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Xanten: Gesundes Misstrauen schützt Senioren

Xanten : Gesundes Misstrauen schützt Senioren

Kriminalhauptkommissar Michael Kootz-Landers vom Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz informierte im "Haus der Begegnung", wie man vermeiden kann, Opfer von Trickbetrug zu werden.

Ist die Kriminalitätsrate tatsächlich im Anstieg oder ist es nur die mediale Präsenz, die diesen Eindruck vermittelt? Tatsache ist offensichtlich, dass die Verunsicherung steigt. Tatsache ist nach Überzeugung von Kriminalhauptkommissar Michael Kootz-Landers aber auch, dass sowohl Täter als auch Opfer hauptsächlich junge Menschen sind. Der Experte vom Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz kann dennoch verstehen, dass gerade ältere Menschen in Sorge sind, weil sie häufig das Gefühl haben, der scheinbar allgegenwärtigen Kriminalität hilflos ausgeliefert zu sein. Die waren es in der Überzahl auch, die sich darüber im "Haus der Begegnung" näher informieren wollten.

Das gesteigerte Sicherheitsbedürfnis basiert auch auf einer gewissen Lebenserfahrung und geminderter Wehrhaftigkeit. Dabei kann die aber gerade gefährlich sein, weiß der Kommissar, weshalb man beim Raub besser keinen großen Widerstand leisten solle. Vorbeugung ist demnach der beste Schutz. Wie diese, bezogen auf die jeweilige Situation, wirken kann, erfuhren die Probanden umfassend.

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Obwohl die Kriminalitäts-Häufigkeit im hiesigen ländlichen Bereich eher niedrig ist, solle niemand sich sicher fühlen in der Überzeugung, "das passiert mir nicht", wenn beispielsweise Betrüger mit einem "Glas-Wasser-Trick" oder dem so genannten "Enkeltrick" unter Vorgaukelung einer "Notlage" an möglichst viel Geld zu kommen versuchen. Wer sich für so clever hält, ist deshalb schon gefährdet. Auch das "gerade fehlende Päckchen Mehl" kann eine Finte sein. Ein gesundes Misstrauen und ruhige Überlegung könnte bei allen Betrugsversuchen jegliches Risiko ausschließen. Es sollten möglichst auch keine Türgeschäfte abgeschlossen werden. Geleistete Unterschriften sind keineswegs "Formsache" und dürfen schon gar nicht unter Zeitdruck geleistet werden. Dass auch Gewinn-Versprechen, Geschenke und so genannte "Kaffeefahrten" gefährliche Lockmittel sind, ist inzwischen eine Binsenweisheit.

Als Grundprinzip solle auch gelten, niemand unter einem Vorwand in die Wohnung zu lassen und die Tür nur mit vorgelegtem Sperrschloss zu öffnen. Eigentlich selbstverständlich. Indes weiß Kootz-Landers aus eigener Erfahrung, dass gerade ältere Menschen aufgrund von Naivität, Überforderung mit der spontanen Situation, Leichtfertigkeit oder der anerzogenen Hilfsbereitschaft besonders gefährdet sind. Vorsicht ist besonders beim Kauf im Internet geboten und werbende Mails werden am besten nicht geöffnet, sondern konsequent gelöscht. Viele Senioren fühlen sich auch besonders unterwegs unsicher.

Was aber ist der beste Schutz, um nicht Opfer eines Diebstahls zu werden oder den Schaden zu begrenzen? Auch hier gibt es einschlägige Grundsätze wie: Nur so viel Bargeld mitnehmen wie benötigt, Geldbörse und Handtasche nie unbeaufsichtigt lassen, keine Einblicke in die Geldbörse gewähren, keine Wertsachen und Schlüssel in Handtaschen. Und: Bieten größere Menschenmengen einerseits Schutz, kann es in dichtem Gedränge eher gefährlich werden. Ablenkung (Rempelei im Gedränge, vorgespieltes Auskunftsersuchen) sind auch Methoden von Taschendieben, die in der Regel im Team arbeiten. Von einer Abwehr mit Pfefferspray oder anderen Kampfmitteln rät die Polizei dringend ab. Wirksam ist dagegen der Einsatz eines "Personenwächters", der mit über 100 Dezibel einen krassen Lärm erzeugt, der Aufmerksamkeit auslöst und Diebe sofort Fersengeld geben lässt — Kosten etwa zehn Euro.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Maschen der Trickbetrüger

(TR)