Xanten: Immer wieder nachhaken

Xanten : Immer wieder nachhaken

Der Behindertenbeauftragte der Stadt Xanten nimmt sich für jeden Zeit: Das, so sagt Werner Paessens, hätten die Menschen verdient. Und obwohl er auch immer das Machbare im Blick hat, liegt ihm eins nicht: aufgeben.

Wenn er eine Aufgabe übernimmt, dann richtig. "Halbe Sachen mach ich nicht", sagt Werner Paessens selbstbewusst. Das gilt für den Einsatz für die Marienbaumer Grundschule, in der Politik und seit zwei Jahren auf einem auch für den 72-Jährigen neuen Betätigungsfeld.

Der gelernte Werkzeugmacher, der sich über die Abendschule weiterqualifizierte und 42 Jahre lang bei Trox in Neukirchen-Vluyn arbeitete, ist Behindertenbeauftragter der Stadt Xanten. Eine Aufgabe, bei der man den Mund nicht halten darf, sagt er. Schon gar nicht am Vorabend des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen, der morgen begangen wird.

Kleine, aber wichtige Fragen

Der Anfang gestaltete sich noch etwas schleppend. Wenn Paessens einmal im Monat zur damals neu eingerichteten Sprechstunde in den barrierefrei zu erreichenden Raum gegenüber dem Standesamt rief, verirrten sich nur wenige Ratsuchende in das Erdgeschoss des Rathausanbaus. In den vergangenen Monaten musste er wegen des Andrangs mehrfach Zusatztermine einschieben, berichtet er nicht ohne Stolz. Schließlich habe er "bei Null" angefangen. "Es gab keine Unterlagen, nichts." Vor allem aber: "Ich lasse mir Zeit. Darauf haben die Menschen einen Anspruch."

In der Mehrzahl sind es die kleinen, jedoch immens wichtigen Fragen, die Paessens beantworten muss. Wer zum Beispiel zum ersten Mal eine Schwerbehinderung offiziell feststellen lassen muss, muss seitenweise Anträge ausfüllen. Unterlagenbeschaffung, Widersprüche —, da musste sich selbst Paessens einlesen.

Und weil ein nicht unerheblicher Teil seiner Klientel das Rathaus nur mit Schwierigkeiten erreichen kann, macht der 72-Jährige Hausbesuche. Alles, das weiß er, weiß er auch nicht. Aber im Rathaus, da kennt er sich aus, weiß er, an wen sich wer mit welchem Anliegen wenden kann — ob es um Pflegesätze oder finanzielle Unterstützung zum Kauf von Möbeln oder speziellen Betten geht.

Und immer wieder die barrierefreie Stadt. "Bürgersteigabsenkungen sind kein Steckenpferd, sondern notwendig — wo auch immer es geht." Vom Planungs- und Bauamt bekommt Paessens die Unterlagen für jedes neue Vorhaben — und die werden durchgearbeitet. "Natürlich muss man das finanziell Machbare sehen, aber ohne ewiges Nachhaken läuft — egal wo — nicht genug", weiß Paessens.

Einmischen

Deshalb bringt er auch immer wieder den gewünschten Treppenlift im Rathaus ins Gespräch, mischte er sich in die Diskussion um ("nach Expertenmeinung wirklich unnötige") Handläufe hinab zur Markttoilette ein, schreibt er sich die Finger wund, wenn Behinderte Poststellen nicht erreichen können. "An der Scharnstraße lässt sich zwar keine Rampe bauen, aber eine Schelle anlegen," sagt er.

(RP/rl)
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