Gesamtschule Xanten-Sonsbeck: Fragen und Antworten zur Oberstufe

Vorbereitung auf Abi-Prüfung : Gesamtschule führt Gleitzeit in der Oberstufe ein

An der Gesamtschule Xanten-Sonsbeck startet in diesem Jahr erstmals eine Oberstufe. Vieles wird genauso sein wie an anderen Schulen, manches aber nicht. Ein Überblick.

Künftig können Schüler das Abitur auch an der Gesamtschule Xanten-Sonsbeck machen. Nach den Sommerferien wird eine Oberstufe eingeführt, 2022 soll es die ersten Abi-Prüfungen geben. Mit ihrem Konzept des selbstständigen Lernens will sich die Schule von anderen Schulen abheben. Was sich dahinter verbirgt, wer sich anmelden kann und welche Fächer gewählt werden müssen, erklären wir hier.

VORAUSSETZUNGEN: Zur Oberstufe darf sich jeder anmelden, der einen mittleren Schulabschluss mit Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe (MSAQ) hat. Es wird auch von der Fachoberschulreife mit Qualifikation (FORQ) gesprochen. An einer Gesamtschule muss man dafür in der zehnten Klasse in allen Fächern einen Notendurchschnitt von mindestens 3 erreichen. Am Gymnasium wird diese Berechtigung automatisch mit der Versetzung in die zehnte (G8) oder elfte (G9) Klasse erworben. Mit diesem Schulabschluss kann ein Schüler an jede Schule wechseln, die eine Oberstufe anbietet.

SCHÜLERZAHL: Die Gesamtschule Xanten-Sonsbeck plant mit einer drei- bis vierzügigen Oberstufe, also mit 50 bis 80 Schülern. Der Großteil dürfte aus der jetzigen zehnten Jahrgangsstufe kommen. Aber es können auch Schüler von anderen Schulen an die Gesamtschule wechseln, um dort ihr Abitur zu machen. Es wird deshalb vor den Sommerferien drei sogenannte Methodentage für Schüler der zehnten Klasse geben, die ab August die Oberstufe an der Gesamtschule besuchen wollen. Diese Tage sind freiwillig. Die Schüler bekommen Unterricht und erleben, wie an der Gesamtschule das Wissen vermittelt wird. „Es ist eine Möglichkeit, die neuen Mitschüler und auch unsere Arbeitsweise kennenzulernen“, sagt Judith Wille, die stellvertretende Leiterin der Gesamtschule.

FÄCHERWAHL: Es gibt Pflichtfächer: Die Schüler haben auf jeden Fall Mathe, Deutsch, Sport, mindestens eine Fremdsprache, eine Naturwissenschaft (Physik, Chemie, Biologie) und eine Gesellschaftswissenschaft (Erdkunde, Geschichte, Pädagogik oder Sozialwissenschaften). Darüber hinaus haben sie entweder eine weitere Fremdsprache oder eine weitere Naturwissenschaft, je nachdem, welchen Schwerpunkt sie wählen. Außerdem können sie sich zwischen Religion und Philosophie sowie zwischen Kunst und Musik entscheiden, müssen aber noch weitere Kurse wählen, um auf die insgesamt vorgeschriebenen 34 Wochenstunden zu kommen. In der elften Klasse haben sie pro Fach drei Wochenstunden, das gilt auch für die zwölfte und dreizehnte Klasse, mit Ausnahmen der beiden Leistungskurse mit jeweils fünf Wochenstunden.

ABITURPRÜFUNG: Grundsätzlich können die vier Fächer für die Abiturprüfung aus allen Fächern gewählt werden. Die Schüler müssen aber alle drei Aufgabenbereiche abdecken: Sprache-Literatur-Kunst, Mathematik-Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften. Dabei muss das erste Leistungskursfach entweder Deutsch, Mathematik, eine Naturwissenschaft oder eine fortgeführte Fremdsprache sein.

GLEITZEIT: Die Unterrichtszeit wird aufgeteilt in einen Fachunterricht durch den Lehrer und eine individuelle Lernzeit, in der die Schüler Aufgaben selbstständig bearbeiten, die ihnen der Lehrer gibt. Dafür sind im Stundenplan mehrere Blöcke eingeplant – mehr als notwendig wären, um auf die erforderliche Wochenstundenzahl zu kommen. Durch das Überangebot an individueller Lernzeit können die Schüler selbst entscheiden, wann sie die Aufgaben bearbeiten. Sie haben also die Möglichkeit, mal später als um 8 Uhr anzufangen oder mittags eine Pause einzulegen oder am Nachmittag früher zu gehen, wenn sie noch zum Sport wollen. Auch können die Schüler durch diese Gleitzeit-Regelung in einer Woche etwas mehr arbeiten und in der folgenden Woche etwas weniger. „Die Schüler können in ihrem eigenen Tempo arbeiten“, sagt Oberstudienrätin Anke Cleven. „Sie lernen, sich die Arbeit selbst einzuteilen und dass sie dafür verantwortlich sind, dass sie rechtzeitig fertig werden. Das ist auch eine Vorbereitung auf das Studium später an der Hochschule.“ Wichtig ist nur, dass sie ihre Pflichtstundenzahl erreichen. Das wird regelmäßig vom Tutor kontrolliert – jeder Schüler hat einen. Er hilft dem Schüler auch bei Problemen.

SITZENBLEIBEN: Die Schüler können in der Oberstufe auch sitzenbleiben – nach der elften Klasse. Dann muss der Schüler diese Klasse wiederholen. Nach der zwölften Klasse wird er dagegen automatisch in die dreizehnte Klasse versetzt. Reichen die Leistungen am Ende der zwölften Klasse oder nach dem ersten Halbjahr der dreizehnten Klasse nicht für die Zulassung zum Abitur, kann oder muss das vorangegangene Schuljahr wiederholt werden. Besteht er dann die Abiturprüfung nicht, muss er in die Nachprüfung oder die 13. Klasse wiederholen. Insgesamt sollte er die Oberstufe in maximal vier Jahren abschließen.

VERGLEICHBARKEIT: „Wir kennen das Vorurteil, dass das Abitur an der Gesamtschule leichter sein soll, aber das stimmt nicht“, sagt Gesamtschuldirektorin Wille. Sie erinnert daran, dass es in Nordrhein-Westfalen ein Zentralabitur gibt. Die Abiturprüfung ist an der Gesamtschule also genauso schwer wie am Gymnasium. „Die Schüler bekommen dieselben Aufgaben, wir müssen sie auf das Abitur genauso vorbereiten wie die Kollegen am Gymnasium.“

INFO: Am Dienstag, 22. Januar, findet in der Gesamtschule ein Info-Abend zur Oberstufe statt. Eingeladen sind Eltern und Schüler. Beginn: 19 Uhr.

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