Xanten: Hülskens bereitet Kiesabgrabung vor

Xanten: Hülskens bereitet Kiesabgrabung vor

Das Gelände östlich der Salmstraße wird eingezäunt. Im Juli soll ein Schwimmbagger die Arbeit aufnehmen.

Rumms! Und noch ein Zaunpfahl ist in den Boden gerammt. Hermann-Josef van Bebber und Lothar Hüsgen haben ein Auge darauf, dass die Pfähle richtig stehen. Bernd Eldring befördert die Metallstäbe mit Hilfe seines Radladers tief in den Boden. Die Mitarbeiter der Firma Hülskens bereiten das Gelände zwischen dem Neubaugebiet Dombogen und Lüttingen für die Kiesabgrabung vor. "Wir ziehen insgesamt 1900 Meter Zaun", sagt Vorarbeiter van Bebber. Was bedeutet, dass er und seine Kollegen 475 Pfähle aufstellen müssen — "alle vier Meter einen".

Voraussichtlich im Juli wird die seit Jahren geplante Abgrabung beginnen. Vorher wird der bislang an der Xantener Südsee stationierte Saugbagger an die neue Einsatzstelle umziehen. "Wir müssen ein sogenanntes Aufschlussgewässer ausheben, weil es sich um einen Schwimmbagger handelt", erläutert Rudolf Koß, Geschäftsführer Technik bei Hülskens. Die Vorbereitungen sind etwas in Verzug geraten, weil Fachleute das 17 Hektar große Gelände gleich zweimal mit einem Spezialfahrzeug nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg absuchen mussten. Im Baugebiet Dombogen waren mehrere Fliegerbomben entdeckt worden. Und der Kampfmittelräumdienst kriegt wohl erneut zu tun. "Es gibt zwei Verdachtsstellen", sagt Koß.

Bis an die Gärten der Lüttinger reicht das Abgrabungsgebiet. Die Anwohner, die bislang auf einen Acker blickten, sehen derzeit durch einen Maschendrahtzaun auf eine merkwürdige Landschaft aus wohl Tausenden in Reih und Glied angeordneten Holzpflöcken, die durch Schnüre verbunden sind. An den Schnüren baumeln rot-weiße Bänder. "Eine Vergrämungsmaßnahme in Absprache mit der Unteren Landschaftsbehörde", sagt Hermann-Josef Vorarbeiter van Bebber. Die Flatterbänder sollen Vögel verscheuchen, die sonst auf die Idee kommen könnten, im Abgrabungsgebiet zu brüten.

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Was wohl die Anlieger zu all dem Treiben sagen? "Sie sind interessiert und freuen sich", fasst van Bebber seine Erfahrungen zusammen. "Schließlich kriegen sie einen See vor die Tür." Das Projekt sei eng mit der Planung der Stadt abgestimmt, fügt Rudolf Koß hinzu. Stichwort "Wohnen am Wasser". In das Konzept fügt sich auch die Flachwasserzone auf der anderen Seite des Dombogens, zur B57 hin, die von der Xantener Firma Scholten ausgehoben wird. Von Flachwasser kann bei der Hülskens-Abgrabung allerdings keine Rede sein. "Wir graben zwölf bis 14 Meter tief", sagt Koß. Aus dem Abraummaterial wird nach und nach eine begrünte Uferböschung angelegt. Später wird ein Wanderweg den neuen See säumen. Ein Bootsverleih ist nicht geplant. "Der See soll der Ruhe und Erholung dienen." Das Freizeitzentrum Xanten habe an dem neuen Gewässer in Nachbarschaft zur Südsee kein Interesse.

Nach derzeitigen Plänen wird die Kiesabgrabung bis 2017 dauern. Dass archäologische Funde den Zeitplan durcheinanderwirbeln, damit ist in Xanten aber immer zu rechnen. Ganze Museen könnten aus den Funden der Firma Hülskens bestückt werden — tatsächlich sind viele davon im Römermuseum zu sehen. Wie das römische Plattbodenschiff, das in den 90er Jahren an der Südsee zum Vorschein kam. "Der Kahn lag kopfüber im Wasser", erinnert sich Koß. Es ist auch schon vorgekommen, dass ein argloser Arbeiter ein ausgegrabenes antikes Bronzegefäß als Aschenbecher nutzte. "Bis ein Archäologe sich wunderte: Was haben Sie denn da . . .?" Doch das ist eine andere Geschichte.

(RP/rl)
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