Xanten: Hanna (85) lädt zum Abschiedsbierchen ein

Xanten: Hanna (85) lädt zum Abschiedsbierchen ein

Der Betrieb der Büdericher Gaststätte van Gelder ruht seit Weihnachten. Am 27. Januar geht es im Traditionslokal zum letzten Mal rund.

"Hat Hanna noch auf?" Diese Frage ist schon seit vielen Monaten in und um Büderich zu hören. Stets mit sorgenvoll gerunzelter Stirn. Was jeder weiß und doch keiner wahrhaben will, ist schon passiert: In der Traditionsgaststätte van Gelder am Marktplatz ist das letzte offizielle Bier getrunken worden. Seit Weihnachten ruht der Betrieb. Ungezählte Vereine, Organisationen, Stammtische, Familien und Kegelclubs haben bereits, teils tränenreich, ihre Abschiede von der Institution genommen. Nur einmal noch: Am Samstag, 27. Januar, öffnet Johanna van Gelder, die alle nur Hanna nennen, um 18 Uhr die Tür zum Abschied. Dann ist Schluss.

Hanna van Gelder ist fit wie der gern bemühte Turnschuh, aber 85 Jahre alt. Da darf man sich in den Ruhestand zurückziehen. Ihre Kinder Maria und Theo haben beruflich andere Wege eingeschlagen. An Bemühungen, einen Nachfolger für den Betrieb zu finden, hat es nicht gemangelt. Es hat sehr ernsthafte Verhandlungen mit Interessenten gegeben, doch letztlich ohne Erfolg. Wie berichtet, haben etliche Gruppen Alternativen für ihre Veranstaltungen gesucht. Zum Beispiel für den Karneval. Das hat vor allem mit dem riesigen Saal samt Bühne, Empore und Sektbar zu tun. Hier finden gut 800 Menschen Platz.

Wie die Familie jetzt erklärte, wird es hier keine Gastronomie mehr geben. Wie der Komplex künftig genutzt wird, sei offen, sagt Theo van Gelder. Der 53-Jährige, promovierter Theologe, arbeitet als Krankenhausseelsorger in Münster. Seit dem Tod des Vaters Heinz im Jahr 1993 unterstützt er seine Mutter bei organisatorischen und buchhalterischen Angelegenheiten. Sie hatte 1959 in den Betrieb eingeheiratet, aber schon ab 1956 mitgearbeitet. So bringt sie es auf gut sechs Jahrzehnte in dem Haus, das seit sechs Generationen in Familienbesitz ist.

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Die Geschichte des Lokals reicht noch weiter zurück. Es gehört zu den ältesten Gebäuden im Polderdorf, das in den 20ern des 19. Jahrhunderts als Ersatz für das 1813 auf Geheiß Napoleons komplett zerstörte Städtchen Alt-Büderich errichtet worden ist. Gaststätte, Poststelle, Bank sowie 1945 und 1975 auch mal Notkirche: Die Immobilie, multifunktional genutzt, war der Mittelpunkt des dörflichen Lebens. Das ist es auch, was Hanna so schätzt. "Ob Freud oder Leid: Ich war immer dabei", sagt die 85-Jährige, die in Spitzenzeiten fast 80 Kegelclubs bewirtet hat. Auf zwei Bahnen war Dauerbetrieb.

Vor Hanna van Gelders Tresen hat sich viel abgespielt. Die zentrale Lage im Kreis Wesel hat unter anderem dazu geführt, dass auch mal bundespolitische Größen wie Jürgen Möllemann (FDP) am Rande von Kreisparteitagen oder Wahlkampfveranstaltungen nach einem schnellen Bier verlangten. Dabei blieb der Wirkungskreis der Familie nicht auf die heimische Theke beschränkt. Jahrelang stemmte sie auch als Festwirtin im großen Zelt die Versorgung der Schützen. 2013 hat Hanna ihr letztes Schützenfest geschmissen. Natürlich wieder bis morgens um vier, weil sie ja aufpassen musste, dass alles läuft.

Jeder kennt Hanna, und sie kennt jeden. Wer in Büderich wissen will, wie es diesem oder jenem geht, der fragt am besten sie. Über Generationen ist sie mit den Familiengeschichten der Gäste vertraut. Am 27. Januar haben alle Freunde noch mal die Gelegenheit, Hanna van Gelder in ihrem Element zu erleben. Dann endet ein großes Kapitel der Bürksen Historie.

(fws)