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Xanten: In aller Munde: Analogkäse

Xanten : In aller Munde: Analogkäse

Nach den Veröffentlichungen der Verbraucherzentrale über Lebensmittel-Imitate ist die Diskussion über die Kennzeichnung von Zutaten entbrannt – auch auf dem Wochenmarkt. Obwohl längst nicht jeder die Listen liest.

Nach den Veröffentlichungen der Verbraucherzentrale über Lebensmittel-Imitate ist die Diskussion über die Kennzeichnung von Zutaten entbrannt — auch auf dem Wochenmarkt. Obwohl längst nicht jeder die Listen liest.

Schokoladenkekse ohne Schokolade — nur eins von gut einem dutzend Produkte, die nicht halten, was sie versprechen. Nachdem die Verbraucherzentrale Hamburg die Liste veröffentlicht hat, sind Lebensmittelimitate ins Gerede gekommen. NRW-Verbraucherminister Eckardt Uhlenberg will jetzt eine eindeutige Lebensmittelkennzeichnung durchsetzen, die die Verbraucher auch verstehen.

Eine Ansicht, hinter der Anneliese Pasch steht. Sie kann das Thema so richtig aufregen: "Das kann doch wohl nicht wahr sein", schimpft die Xantenerin. "Da isst man Pizza mit Käse und Kochschinken, und da ist weder Fleisch noch richtiger Käse drauf. Unglaublich."

Wie sie reagierten gestern viele Besucher des Xantener Wochenmarkts. Doch nicht alle nehmen es so genau wie Anneliese Pesch. Sie guckt immer in die Zutatenliste rein — "jetzt erst recht".

Melanie Bernhauser gibt hingegen zu, dass sie sich keineswegs immer mit den Auszeichnungen beschäftigt. "Ich lese schon mal in die Liste rein, vor allen Dingen, womit Lebensmittel haltbarer gemacht werden", sagt sie. Das aber sei keinesfalls die Regel.

Keine Geheimnisse

Auf dem Wochenmarkt muss sie sich auch nicht großartig damit auseinander setzen — betonen jedenfalls die Händler. "Bei mir kann jeder zusehen, was in die Reibekuchen reinkommt", erklärt Norbert Lindenbeck aus Oberhausen und rattert das Rezept herunter. Von Miss-Kartoffeln aus Alpen, Mehl und Haferflocken bis zu Salz, Pfeffer, Zwiebeln und gutem Rapsöl — "da gibt es doch keine Geheimnisse."

Auch Johannes Kolster aus Kleve-Kellen hat nach eigenen Angaben nichts zu verbergen. In allen Farben schimmern seine Süßigkeiten, die er seit 28 Jahren auf Märkten verkauft. Tütchen, die er selbst aus größeren Gebinden abpackt, beschriftet er mit eigenen Etiketten. Die Kräuterbonbons, so lernt der Marktbesucher, bestehen aus Zucker, Glukosesirup sowie "Arab. Gummi", und im Notfall erzählt Kolster auch, was das so ist. Auskünfte, die er derzeit immer öfter geben muss. Früher, so der Markthändler, habe niemand auch nur mal nachgefragt. Dies habe sich jetzt geändert.

Nach alten Rezepten

Das bestätigt auch Claudia Zickerick von der Metzgerei Motten aus Eick-West. Doch sie beruhigt beunruhigte Kunden: Mit Ausnahme von zwei zugekauften Wurstsorten, komme alles aus eigener Herstellung nach uralten Rezepten: "Der Chef benutzt nicht mal Gewürzmischungen, damit er genau weiß, was wirklich in der Wurst ist."

So etwas hören Ruth Ravens und Anna Wilbert aus Menzelen gern. "Wir gehen eben auf den Wochenmarkt in Xanten, weil alles frisch ist", sagt Anna Wilbert. "Aber ich kaufe natürlich auch woanders. Und da lese ich nicht nach, was alles drin ist", sagt sie und lacht. "Sonst würde ich vermutlich gar nichts mehr essen."

(RP)