Gastbeitrag des Xantener Weihbischofs Rolf Lohmann

Heiligabend : Das Weihnachtsfest eines Weihbischofs

Weihbischof Rolf Lohmann feiert mit Häftlingen, freut sich auf ein gemeinsames Essen und besucht seine Familie in Westfalen.

Wahrscheinlich unterscheidet sich der Tagesbeginn eines Weihbischofs am Heiligen Abend kaum von dem der anderen Menschen: Nach dem Aufstehen und dem Morgenlob freue ich mich auf den ersten Kaffee zum Frühstück. Das nutze ich, um den Tag durchzugehen.

Mir ist es wichtig, zum Weihnachtsfest auch bei jenen zu sein, denen es im Leben gerade nicht so gut geht. Daher werde ich in diesem Jahr am Heiligen Abend zur Justizvollzugsanstalt in Geldern-Pont fahren, um dort mit den Insassen einen Gottesdienst zu feiern. Ich möchte ihnen so zeigen, dass die Frohe Botschaft auch ihnen gilt und dass Gott bei der Geburt seines Sohnes alle Menschen im Blick hatte, gerade auch die ausgegrenzten am Rand der Gesellschaft. So wie an der Krippe Könige und Hirten als Zeugen für die Geburt des Gottessohnes beieinander standen, so dürfen heute glückliche Familien ebenso wie Häftlinge Hoffnung aus der Frohen Botschaft schöpfen.

Nach diesem Gottesdienst fahre ich zurück nach Xanten – am Abend kommt das Seelsorgeteam der Propstei ins Bischofshaus, wo wir gemeinsam essen. Denn auch für uns Priester ist es wichtig, an den hohen Feiertagen ein Miteinander zu erleben und nicht alleine unter dem Tannenbaum sitzen zu müssen. Nach dem Essen geht es weiter in den St.-Viktor-Dom. Dorthin ist die Gemeinde eingeladen, um gemeinsam mit mir ab 22.30 Uhr die Christmette zu feiern.

Am Ersten und Zweiten Weihnachtstag werde ich im Xantener Dom jeweils ein Pontifikalamt feiern – vereinfacht ausgedrückt eine besonders festliche Messe, der ich als Weihbischof vorstehe. Ich freue mich, wenn nach den Gottesdiensten die Möglichkeit besteht, mit den Gottesdienstteilnehmern ins Gespräch zu kommen und einander eine gesegnete Weihnacht zu wünschen.

Und natürlich steht auch bei mir der weihnachtliche Familienbesuch im Kalender. An den Weihnachtstagen werde ich die Tatsache nutzen, dass nur relativ wenige feste Termine im Kalender stehen, und meine Familie in Hamm besuchen. Und auch das wird ähnlich sein wie bei vielen anderen Menschen, die ihre Familie besuchen: Es gibt Kaffee, Geschichten werden erzählt, die gemeinsame Zeit wird genossen und vielleicht das eine oder andere Geschenk ausgepackt.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern der Rheinischen Post alles Gute, ein friedliches Weihnachtsfest und Gottes Segen für das Neue Jahr.

Zum Autor: Weihbischof Rolf Lohmann ist als Regionalbischof für den Niederrhein zuständig, genauer gesagt für die beiden Kreisdekanate Kleve und Wesel.

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