Sonsbeck/Xanten: Gärtnereien bleiben auf Frühlingspflanzen sitzen

Sonsbeck/Xanten : Gärtnereien bleiben auf Frühlingspflanzen sitzen

Die anhaltende Kälte hat die Kaufbereitschaft der Gartenfreunde auf Eis gelegt. Viele zögern beim Kauf von Primeln und Stiefmütterchen.

Die einzigen Blumen, die derzeit prächtig blühen, sind Eisblumen. Und das kurz vor Ostern. Normalerweise herrscht schon Anfang März eifrige Betriebsamkeit in den Gärten, bringen Frühlingsblüher wie Primeln, Ranunkeln und Narzissen Farbe ins Beet. Doch angesichts des ungewöhnlich langen und kalten Winters ist die Nachfrage nach Primel & Co so gering wie selten. Frühlingsblumen sind in diesem Jahr ein wahrer Ladenhüter. Zum Unmut der Blumengeschäfte und Gartencenter.

"Wer in diesem Jahr noch pflanzt, wird an Primeln ganz sicher keine Freude mehr haben", sagt Anne Hopmann vom Garten- und Freizeitmarkt in Xanten und beweist damit keinesfalls hellseherische Qualitäten. Narzissen, Ranunkeln und Co sind sogenannte "Schnelldreher", ihre Saison ist nach nur wenigen Wochen vorbei. "Wer jetzt aktiv werden möchte, setzt besser auf frostunempfindliche Stauden, die schon treiben", sagt die Fachfrau. Oder man wartet ganz einfach noch runde zwei Wochen. Dann nämlich erobern schon Geranien und Petunien die Gartenmärkte und der Sommer hält im Garten Einzug. Anne Hopmann hat allerdings noch Glück bei dem allgemein verunglückten Start ins Frühjahr: Sie hat ihre Frühlingsblüher nach Wetterlage und auf Kundennachfrage beim Großhändler gekauft; ein Vielfaches weniger als sonst Jahres. Dennoch liegen die bunten Blumen fast wie Blei in den Regalen. "Einige Kunden trimmen Schalen für Balkon oder Terrasse auf Frühling", berichtet Anne Hopmann. Doch die Freude an der Farbenpracht werde nicht lange währen, ist sie sich sicher. Sie selbst hat die Frühlingssaison fast schon abgehakt. Die letzten Primeln und Narzissen werde sie zu Sonderpreisen abgeben. Der traurige Rest lande im Container.

Yvonne de Kok von Blumen de Kok in Sonsbeck verkauft Primeln und Narzissen weitgehend verarbeitet. Als Gesteck oder bunte Osterdekoration. "Die Nachfrage nach Osterdeko war zum Glück ungebrochen gut", betont Yvonne de Kok. Die aber sorgt lediglich in den heimischen vier Wänden für "Frühlingsgefühle". Wenn es um die Bepflanzung von Balkon, Terrasse oder eben Garten gehe, sei vielen Kunden augenscheinlich die Lust auf Frühling schlicht vergangen. Besonders hart trifft es die Produzenten in der Region wie Bastian den Drijver und Adriane den Drijver-Wenning aus Rheinberg. "Uns setzt der lange Winter ganz schön zu", gibt Adriane den Drijver-Wenning unumwunden zu. Der Betrieb mit Endverkauf ist mit einer nahezu verdoppelten Produktionsfläche von rund 13 000 Quadratmetern in die Saison gestartet und muss gleich Einbußen hinnehmen. In den ersten drei Monaten kam nur etwa die Hälfte der Kunden. Adriane den Drijver-Wenning rechnet damit, dass die Umsatzrückgänge des ersten Quartals auf bei einem optimalen Sommer kaum aufzuholen sind. "Bei der Versteigerung sind allein an einem Tag zehn unserer Karren ,durch die Uhr gegangen'", bestätigt den Drijver-Wenning. Was im Klartext bedeutet: Die Produktion landete im Kompost.

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