der Begegnungsstätte für Senioren an der Karthaus. Und dass Kühne mit einer gehörigen Portion Selbstironie Alltagsgeschichten aus ihrem ersten Solo-Programm „Wie war das früher no(ch)rmal“ erzählte, hatte einen guten Grund: Am Donnerstag zeichnet das WDR-Fernsehen dieses Kabarett-Programm um 20 Uhr in der Rheinberger Stadthalle auf.

 Diese Damen konnten sich gar nicht mehr beruhigen, so viel Spaß bereiteten ihnen Ingrid Kühnes Anekdoten.
Diese Damen konnten sich gar nicht mehr beruhigen, so viel Spaß bereiteten ihnen Ingrid Kühnes Anekdoten. Foto: Fischer, Armin (arfi)

„Ihr Xantener habt mir dafür heute Absolution erteilt“, dankte die 50-Jährige zum Schluss des überaus vergnüglichen Nachmittages dem begeisterten Publikum, das immer wieder applaudierte und ein ums andere Mal mit zustimmendem Kopfnicken reagierte. Nicht zuletzt, weil sich die Senioren immer wieder in den Geschichten wiederfanden, die Kühne zum Besten gab. Die Anekdoten handelten häufig von Ereignissen, die die Kabarettistin mit ihrer Mutter, ihrem Mann Ralf und dem Sohn Sven erlebt hatte.

„Mütter können das: Die sagen dir ins Gesicht, dass du dick geworden bist“, stellte Kühne gleich zu Beginn kategorisch fest. Ihr Hausarzt Dr. Miele sei da ganz anders, der habe das geschickt verpackt, neulich, als sie in seiner Praxis war. Der Arzt habe ihr nämlich empfohlen, sich selber als Auto zu betrachten, das weniger Sprit (sprich: Nahrung) brauche, wenn erst einmal der Anhänger abgekoppelt ist.

Kopfkino hatte eine Dame in der ersten Reihe, als „de Frau Kühne“ erzählte, wie sie ein Duplo, die längste Praline der Welt, isst: Sie knabbere den Rand an den vier Seiten ab, lege quasi den Keks frei, so die Kabarettistin. Und schon im nächsten Moment musste sie besorgt nachfragen „geht et? Ist hier ein Arzt?“, weil die Seniorin aus dem Lachen nicht mehr herauskam. „Tschökes“, rief sie kurz darauf unvermittelt einem Besucher zu, der mitten in der zweiten Halbzeit aufstand. „Wo gehsse? Nach Hause? Musse kochen?“, fragte Kühne frech nach. Die Antwort: Ja. Aber seine bessere Hälfte bleibe hier, „die erzählt mir nachher den Rest“, entgegnete der Gast keck.

Das dürfte schwierig werden. Denn es ist fast unmöglich, alles zu behalten, was Kühne aus dem Ärmel zieht, bei der es in der Küche eine Rummels-Schublade gibt, wo alles Wichtige liegt, auch das Fieberthermometer, der Kugelschreiber, der nicht mehr geht, und das wasserfeste Pflaster. Das Frauenpflaster nennt sie es, weil „wir auch mit Verletzungen weiter arbeiten“.

„Die ist echt gut“, lobte ein 76-Jähriger die Kabarettistin, der regelmäßig im Haus der Begegnung Bingo spielt. Er habe sie schon öfter gesehen, die Frau Kühne, die ihr Hobby zum Beruf gemacht hat und zu fast allen Auftritten von Ralf, seit 25 Jahren ihr Ehemann, begleitet wird. „Die beobachtet ja alles immer haargenau. Alles ist genauso, wie sie es erzählt“, sagte eine Seniorin und wischte sich Lachtränen weg. Eine letzte Kostprobe gefällig? „Männer tanken immer auf glatte Summen. Dann ziehen sie den Rüssel ein Stücksken zurück und schütteln ab“. Oh Mann. So isse, die Frau Kühne.