Xanten: In Xanten die zweite Heimat gefunden

Xanten : In Xanten die zweite Heimat gefunden

Seit zwei Jahren lebt das iranische Flüchtlingspaar Akbari in der Römerstadt. Geschafft haben sie ihr neues Leben vor allem dank ihrer Freunde vom Arbeitskreis Asyl.

Wenn es um das Thema Asylbewerber geht, kommen häufig negative Gefühle auf. Von Problemen ist dann die Rede, von Herausforderungen und Kosten. Dass es auch Beispiele gelungener Integration gibt, dass anerkannte Flüchtlinge zu wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft werden, wird dabei allzu oft vernachlässigt.

Diese positiven Beispiele gibt es jedoch, auch in Xanten. So wie im Fall von Familie Akbari (Name geändert) aus dem Iran. Seit zwei Jahren lebt das Ehepaar Sara (31) und Ali (37) Akbari nun in Deutschland. Seit einem Jahr ist es anerkannt. Sie arbeitet nun in der Hagelkreuz-Grundschule Lüttingen in der Nachmittagsbetreuung. Er ist Ingenieur in Mülheim.

Geschafft haben sie dies vor allem dank ihrer Freunde vom Arbeitskreis Asyl, sagen beide. Heike Pullich-Stöffken, Leiterin des Arbeitskreises, beschaffte dem iranischen Paar eine Unterkunft im Asylbewerber-Heim am Küvenkamp. Die Xantenerinnen Petra Elders und Daniela Postler nahmen die beiden Asylbewerber ehrenamtlich unter ihre Fittiche. Hauptaufgabe war es, dem Paar die deutsche Sprache beizubringen. Gleich nach der Ankunft ging der Unterricht los. Und Ehepaar Akbari lernte fleißig. "Eine Woche nach ihrem Einzug in die Unterkunft besuchte ich das Paar. In ihrem Zimmer waren auf Stühlen, Tischen und Wänden lauter Zettel mit der entsprechenden Bezeichnung. Sie haben von Anfang an — auch selbstständig — gelernt", sagte Pullich-Stöffken. "Hier war nun ein Paar, das alles verloren hatte, und doch merkte man deutlich, dass es weitermachen will, lernen will und sich um einen Neuanfang bemüht", bemerkte Postler. Sprache sei dabei der Weg zu allem, ergänzten die ehrenamtlichen Deutschlehrerinnen. Deshalb haben sie sich auch für die Arbeit im Arbeitskreis gemeldet, um Flüchtlingen durch Sprache auf den Weg zu helfen.

Tatsächlich ging das Engagement aber weit über den Sprachunterricht hinaus. Elders und Postler zeigten den Eheleuten die Stadt, brachten die Kultur näher und waren einfach Freunde. Auch bei diversen Anträgen und Formularen waren die Xantenerinnen notwendig, um dem Paar zu dolmetschen.

Doch nicht von allen fühlten sich die Iraner so willkommen geheißen. Immer wieder stießen sie auch auf Ablehnung oder Ignoranz — selbst vonseiten der Stadt. "Beim Thema Asylbewerber kommen immer noch oft negative Gefühle auf oder es wird gar nicht wahrgenommen", bemerkte Elders, "ich habe es mehrfach erlebt, dass die Leute ganz überrascht waren, dass es in Xanten überhaupt eine Asylbewerberunterkunft gibt."

"Wir wünschen uns mehr Offenheit von den Xantenern gegenüber Asylbewerbern, und das dies von den Amtsinhabern positiv vorgelebt wird. Es geht ja nicht immer um Geld, sondern darum, einfach respektvoll behandelt zu werden", betonte Ali Akbari. Seit ihrer Anerkennung fühlt sich die Familie aber angenommen und integriert. "Es war ein langer Weg, aber nun ist Deutschland unsere zweite Heimat geworden", resümierte Sara Akbari.

(beaw)
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