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Besonderer Geburtstag in Xanten: Geldmuseum feiert 70 Jahre D-Mark

Besonderer Geburtstag in Xanten : Geldmuseum feiert 70 Jahre D-Mark

In Xanten steht ein Geldmuseum. Es ist das einzige in Nordrhein-Westfalen. Anlässlich des runden Geburtstages der Deutschen Mark im Juni waren wir schon jetzt vor Ort und haben uns die Sonderausstellung angeschaut.

Es war das sogenannte "Konklave von Rothwesten", das eine der bedeutendsten Entscheidungen der deutschen Nachkriegsgeschichte fällt. Auf dem hessischen Militärfliegerhorst kamen im April 1948 Finanzfachleute aus den drei westlichen Besatzungszonen mit Vertretern der Alliierten zusammen und wurden von der Außenwelt abgeschirmt, um eine grundlegende Währungsreform für die Bundesrepublik vorzubereiten.

49 Tage später hatten die Beratenden schließlich ein Konzept erarbeitet, das sich als entscheidendes Kriterium für den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands in den folgenden Jahrzehnten herausstellen sollte: Die Deutsche Mark war geboren. Bereits einen Tag später - am 20. Juni 1948 - wurde die neue Währung unters Volk gebracht und trat ihren ganz eigenen Siegeszug an.

Foto: Ostermann Olaf

Auch den Xantener Norbert Müller fasziniert die Geschichte der Währung der Deutschen. 1996 begann der leidenschaftliche Numismatiker (Münzsammler), alles zum Thema Geld zu sammeln. "Ich dachte damals: ,Bald kommt der Euro. Wenn du jetzt nicht anfängst zu sammeln, ist bald alles verloren.'" Aus einigen Münzen wurden unzählige Objekte, die der 62-Jährige zusammen mit Kollegen des Geldgeschichtlichen Vereins Niederrhein bis heute zusammengetragen und im Geldmuseum in Wardt ausstellt. Vom ersten Zahlungsmittel der Welt, einer Kaurischnecke, über Prägestempel bis hin zu modernen Geldautomaten - hier lässt sich die Geschichte des Geldes bis ins kleinste Detail nachvollziehen.

So auch die der Deutschen Mark, der das Museum ab dem 23. Juni eine eigene Sonderausstellung widmet (siehe Infobox). Müller wird in dieser auch äußerst seltene Exponate zeigen. Dazu gehört unter anderem eine von nur drei in Deutschland noch existierenden Holzkisten - fast alle wurden später verheizt - in denen 1948 unter strengster Geheimhaltung die ersten 10,7 Milliarden Mark aus den Vereinigten Staaten per Schiff nach Deutschland gebracht wurden. "Insgesamt kamen 23.000 dieser Kisten in Bremerhaven an - versehen mit dem Codenamen ,Door Knob', um die Russen zu täuschen", erklärt Norbert Müller die besondere Bewandtnis des hölzernen Exponats. Die neue Währung wurde per Militärkonvoi nach Frankfurt transportiert, schließlich erhielten alle Bundesbürger ihre ersten 40 Mark "Kopfgeld", mit denen sie fortan bezahlen konnten.

Der Höhepunkt seiner Ausstellung dürften aber die Noten einer Ersatzserie sein, die die Bundesbank Anfang der 60er-Jahre zwar drucken ließ, allerdings niemals herausgab. Über die genauen Gründe zur Schaffung der "Schattenmark" gibt es keine Angaben. Fachleute vermuten, dass sie im Notfall die umlaufenden Ausgaben rasch ersetzen sollte. "Die Befürchtung, der damalige Ostblock könne die Mark durch eine Schwemme an Falschgeld destabilisieren, soll damals allgegenwärtig gewesen sein. In diesem Falle hätte man die umlaufenden Stücke und Scheine für ungültig erklären und die Ersatzserie ausgeben können", erläutert auch Müller.

Darüber hinaus gibt es im "Museum rund ums Geld" noch viele weitere Exponate zu entdecken, die die Geschichte der Deutschen Mark detailliert erzählen. "Die Mark fasziniert. Auch, weil sie durch die Abbildung berühmter Deutscher auf ihren Noten einen Wiedererkennungswert hatte und man sich mit ihr identifizieren konnte", sagt Müller.

Auch 70 Jahre nach ihrer Einführung gibt es noch viele Anekdoten zur Deutschen Mark, die noch nicht erzählt wurden. Der Rest ist ab dem 23. Juni bei Müller und seinen Mitstreitern in Wardt zu erfahren.

(p-m)