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Fritz Werthmanns übergibt Friseursalon in Sonsbeck an Tanja Kemper

Inhaber-Wechsel in Sonsbeck : „Ich bin quasi im Friseursalon geboren“

Fritz Werthmanns hat seinen Sonsbecker Friseursalon an Tanja Kemper übergeben. Der 66-jährige Friseurmeister schneidet aber weiter den Herren die Haare.

Waschen, schneiden, föhnen: Es dürfte wohl kaum jemanden geben, der den Friseurmeister nicht kennt. Seit 52 Jahren macht „Fitty“ Fritz Werthmanns in dem Salon an der Hochstraße/Ecke Neutorplatz genau das, was sein Vater schon gemacht hat. Und er wird auch im neuen Jahr weiter dort arbeiten, halt nur nicht mehr als Besitzer: Tanja Kemper übernimmt das Traditions-Geschäft, hat den Salon gepachtet. „Ich bin jetzt ihr Angestellter – hoffentlich krieg’ ich auch pünktlich mein Gehalt“, erzählt der 66-Jährige und lacht seine Chefin an.

Waschen, schneiden, föhnen, ab und zu auch mal eine Dauerwelle: 1949 hat Fritz Werthmanns Vater in einem kleinen Raum an der Xantener Straße den Grundstein gelegt. Wenig später kaufte der Vater das Grundstück an der Hochstraße. „Ein Trümmerhaufen“, sagt Fritz Werthmanns, „hier stand gar nichts mehr. Meine Eltern haben Stein für Stein aus dem Keller herausgeholt, aufgeschichtet, daraus ein Haus gebaut.“ Das weiß er aus Erzählungen seiner Eltern, die im Juni 1952 geheiratet haben und 1953 ihren kleinen Damen- und Herrensalon eröffnen konnten. „Ich bin am 15. Juni 1953, ein Montag, quasi im Salon geboren. Das war früher das Schlafzimmer meiner Eltern“, erzählt Fitty Werthmanns.

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Bei so manchem Kunden habe er auf dem Schoß gesessen, während sein Vater diesem gerade die Haare schnitt und der später, als er in das elterliche Geschäft eingestiegen war, auch sein Kunde war. „Mein Bruder und ich, wir sind im Salon groß geworden, genau wie meine Schwester.“ Schon früh habe für ihn festgestanden, dass er einmal Friseur werden will. „Warum sollte ich also Abitur machen?“ Seine Geschwister wollten nie in die Fußstapfen des Vaters treten: Der Bruder ist Rechtspfleger in Moers, die Schwester Sekretärin an der Sonsbecker Grundschule.

1967, da war er gerade einmal 14 Jahre jung, hat Fritz Werthmanns seine Ausbildung zum Friseur begonnen, ist beim Vater in die Lehre gegangen. „Meinen Papa kenne ich nur im weißen Kittel. Ich hatte einen dunkelblauen, Spezialanfertigung für mich, weil ich für die normalen Kittel zu klein war.“ Er besuchte die Friseurfachschule, machte mit 17 Jahren seine Gesellenprüfung, legte mit 21 Jahren die Meisterprüfung ab. Von da an hat er im elterlichen Salon gearbeitet, den er zusammen mit seiner Frau Ingrid am 2. Januar 1989 übernommen hat. „Ich habe 52 Jahre auf dem Buckel, war 30 Jahre selbstständig. Jetzt geht es mit Tanja Kemper weiter“, sagt Fritz Werthmanns erfreut.

Auch seine Tochter Carina (35) ist Friseurmeisterin. Sie hat ihre Gesellenprüfung bei Klaus-Peter Neske in Xanten gemacht, lebt heute aber mit Mann und Tochter (sieben Monate) in München. Dass sie nicht zurück kommen und den Salon übernehmen will, dafür hat Fitty Werthmanns volles Verständnis.

An Tanja Kemper ist er übrigens per Zufall gekommen. Hanns-Dieter Hüsch hätte es so formuliert: „Ich kenn’ da jemand, der da einen kennt, der dat tun würde, wat ihr sucht.“ Die 50-Jährige ist im Oktober durch einen Bekannten darauf aufmerksam gemacht worden, dass Fritz Werthmanns seinen Salon verpachten möchte. Die Friseurmeisterin, eine waschechte Duisburgerin, lebte 20 Jahre in Xanten und ist dann nach Neukirchen-Vluyn gezogen. „Das ist näher an meiner Heimat Duisburg“, sagt sie. „Den linken Niederrhein, den mag ich halt.“ 1991 hat sie ihre Ausbildung in einem Betrieb in Duisburg-Hamborn gemacht, den sie 2003 übernommen und zum Jahresende aufgegeben hat.

Nicht nur die Schneidetechniken haben sich geändert, „auch die Menschen sind komplizierter geworden“, bilanziert Fritz Werthmanns die 52 Jahre im Friseurhandwerk. Und die Bedingungen, die man erfüllen muss, um ein Geschäft zu führen, seien deutlich schwieriger und umfangreicher geworden. Seiner neuen Chefin Tanja Kemper wünscht er, „dass die Kunden und das Umfeld sie so annehmen, wie wir angenommen wurden“.