Xanten: Große Poesie in witzigen Versen

Xanten: Große Poesie in witzigen Versen

Im Xantener Librarium lieferten sich sechs Poetry-Slamer ein wortgewaltiges Duell. Die rund 50 Zuschauer hörten humorvolle, tiefgreifende und intensive Texte von erfahrenen Vertretern ihrer Kunst.

Sie haben sechs Minuten Zeit, um ihre selbst verfassten Texte vorzutragen und das Publikum damit für sich zu gewinnen. So lautete die grobe Aufgabenstellung für die sechs Akteure der neunten Auflage des "X-Slam", die jüngst in der Xantener Buchhandlung Librarium stattfand.

Inhaltlich ist alles erlaubt, sagt Teilnehmer Tobias Reinartz: "Im Prinzip kann ich meinen Einkaufszettel vorlesen, wenn der witzig genug ist." Weil sich unter den rund 50 Besuchern in der rappelvollen Buchhandlung an der Marsstraße viele Neunlinge befanden, sah sich Moderator und "Slamer" Michael Schumacher vor Beginn zu einer Erklärung genötigt: "Poetry Slam ist ein moderner Dichterwettstreit. Die wichtigste Regel fürs Publikum lautet: Handys aus und keine Buh-Rufe." Für Letzteres sollte sich auch gar keine Gelegenheit bieten, denn die allesamt wettbewerbserfahrenen Protagonisten lieferten an diesem Abend allerfeinste Poetry-Kunst. Weil es sich um einen Wettstreit handelt, braucht es einen Sieger. Schumacher verteilte deshalb sieben mal zehn Wertungstafeln im Publikum.

Den schwierigen Part des Eisbrechers musste gemäß Losentscheid Anna Connie übernehmen. Die Gelsenkirchenerin machte anhand eines Songtextes die sexistische Ausdrucksweise so mancher Oldie-Liedzeilen deutlich. Sina Honnen lässt sich ganz einfach dadurch inspirieren, in dem sie in Bus und Bahn ihren Mitreisenden zuhört: "Am Schlimmsten sind die Omis. Sie sehen harmlos aus, aber wenn sie einmal anfangen zu reden, hören sie nicht mehr auf." Die amtierende Stadtmeisterin von Geldern fragt sich, was dahinter steckt und hebt den Text damit auf ein anderes Niveau: "Vermutlich ist ihr Mann längst verstorben, sie ist einsam und versucht zu Hause, mit den Blumen zu sprechen."

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Der einzige hauptberufliche Akteur war Phriedrich Chiller. Der Heidelberger heizte die Stimmung mit seinem humorvollen Text über einen Eisbären ein, der die "Packeis-Becher" leid ist und sich nach einem richtigen Vanilleeis sehnt. Tenor: "Es war einmal ein Eisbär im Eismeer, der hatte kein Eis mehr." Dynamisch und wortgewaltig beklagte sich Tobias Reinartz im Anschluss darüber, dass es große Menschen schwer haben, mit der Mode zu gehen: "Es scheint eine EU-Verordnung zu geben, nach der Hemden in Übergröße grundsätzlich ein Karomuster haben müssen." Dass Poetry durchaus tragisch und aufrüttelnd rüberkommen darf, bewies Kim Catrin. Die Vorjahresfinalistin der deutschsprachigen U-20-Meisterschaften schlüpfte auf tiefgreifende und intensive Weise in das Bewusstsein eines in der Lethargie seines Alltags gefangenen Menschen. Das war ganz große Poesie, die von der Jury entsprechend mit der Höchstpunktzahl ausgezeichnet wurde.

Auch im Finale überzeugte die "Slampoetin" aus Düsseldorf und sicherte sich den Sieg.

(RP)