Xanten: "Golde Hochtitt" bei Eheleuten Tinnefeld

Xanten: "Golde Hochtitt" bei Eheleuten Tinnefeld

Alpens berühmteste "Plattproterin", Christel Tinnefeld, und ihr Mann Heinrich haben vor genau 50 Jahren geheiratet. Keine Frage, bei dem Paar steht das Plattdeutsche im Vordergrund. Dazu kommen Gottvertrauen und Gelassenheit.

Vielleicht erfolgte sogar der Heiratsantrag auf "Heier Platt". Das hat Christel Tinnefeld nicht verraten. Nur so viel: Mit Ehemann Heinrich (82) spricht die 78-Jährige zuhause gepflegtes Platt - seit genau 50 Jahren. Somit feiert das Paar nicht einfach "Goldene Hochzeit", sondern "Golde Hochtitt". 1968 haben sich die beiden Bönninghardter das Ja-Wort gegeben.

Ganz gleich, ob sie Meinungsverschiedenheiten austragen, liebe Worte austauschen oder sich einfach unterhalten - bei den Tinnefelds geschieht das auf "Platt". Kein Wunder: "Platt ist unsere Muttersprache", sagt die Jubilarin, die als Steppke in der damals einklassigen Dorfschule das Hochdeutsche wie eine Fremdsprache erlernen musste. In der Schule hat sie auch ihren vier Jahre älteren Ehemann Heinrich kennengelernt. Doch erst viel später habe man sich auf Festen mal unterhalten oder miteinander getanzt. Beim Schützenfest 1967 hat es schließlich gefunkt zwischen Christel und Heinrich. Dann war beiden aber klar: Das ist eine ernste Sache. Und schon ein Jahr später standen sie vor dem Traualtar. Allerdings nicht auf der Bönninghardt, sondern in der evangelischen Kirche Alpen. "Die Bönninghardter Kirche wurde damals renoviert", erinnert sich Christel Tinnefeld.

Heinrich Tinnefeld, übrigens eines der Glückskinder, die an einem 29. Februar geboren wurden, hat als Lastwagenfahrer gearbeitet, Frau Christel war in einer Krawattenfabrik in Sonsbeck tätig. "Das hat viel Freude gemacht, leider wurde die Fabrik irgendwann geschlossen", so Tinnefeld. Kinder hat das Paar nicht. Dafür viele Nichten und Neffen, denn Christel Tinnefeld hatte neun Geschwister.

  • Gedicht : Gedanken zur Goldhochzeit

In Alpen und am Niederrhein ist vor allem Christel Tinnefeld bekannt für ihre unzähligen Gedichte auf Platt. Sogar ein Buch hat sie geschrieben. Ihre allerersten Zeilen hat die Bönninghardterin aber ausgerechnet auf Hochdeutsch verfasst. Ehemann Heinrich war früher passionierter Taubenzüchter, für das Verbandsmagazin "Die Brieftaube" hat sie erstmals zu Stift und Papier gegriffen. Vor rund 25 Jahren ging sie dann in ihre "Muttersprache" über. Seit etwa dieser Zeit ist sie mit Ehemann Heinrich auch bei den Plattproters im Alpener Heimat- und Verkehrsverein aktiv.

Darüber hinaus engagiert sich Christel Tinnefeld bei der evangelischen Frauenhilfe Bönninghardt, die sie seit 1994 auch leitet. Ehemann Heinrich war viele Jahre im Presbyterium der Gemeinde. Gottvertrauen und eine gewisse Gelassenheit sind für die Tinnefelds die Grundzutaten für eine gute, langjährige Ehe.

(RP)