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Hirtenprojekt: Posaunenchor Sonsbeck hat tropfnass die frohe Botschaft verkündet

Hirtenprojekt des Posaunenchors Sonsbeck : Tropfnass die frohe Botschaft verkündet

Der Posaunenchor Sonsbeck machte sich am Samstag in Hirtengewändern auf den Weg, um zufällige Passanten und Anwohner mit Musik zu überraschen. Das Regenwetter lockte jedoch nur wenige Zuhörer hervor.

Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet, als sich am Samstag die als Hirten verkleideten Mitglieder des Sonsbecker Posaunenchors auf dem Neutorplatz trafen, um mit ihren Blasinstrumenten vorweihnachtliche Stimmung zu verbreiten. Aufgrund des schlechten Wetters hatte sich nur eine Handvoll Zuhörer eingefunden, die der Musik lauschen wollten. Den Veranstaltern war das ganz recht, denn die wollten aufgrund der Corona-Pandemie Ansammlungen vermeiden; ihre musikalische Botschaft sollte die Zuhörer quasi im Vorbeigehen erreichen.

Der Posaunenchor Sonsbeck hat sich an einem Brauchtum aus dem Erzgebirge bedient, der am Niederrhein etabliert werden soll. Als Laufchor machten sich die Musiker auf den Weg durch die Gemeinde und überraschten an einzelnen Stationen zufällige Passanten oder durch die Fenster blickende Anwohner. Ideengeber Michael Böhme konnte am Samstag selbst nicht dabei sein. Als Ersatz übernahm Stefan Schmelting vom Posaunenchor in Goch-Pfalzdorf die musikalische Leitung. Der war von der Idee fasziniert. „Früher gab es solche Laufchöre auch bei uns des Öfteren“, erklärte er. „Heute tendiert man mehr zu zentralen Konzerten.“ Umso schöner sei es, solche alten Traditionen aufleben zu lassen.

 Hedwig Pohl (l.) und ihre Tochter Ute haben die Darbietung von ihrem warmen Zuhause aus genossen.
Hedwig Pohl (l.) und ihre Tochter Ute haben die Darbietung von ihrem warmen Zuhause aus genossen. Foto: Vastmans
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Vor dem Chor standen Grete und Karli, zwei Schafe neben erleuchteten Stalllaternen. Den Tieren machte das Wetter nichts aus, denn bei ihnen handelte es sich um Deko-Schafe, welche das Gesamtbild rund um die musizierenden Hirten abrundeten. Aber nicht nur die Schafe sorgten für die Authentizität der Veranstaltung. Zwei Mitglieder kennen die Hirtenfelder vor Bethlehem persönlich. Sie stammen aus der palästinensischen Stadt Beit Sahour. Von dort aus hatten sich die Hirten der Bibel nach aufgemacht, um dem Christuskind in Betlehem zu huldigen, nachdem ihnen dessen Geburt verkündet worden war.

Den Kontakt zum Posaunenchor hatten Fadi und Yazan Elyateem, welche die Europa-Klasse des Xantener Stiftsgymnasiums besucht hatten und nun studieren, über den Verein „Brass for Peace“ aufgenommen. Heute wohnen sie während des Studiums in Essen beziehungsweise in Duisburg, sind dem Posaunenchor Sonsbeck jedoch treu geblieben. Ihnen haben die Bläser auch die Idee mit der Schäferkleidung zu verdanken. „In unserem Land spielen Hirten eine große Rolle“, erklärte Fadi Elyateem.

Dem Publikum auf dem Neutorplatz taten die Musiker leid. „Eine sehr schöne Idee, alte Traditionen aufleben zu lassen“, sagte ein Zuhörer. „Aber das Wetter könnte wahrhaftig besser sein.“ Die Bläsertruppe indes ließ sich durch das Wetter nicht beirren.

Vom Neutorplatz ging es nach mehreren Adventsliedern – mit Grete und Karli im Bollerwagen – weiter zum LVR Wohnverbund Zur Licht, dann zum Alttorplatz und zum Schluss vor die evangelische Kirche. Am Alttorplatz lauschten einige Bürgerinnen und Bürger dem Spiel der Hirten aus dem trockenen Inneren ihrer Autos heraus. Hedwig Pohl und ihre 62-jährige Tochter Ute Pohl standen an der Haustür, um die musikalischen Darbietungen zu genießen. „Das ist Weihnachten“, sagte die 86-Jährige erfreut, die schon oft in der Kirche Adventskonzerte besucht hatte. „Heute mussten wir sogar ein paar Tränchen verdrücken“, ergänzte ihre Tochter. Und für den Hörgenuss mussten die Sonsbeckerinnen nich einmal aus dem Haus.

(rava)