Xanten: Hochschul-Präsidentin bietet ihren Rücktritt an

Xanten: Hochschul-Präsidentin bietet ihren Rücktritt an

Heide Naderer hat nach internen Querelen den Hochschulrat informiert. Wie der damit umgeht, ist noch ungewiss.

Die Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal, Heide Naderer, hat nach hochschulinternen Querelen dem Vorsitzenden des HSRW-Hochschulrates, Prof. Aloys Krieg, Prorektor der Exellenz-Universität RWTH Aachen, ihren Rücktritt angeboten. Das bestätigte gestern Abend HSRW-Sprecherin Gabriele Stegers.

Naderer hatte sich vor drei Jahren bei der anstehenden Wahl der Präsidentin mit einer Stimme Mehrheit gegen die Gründungspräsidentin Prof. Marie-Louise Klotz nur knapp durchsetzen können. Sie war zuvor Kanzlerin an der vergleichsweise kleinen Filmhochschule in Babelsberg gewesen, hatte Erfahrungen in der Verwaltung der RWTH und in Amerika gesammelt.

Die knappe Wahl zeigte schon an, dass die junge, so schnell gewachsene Hochschule in sich gespalten war, sich Unmut über den Führungsstil der Gründungspräsidentin in Teilen breit gemacht hatte. Die Diskussionen zeigten aber auch, dass Naderer nicht damit rechnen konnte, in allen Abteilungen mit offenen Armen empfangen zu werden.

Nach dem von Klotz angestoßenen, sehr schnellen Wachstum der Hochschule setzte die neue Präsidentin auf eine Qualitätsoffensive. Die Hochschule sollte konsolidieren und sich als Institut mit hohem Qualitätsanspruch an Lehre und Forschung etablieren. Die neue Präsidentin stellte jüngst einen neuen Hochschulplan vor, realisierte die verstärkte Kooperation mit Schulen und versuchte den Brückenschlag in die Niederlande.

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Jüngst bekam die Hochschule unter ihrer Ägide vom Stifterverband für deutsche Wissenschaft das Zertifikat "Vielfalt gestalten" für ihr Engagement, die studentische Verschiedenheit an der HSRW zu einer Kernaufgabe der Hochschulentwicklung zu machen und Strategien, Strukturen, Angebote und Instrumente zu entwickeln und in den Hochschulalltag einzubinden. Außerdem setzte Naderer auf eine Hochschule, die sich der Nachhaltigkeit verschreibt. Zudem gelang ihr der neue Hochschulentwicklungsplan, der im Oktober vorigen Jahres vorgestellt wurde. Der zeigte klar auf, dass die Internationalität zur DNA der jungen Hochschule Rhein Waal (HSRW) gehört. Die Internationalität, die Ausrichtung als forschende Hochschule und nicht zuletzt die konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit, sowohl in den Studiengängen (beispielsweise Nachhaltige Landwirtschaft) als auch in der Bewirtschaftung der beiden Campus und des gesellschaftliches Engagements. Das seien, so betonte Naderer damals, auch weiterhin die Grundpfeiler der HSRW, die jetzt im "Hochschulentwicklungsplan 2017 bis 2022" festgeschrieben seien. Im Grunde führte Naderer damit die Ausrichtung der Hochschule von Beginn an fort. Man hatte den Eindruck, als habe die Hochschule mit diesem Plan ihren Frieden gefunden.

Auf der anderen Seite "verlor" die Präsidentin aber auch Kanzler, die im Streit gingen, verlor ihre Sprecherin und es gelang ihr anscheinend auch nicht, ihre Gegner zu überzeugen. Spektakulär misslang die Wahl eines Kanzlers, was zum Rücktritt des damaligen Hochschulratsvorsitzenden Prof. Gerard Meijer führte. Auch soll es innerhalb des Präsidiums immer wieder zu Konflikten gekommen sein.

Wie der Hochschulrat mit dem Rücktritts-Angebot umgehen wird, soll sich in den nächsten Tagen klären. Erst dann können auch mögliche Details diskutiert werden. Heide Naderer war gestern Abend für eine Stellungnahme nicht mehr zu erreichen.

(mgr)
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