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Xanten: "In schlafenden Händen"

Xanten : "In schlafenden Händen"

Am Xantener Bahnhof geht fast alles: Fahrkartenverkauf, kompetente Beratung, Gepäckdisposition und Taxibestellung. Pech haben nur Reisende, die ein menschliches Bedürfnis verspüren: Die Toiletten sind verschlossen.

"Hier können Sie Fahrkarten für die Verkehrsgemeinschaft Niederrhein (VGN) oder für Ihren Italienurlaub kaufen", antworten uns die beiden Frauen am Auskunftsschalter in der Wartehalle fröhlich.

Sie führen das Bahn-Geschäft als beauftragte Agentur und disponieren sogar den Gepäcktransfern mit "Hermes" von der Wohnung bis zum Urlaubshotel "für 15 Euro pro Gepäckstück". Lediglich Fahrkarten ausschließlich für das Netz des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) sind hier nicht erhältlich. Anderes Geschäftsmodell.

Es fluppt wie gewollt

Auch sonst fluppt es am Bahnhof wie gewollt. Wenn der Regionalzug "Der Niederrheiner" im Stundentakt zwischen Duisburg und Xanten pendelt, rollen auch die Anschlussbusse der innerstädtischen Stadtbuss-Stadtlinie und die der Fernverbindungen nach Kleve und Wesel in den Busbahnhof.

Die Stadt Xanten hat das Umfeld nicht nur städtebaulich ansprechen gestaltet, sondern auch funktional mit einem "park & ride"-Platz sowie mit Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder und Fahrradboxen ausgebaut.

Die Fahrradboxen können über die Tourist Information (TIX) angemietet werden. Der Bahnhof selber ist — abgesehen von verschiedenen Schmierereien — sauber. Er hat sich das Flair einer ländlichen Endstation im touristischen Zentrum am Niederrhein erhalten können. Und einmal am Tag schickt die Bahn jemanden zum Fegen vorbei.

Doch die Toiletten sind verschlossen, seit der letzte Pächter mit seinem Verleih für Fahrräder und andere Gefährte im Dezember des vergangenen Jahres nach Kevelaer umgezogen ist. Die Räumlichkeiten der früheren Gaststätte und des angeschlossenen Kiosk liegen brach — besenrein verlassen.

Für die Deutsche Bahn ist das kein Thema. Zumindest verloren sich bis gestern Nachmittag die Bemühungen um Auskunft im Fließsand des Unternehmens.

Dafür reicht's in der Stadt allemal zum Politikum. Erst kürzlich stellte die FBI Bürgermeister Strunk vor die Wahl, den Bahnhof entweder zu kaufen oder ein Dixi-Klo aufzustellen.

Aber abgesehen von dieser folkloristisch anmutenden Einlage der Xantener Kommunalpolitik ist die Zukunftsplanung der Bahn AG der Stadt nicht egal. "Doch das Immobiliengeschäft der Bahn liegt in schlafenden Händen", seufzt CDU-Fraktionschef Heinrich Gundlach.

Mehr Potenzial vorhanden

Dabei ist das Potenzial noch nicht ausgereizt. Bereits im Stadt- und Dorfentwicklungskonzept für Xanten hat der Aachener Städteplaner Professor Castro die Verlängerung der einstmals bis Kleve führenden Strecke zumindest bis zum neuen RömerMuseum vorgeschlagen.

Castros Vorschlag erhält weitere Dynamik durch die erklärte Absicht des Landschaftsverbandes (LVR), im APX nahe dem Erprather Weg und somit in Nachbarschaft zur stillgelegten Bahntrasse ein Entdeckerforum sowie die Bereiche für Magazin und Restauratorenwerkstatt zu bauen. "Mitmach-Museum" lautet der Arbeitstitel dafür. Der APX will dort für mit der Bahn anreisende Schulklassen einen kurzen Zugang schaffen.

Doch der schlafende Riese Bahn gähnt auch hier weiter. Gundlach: "Es ist einfach mühsam, hier Informationen zu erhalten." Immerhin: Gerüchteweise hat er vernommen, dass die Bahn inzwischen nicht mehr kategorisch erklärt, den Bahnhof "nur verkaufen zu wollen, sondern sich auch eine Verpachtung vorstellen kann".

Die Stadt — so der CDU-Fraktionsvorsitzende — wird den Bahnhof "sicherlich nicht kaufen". Doch einen Servicepunkt für Touristen und für den APX kann er sich in Kooperation mit dem LVR dort vorstellen. "Das muss näher überlegt werden."

(RP)