Freispruch und Bewährungsstrafen im Cannabis-Prozess

Plantage in Xanten-Birten: Cannabis-Prozess endet mit Freispruch und Bewährungsstrafen

Im Prozess um eine Cannabis-Plantage in Xanten-Birten ist das Urteil gefallen. Zwei Strafen wurden zur Befährung ausgesetzt. Die drei Angeklagten verließen das Gericht als freie Männer.

In dubio pro reo, im Zweifel für den Angeklagten: Als freie Menschen verließen gestern die drei 41, 46 und 47 Jahre alten Männer den Gerichtssaal im Amtsgericht in Moers, denen die Staatsanwaltschaft gemeinschaftliches Betreiben einer Cannabis-Plantage in einem Einfamilienhaus in Xanten-Birten vorgeworfen hatte. Den Dachdecker G. aus Rheinberg, der am dritten Prozesstag gestanden hatte, Ende 2016 erstmalig 560 Marihuana-Setzlinge im entsprechend präparierten Dachgeschoss des von ihm angemieteten Hauses gepflanzt zu haben und im Folgejahr zwei Ernten eingefahren, aber nicht verkauft zu haben, verurteilte die Kammer unter Vorsitz von Richter Huismann „wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Die Strafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Das Gericht verhängte außerdem eine Geldbuße in Höhe von 1000 Euro, die der Dachdecker in monatlichen Raten zu je 100 Euro an die Drogenhilfe der Caritas Moers zu zahlen hat. G. nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.

Der zweite Angeklagte S. aus Duisburg wurde wegen Beihilfe (er hat G. einmal geholfen, die Marihuana-Ernte in Säcke zu packen) und unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln (bei der Durchsuchung seiner Wohnung hatte die Polizei 200 Gramm Marihuana und 500 Gramm Amphetamine gefunden) zu neun Monaten verurteilt. Auch seine Strafe wurde drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. S. muss außerdem 100 Sozialstunden leisten und dies vierteljährlich nachweisen.

Dem dritten Angeklagten M. aus Moers, der laut Staatsanwaltschaft gemeinsam mit G. schon seit 2012 die Cannabis-Plantage betrieben haben soll, konnte nach umfangreicher Beweisaufnahme keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden. Die auswärtige Strafkammer des Landgerichtes Kleve musste den Bergmann auf Kosten der Staatskasse freisprechen. Für die sieben Monate, die er wegen des Tatvorwurfes bereits in Untersuchungshaft saß, wird er entschädigt. Die Haftbefehle gegen die drei Angeklagten wurden aufgehoben.

Die Staatsanwaltschaft hatte für M. sechseinhalb Jahre und für G. sechs Jahre wegen „bandenmäßigen Handeltreibens von Betäubungsmitteln in nicht unerheblicher Menge“ gefordert, für S. vier Jahre. Der Vorwurf, G. und P. hätten seit 2011 dreimal jährlich Marihuana auf der Plantage in dem Haus geerntet und verkauft und S. sei 2017 in den Anbau und Handel eingestiegen, konnte aber nicht zweifelsfrei bewiesen werden.

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