Xanten: Im Café Kinderwagen finden Eltern Rat

Xanten : Im Café Kinderwagen finden Eltern Rat

In vier Familienzentren können sich Mütter und Väter von Säuglingen und Kleinkindern bei einer Tasse Kaffee treffen, von einer Kinderkrankenschwester beraten lassen und andere junge Eltern kennenlernen.

154 Xantener Familien bekamen im vergangenen Jahr Nachwuchs. Jedes Mal ein Grund zur Freude, oft aber auch Anlass für viele Fragen, Probleme, Unsicherheiten. Entwickelt sich der Fratz gut? Warum ist sein Po ständig entzündet? Machen wir bei der Ernährung alles richtig?

Für Eltern von Säuglingen und Kleinkindern, denen solche Dinge unter den Nägeln brennen, gibt es in Xantener Familienzentren nun etwas Neues: das "Café Kinderwagen on Tour". In insgesamt vier Einrichtungen können Mütter und Väter sich montags bei einer Tasse Kaffee und Keksen treffen, klönen und sich beraten lassen. Eine Kinderkrankenschwester oder eine Familienhebamme ist stets mit dabei. Bei ihnen können die Café-Gäste ihre Kinder auch wiegen und messen lassen, um zu prüfen, wie sie sich körperlich entwickeln.

Der Unterschied zu vielen anderen Treffs und Kursen für Eltern: Beim Café Kinderwagen ist keine Anmeldung notwendig und keine Gebühr zu zahlen. "Einfach vorbeikommen" lautet die Devise. "Ob jemand zwei Stunden bleibt oder nur eine halbe ist auch egal", sagte gestern Sandra Truka, die das Projekt beim Kreisjugendamt betreut. Das Amt ist mit dem fachlich begleiteten Kaffeekränzchen im Jahr 2012 in Hamminkeln gestartet und hat es inzwischen auch in Neukirchen-Vluyn installiert. In Xanten hat das Café am Montag, 24. Februar, im AWO-Familienzentrum Premiere.

Es gebe eine "gewisse Lücke zwischen der Hebammenzeit und dem Besuch des Kinderarztes", sagte gestern Kreisdirektor Ralf Berensmeier. Genau in diese Lücke passt das Café. Der Xantener Beigeordnete Thomas Görtz begrüßte das Angebot als eine "prima Ergänzung" des ehrenamtlichen Babybegrüßungsdienstes, den die Stadt im vergangenen Jahr eingerichtet hat. Das Team, das jungen Eltern im Namen der Stadt zum Nachwuchs gratuliert, werde künftig für das Café werben. Wie der Zufall spielt: Die gelernte Kinderkrankenschwester Gertrud Stamprath, die das Café Kinderwagen in Xanten als Honorarkraft leitet, gehört auch zur Gruppe des Begrüßungsdienstes. Für die Stadt bleibt das Café ebenso kostenlos wie für die teilnehmenden Eltern: Finanziert wird das Projekt aus Bundesmitteln (Bundesinitiative Frühe Hilfen).

Die Café-Termine bis zu den Sommerferien stehen fest. Danach wollen die Beteiligten zunächst über den Erfolg sprechen und überlegen, wie es weitergeht. In Neukirchen-Vluyn (mit annähernd 200 Geburten im Jahr) habe sich das Angebot sehr gut etabliert. Acht bis neun Eltern mit Kindern seien bei jedem Treff dabei. Neben der Beratung sei der soziale Aspekt der Treffen nicht zu unterschätzen. "Das Café ist auch eine Kontaktbörse", so Truka. Junge Mütter, die keinem Beruf nachgehen, litten oft unter einem Mangel an Bekanntschaften — erst recht wenn die Familie neu zugezogen ist.

Eltern aus allen Xantener Ortsteilen können nach Lust und Laune das "Café Kinderwagen" aufsuchen, egal wo es gerade stattfindet und in welcher Einrichtung. Auch Eltern zum Beispiel aus Sonsbeck seien willkommen. Niemand werde weggeschickt. Und: Zwar bilden Eltern von Kindern im Alter bis zu anderthalb oder zwei Jahren die eigentliche Zielgruppe. Doch das sei kein Ausschlusskriterium. "Auch eine Mutter mit einem sechsjährigen Kind würde nicht zurückgewiesen", sagte Sandra Truka.

(RP)