In der Wohnanlage St. Bernadin wird durch den Naturschutzbund (NaBu) und die Caritas das Projekt "Umweltbildung für alle – Inklusion inklusive“ umgesetzt.

Sonsbeck: Gartenarbeit für Herz und Verstand

In der Wohnanlage von St. Bernadin lernen Menschen mit Behinderung alles übers Gärtnern. Angeleitet werden sie von Sabine Kotzan. Die Landschaftsökologin leitet das Leader Projekt „Umweltbildung für alle – Inklusion inklusive“.

Vom Beet direkt bis auf den Teller. In der Wohnanlage von St. Bernadin lernen Menschen mit Behinderung alles über das Gärtnern und bereiten aus dem, was sie im Garten ernten, leckere Speisen zu. Die Caritas ist Träger der Anlage, in der 150 Menschen leben. Das ehemalige Kloster verfügt über einen großen, weitläufig angelegten Garten. Hier ist der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) aktiv. Mit Sabine Kotzan vor Ort an der Spitze.

Die Münsteranerin ist seit März mit dem Leader-Projekt „Umweltbildung für alle – Inklusion inklusive“ in St. Bernadin tätig. Das Projekt wird bis 2020 von den Regionen „Leistende Gesellschaft“ (Geldern, Kevelaer, Nettetal und Straelen) und „Niederrhein: Natürlich lebendig“ (Alpen, Rheinberg, Sonsbeck und Xanten) gefördert. Kotzan ist das eine Herzensangelegenheit. Die Gartentherapeutin möchte eine barrierefreie Umweltbildung etablieren.

So geht sie einmal in der Woche für zwei Stunden mit interessierten Bewohnern in den Garten und erklärt alles, was hier so wächst und gedeiht. Ein Angebot, das im Haus gut ankommt. Denn die Bewohnergruppe hat sichtlich Spaß an der frischen Luft in diesem so goldenen Oktober. „Kreative Angebote gibt es hier in St. Bernadin reichlich. Mir war es wichtig, ein Programm zu entwickeln, bei dem die Bewohner vor allem rausgehen können“, erklärt sie. Und hier gibt es allemal einiges zu tun.

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Kräuterhochbeete, Blumen- und Gemüsebeete reihen sich aneinander. Alles muss gegossen, gepflegt und schließlich geerntet werden. Dabei wird Wissen vermittelt – etwa, wie die Ernte weiterverarbeitet werden kann. Denn das ist das zentrale Thema in Kotzans Projektarbeit. Heute werden die Kürbisse geerntet, bevor sie matschig werden und verfaulen. Umgeben von Tomaten und Sonnenblumen werden sie nach und nach auf eine Schubkarre getragen und können dann später in der Küche der Wohnanlage zubereitet werden.

„Es ist ein Naturerleben mit allen Sinnen“, beschreibt die Landschaftsökologin ihre Arbeit. Als fast luxuriös empfindet Kotzan die Unterstützung des Hauses. Ein pädagogischer Mitarbeiter sei immer mit im Garten dabei, erklärt sie. Doch nicht nur das. Ehrenamtliche Kräfte und die hauseigene Gärtnertruppe kümmern sich mit um die große Grünanlage. „Die haben toll geholfen und täglich die Pflanzen gewässert. Ohne sie wären wir nicht durch den heißen und langen Sommer gekommen“, sagt Kotzan.

Aber es wird nicht nur geschuftet. In der Pause wird ein Gemüsequiz gespielt. Dabei erraten die Bewohner heimische Früchte wie Kastanien, Walnüsse oder Maiskolben, die sie durch eine Socke ertasten. Das ist schwieriger als gedacht. Danach werden Lieder gesungen und wieder etwas dazu gelernt. Nämlich, dass bei dem Kinderlied „Ein Männlein steht im Walde“ von Hoffmann von Fallersleben die Hagebutte gemeint ist. Im Sommerhaus werden anschließend heiße Maronen mit Kräuterquark zubereitet und verkostet. Die Saison ist bald vorbei, und Kotzan überlegt sich schon Drinnen-Aktionen für den Winter. Das Leader-Projekt „Umweltbildung für alle – Inklusion inklusive“ dauert noch zwei Jahre an. Danach müsste eine Verlängerung der Förderung bei den Leader-Regionen beantragt werden. Eines von Kotzans Zielen ist es, künftig auch mit an Demenz erkrankten Menschen zusammen zu gärtnern.

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