Foodsharing: Menschen verschenken Lebensmittel

Foodsharing am Niederrhein : Lieber verschenken als wegwerfen

Bevor jemand Lebensmittel in den Müll wirft, soll er sie lieber in der Nachbarschaft verschenken. Dafür setzen sich zwei Frauen aus Xanten und Sonsbeck ein.

Es war irgendwann im Sommer gewesen. Janine Höpner und Nadine Fleskes lasen auf Facebook, wie jemand gegrilltes Fleisch anbot – für ihn selbst war es zu viel gewesen. Das brachte die beiden Frauen auf eine Idee. „Es wird leider so viel weggeschmissen“, sagt Höpner. Es müsse doch möglich sein, übrig gebliebene Lebensmittel an andere Menschen zu verschenken. Also gründeten sie die Facebook-Gruppe „Foodsharing Xanten, Sonsbeck und Umgebung“ und riefen die Nutzer dazu auf, anderen darüber ihre übrig gebliebenen Lebensmittel kostenlos anzubieten – „bevor sie im Müll landen“.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft werden jährlich fast zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Allein sechs Millionen Tonnen landen in Mülleimern von privaten Haushalten. Das ergab eine Untersuchung für das Jahr 2015. Mindestens ein Drittel der Essensabfälle sollen vermeidbar sein. Das Ministerium empfiehlt zum Beispiel, genießbare Lebensmittel an gemeinnützige Einrichtungen wie die Tafel zu spenden oder an Freunde und Menschen in der Nachbarschaft zu verschenken. Genau das wollen Höpner und Fleskes erreichen. Ihr erstes Angebot war ein Glas süß-saurer Soße gewesen, das sie noch nicht geöffnet hatten. Die 400 Gramm waren zwar noch mindestens bis zum 11. März 2020 haltbar, aber sie hatten zu viel davon gekauft, und ihre Männer würden die Soße „nicht so gern“ essen. Also fragte Nadine Höpner, wer das Glas haben wolle. Schon nach wenigen Minuten griff jemand zu. „Wir mögen das“, schrieb eine Frau. Und so geht es weiter. Mittlerweile posten auch andere Fotos von Lebensmitteln, die sie selbst nicht mehr essen wollen oder können, weil sie vielleicht zum falschen Produkt gegriffen haben oder in den Urlaub fahren. Es gab schon Tomatensuppe, Zwieback, Grießbrei, Gelierzucker, Nudeln und Müsli. Alles war noch ungeöffnet, das meiste war auch noch einige Zeit haltbar. Nur zwei Kilogramm Tiefkühl-Pommes mussten bis zum nächsten Tag frittiert und aufgegessen werden – „sie sind schon aufgetaut“, schrieb eine Frau aus Xanten-Marienbaum.

Die Idee des Foodsharings – also des Lebensmittel-Teilens – ist nicht neu. Schon 2012 hat sich eine bundesweite Initiative gegründet. Die Mitglieder nennen sich Lebensmittelretter, sammeln Nahrungsmittel von Supermärkten, Restaurants oder auch Privatleuten ein und verteilen sie kostenlos weiter. Auf einer Karte sind die Gruppen vor Ort eingetragen. Am Niederrhein gibt es sie in Voerde, Duisburg und Dinslaken, auch in Xanten.

Höpner und Fleskes verstehen ihre Facebook-Gruppe als zusätzliches Angebot, das zwangloser ist. Wer etwas übrig hat, was noch gegessen werden kann, postet ein Foto in der Gruppe, schreibt das Mindesthaltbarkeitsdatum dazu und den Ort, wo es abgeholt werden kann. Die beiden haben auch schon etwas genommen, was jemand anderes nicht mehr haben wollte: Eine Frau hatte sich Lammrücken-Medaillons gekauft und nach der ersten Tüte festgestellt, dass sie nicht ihr Fall waren. Ohne die Facebook-Gruppe wäre das Fleisch wohl in der Mülltonne gelandet.