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Horst Redmer vom Nabu Xanten: „Für einen Wandel der Landwirtschaft“

Horst Redmer vom Nabu Xanten : „Wir sind für den Wandel der Landwirtschaft“

Horst Redmer vom Nabu Xanten unterstützt die landesweite Volksinitiative Artenschutz. Hier erklärt er, welche Ziele die Naturschützer haben und was sich in der Region ändern müsste, um den Insektenschutz zu stärken.

Die Naturschutzverbände Bund, LNU und Nabu haben in NRW mehr als 66.000 Stimmen für ihre Volksinitiative Artenschutz gesammelt. Deshalb wird sich der Landtag mit ihren Forderungen beschäftigen müssen. Mit Horst Redmer vom Nabu Xanten sprachen wir darüber, wie es nun weitergeht und was sich die Naturschützer in der Region wünschen.

Herr Redmer, die Volksinitiative Artenvielfalt hat die notwendigen Unterschriften längst erreicht, der Landtag muss sich mit der Volksinitiative befassen – warum sammeln Sie weiter Unterschriften?

Horst Redmer Es geht darum, dass die Volksinitiative weiter im Bewusstsein der Bevölkerung sein muss. Jede Stimme mehr sorgt natürlich auch für eine größere Unterstützung. Aber wir machen in Xanten keine öffentlichen Sammelaktionen mehr, sondern haben die beiden Sammelstellen, Xantee an der Klever Straße und Unverpackt an der Viktorstraße. Dort können die Unterschriften abgegeben werden. Wie man kontaktlos die Volksinitiative unterstützen kann, steht unter www.artenvielfalt-nrw.de oder www.nabu-xanten.de. Wenn es so noch mehr Stimmen werden, ist das schön. Wichtig ist aber jetzt, was mit der Volksinitiative passiert. Selbst wenn es zehn Millionen Stimmen wären, würde es nichts bringen, wenn wir keine praktische Umsetzung in der Gesetzgebung von NRW erreichen. Deshalb ist es ein erster guter Schritt, dass sich der Landtag mit der Volksinitiative beschäftigen muss.

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Die Volksinitiative hat mehrere Forderungen aufgestellt. Was müsste sich konkret in unserer Region ändern?

Redmer Wir haben hier große Naturschutzgebiete, und bisher dürfen Landwirte dort konventionell bewirtschaften. Da sagen wir: Das darf nicht sein. Wir brauchen Pestizidverbote, aber begleitet von einer EU-Förderung als Ausgleich für den Landwirt, der diese Gebiete bewirtschaftet und durch das Pestizidverbot einen kleineren Ertrag hätte. Er muss weiter sein Auskommen haben. Wir sind ausdrücklich nicht gegen die Landwirte, sondern für den Wandel der Landwirtschaft und sagen: Die Gelder müssen anders verteilt werden, damit der Landwirt, der versucht, ökologisch wertvoll zu arbeiten, auch spürbar finanziell davon etwas hat.

Sind aus Ihrer Sicht auch für andere Bevölkerungsgruppen Einschränkungen notwendig?

Redmer Artenschutz kann nur funktionieren, wenn jeder Einzelne sein Verhalten ändert. Ein Gesetz hilft uns nicht weiter, wenn alle weitermachen wie bisher. Wie groß sollten zum Beispiel die Grünstreifen an Gewässern sein? Soll es nur ein Alibi-Grünstreifen sein oder sorgt man für einen größeren Streifen, um daraus ein besseres Biotop zu machen? Wir als Nabu sind zum Beispiel dagegen, direkt entlang der Hohen Ley zwischen Marienbaum und Labbeck einen Fuß- und Radweg anzulegen, weil die Hohe Ley ein wertvolles Biotop ist. Das wäre ein Flächenfraß mitten in der Natur. Fahrradfahren ist wichtig, aber dafür muss kein Radweg mitten in der Natur neu angelegt werden. Der Flächenfraß und die Flächenversiegelung ist eine Herausforderung für uns alle, ohne Neuorientierung geht es nicht. Wir gewinnen Lebensqualität, wenn wir die Natur schützen und die Artenvielfalt erhalten.