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Fridays for Future am 20.09.2019 in Xanten: Aufmarsch für ein besseres Klima

„Fridays for Future“ in Xanten : Aufmarsch für ein besseres Klima

Hunderte protestieren in Xanten gegen die Umweltpolitik von Bund, Land und Kommune. Kinder, Jugendliche und Erwachsene ziehen durch die Stadt. Bürgermeister Görtz liefert sich einen Disput mit Demonstranten.

Eigentlich müssten sie jetzt in einem Klassenraum sitzen. Stattdessen sind die sechs Schülerinnen zum Xantener Marktplatz gekommen. „Es geht um unsere Zukunft“, sagt eine 13-Jährige. Eine Mitschülerin ergänzt: Was nütze es ihr, Englisch zu lernen, wenn sie es später nicht anwenden könne, „weil die Welt kaputt geht“.

Sie sind nicht die einzigen. Viele Jugendliche stehen auf dem Marktplatz, auch viele Erwachsene sind gekommen. Gemeinsam demonstrieren sie für eine andere Klimapolitik. Sie sind einem globalen Aufruf der Jugendbewegung „Fridays for Future“ gefolgt. Weltweit gehen Hunderttausende Menschen an diesem Tag auf die Straße. In Xanten schätzt die Polizei die Zahl der Demonstranten auf 300.

Mit ihrem Protest wollten sie Druck auf die Politik ausüben, sagt Frederik Krohn von der Xantener Ortsgruppe von „Fridays for Future“. „Der Planet brennt, wir müssen löschen.“ Er nennt Forderungen von an die Politik. Deutschland solle schneller aus der Kohle aussteigen (bis 2030) und sich bis 2035 aus erneuerbaren Energien versorgen. Der öffentliche Nahverkehr solle ausgebaut werden, „gerade auf dem Land“, und Xanten solle zur klimaneutralen Stadt werden.

Bürgermeister Thomas Görtz antwortet direkt. Er hält ein Grußwort auf der Demonstration. Die Stadt mache schon viel und wolle noch mehr machen, er werde dem Rat einen „Masterplan Klimaschutz“ vorlegen, kündigt er an. Näher darauf eingehen kann er nicht, ein Demonstrant ruft aufgebracht dazwischen, er solle die Klima-Demo nicht für Werbung in eigener Sache missbrauchen. Einige klatschen. Es gehe nicht um Wahlkampf, er sei der gewählte Bürgermeister, sagt Görtz und bekommt ebenfalls Beifall. Noch ein Mann ruft dazwischen, erntet dafür den Unmut anderer Demonstranten. Görtz kürzt seine Rede ab und ermutigt die Jugendlichen, sich weiter für das Klima einzusetzen. Ihre Proteste seien ein Weckruf, die Klimapolitik sei dadurch in die Öffentlichkeit gekommen.

 Bürgermeister Thomas Görtz antwortete in seinem Grußwort auf die Forderungen von Frederik Krohn (r.) von „Fridays for Future“. Später wurde er von Demonstranten mit Zwischenrufen unterbrochen.
Bürgermeister Thomas Görtz antwortete in seinem Grußwort auf die Forderungen von Frederik Krohn (r.) von „Fridays for Future“. Später wurde er von Demonstranten mit Zwischenrufen unterbrochen. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Neu seien die Warnungen aber nicht, sagt Umweltschützer Johan Mooij. „Es gibt wissenschaftlich keinerlei Zweifel daran, dass der Mensch die Klima-Erwärmung durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe herbeigeführt hat.“ Anfang des 20. Jahrhunderts hätten Menschen schon davor gewarnt. „Wir wissen es seit langem und trotzdem haben wir nichts gemacht.“ Es seien aber nicht Einzelne, „das sind wir alle“. Die Menschen seien träge, sie fürchteten sich vor Veränderungen. „Ich freue mich, dass die Jugend aufgestanden ist und die Alten aufrüttelt.“ Es gehe um ihre Zukunft. „Man kann sie nur unterstützen.“

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Anschließend ziehen die Jugendlichen und Erwachsenen durch die Innenstadt. Ihr Weg führt am Gymnasium und an der Gesamtschule vorbei, über die vielbefahrene Bahnhofsstraße geht es zum Markt zurück. Autofahrer müssen warten, während die Demonstranten an ihnen vorbeigehen und brüllen: „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut.“