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Foto-Ausstellung in Xanten zeigt Vielfalt der Leidenschaften

Foto-Ausstellung in Xanten : Jeder ist anders, alle sind gleich

In der evangelischen Kirche ist die Ausstellung „Ein Platz für mich“ des Fotografen Armin Fischer zu sehen. Auf den Bildern zeigen 50 Menschen mit und ohne Behinderung, was sie wirklich ausmacht: Leidenschaft.

Ihre Augen sind geschlossen, die Arme in die Höhe gestreckt. Die Wangen sind von der Anstrengung schon etwas gerötet, doch das Lächeln noch immer verschmitzt. Alles in Marikas Gesicht zeugt von Genuss, purer Lebensfreude, enthemmter Leidenschaft. Denn wenn die junge Frau tanzt, dann ist sie in ihrem Element.

Marika arbeitet und lebt in den Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein (CWWN), deren Ziel es ist, Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Auch Marika hat ein Handicap, bei manchen Dingen braucht sie Unterstützung, doch auf der Tanzfläche, da zeigt sie vor, wie man sich zu bewegen hat. Marikas Talent ist nun auch in der evangelischen Kirche in Xanten zu sehen – als Bild an der Wand.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Porträtfotos in Schwarz-Weiß. Marikas Bild zeugt von dem Selbstbewusstsein der jungen Frau. Foto: Fischer, Armin (arfi )/Fischer, Armin ( arfi )

Insgesamt 50 Menschen mit und ohne Behinderung hatte der bekannte Fotograf Armin Fischer anlässlich des 50-jährigen Bestehens der CWWN porträtiert. Entstanden ist daraus der Bildband „Ein Platz für mich“ – und nun die gleichnamige Ausstellung in der evangelischen Kirche. „Ziel war es, damit die Vielfalt in unserer Gesellschaft zu zeigen“, sagt Fischer. „Es ist egal, ob jemand jung oder alt ist, behindert oder nicht behindert, uns alle verbindet, dass jeder eine Leidenschaft hegt, und zugleich ist jede Leidenschaft höchst individuell.“

Nils kann aus Legosteinen alles fertigen. Neben einem Roboter, einem Boot und einem Raumschiff hat er auch bereits eine Zeitmaschine gebaut. Foto: Fischer, Armin (arfi )/Fischer, Armin ( arfi )

Da ist zum Beispiel Annette, die Spielzeugautos sammelt. Kistenweise stapelt sie Wagen von Matchbox, Darda oder Siku in ihrem Zimmer. Jeden Fahrzeugtyp kennt sie genau, nennt einen Porsche 911 Carrera und Ford Escort ihr Eigen. Nils dagegen ist stolz auf seine Zeitmaschine. Die hat er selbst gebaut – aus Legosteinen. Sie lässt sich sogar oben öffnen und hat einen Motor. Schaltet Nils diesen ein, geht ein Licht an und es bewegen sich zahlreiche Rädchen.

„Viele denken, dass Menschen mit Einschränkungen keine Hobbys haben oder nicht in der Lage sind, kreativ zu sein“, bedauert Fischer. Doch das Gegenteil sei der Fall,wie auch Brigitte Messerschmidt von der Evangelischen Kirchengemeinde bestätigt: „In jedem Menschen steckt Talent, schlummert eine Leidenschaft.“ Doch gerade die „Normalos“ hätten oftmals Hemmungen, diese offen auszuleben.

Dennoch war es Fischer beim Foto-Shooting wichtig, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich seine Models wohlfühlen und ungeniert zeigen konnten. Statt in einem unbehaglichen Fotostudio wurde in der Turnhalle der Rheinberger Werkstatt fotografiert. Statt mit umfangreichem Equipment arbeitete Fischer lediglich mit einer Kamera, einem Objektiv und einem Blitz. Zur Seite stand ihm Andrea Emde, Pressesprecherin der CWWN, die die Bewohner bereits kannte. „Wir haben uns langsam herangetastet, führten anfangs immer erst lockere Gespräche“, erzählt Fischer. Emde schuf aus den Interviews kurze Begleittexte für die Ausstellung, während Fischer bei den Gesprächen erste Porträtfotos machte.

Diese sind in Schwarz-Weiß gehalten und zeigen nochmals eine andere Seite der Fotomodelle. Marika zum Beispiel trägt auf dem Bild weiterhin ihr verschmitztes Lächeln, doch in ihrem Blick sind nun Stolz und Selbstbewusstsein gut erkennbar. „Marika weiß, dass sie eine Einschränkung hat, aber sie weiß auch, dass sie etwas kann und wertvoll ist“, verdeutlicht Fischer. Für die Evangelische Kirchengemeinde war genau diese Aussage der Fotos ausschlaggebend, um die Ausstellung in die Kirche zu holen. „Die Ausstellung passt zu unserem Grundsatz, dass jeder Mensch eine unveräußernde Würde besitzt, ohne wenn und aber, in jeder Situation“, betont Messerschmidt.