Xanten: Flüchtlinge könnten ins Hotel ziehen

Xanten : Flüchtlinge könnten ins Hotel ziehen

Die Stadt sucht händeringend nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber. Neuankömmlinge könnten vorübergehend in Hotels unterkommen. Langfristig will die Stadt baulich investieren.

Nach Informationen der Rheinischen Post denkt die Stadt Xanten konkret darüber nach, neu ankommende Asylbewerber künftig in angemieteten Hotelzimmern unterzubringen. "Es ist richtig, dass wir dringend nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten suchen, eine Möglichkeit ist auch die Anmietung von Räumen im Hotel", bestätigte Bürgermeister Thomas Görtz auf Anfrage.

Der Hintergrund: Die Stadt muss dringend mehr Raum für die Unterbringung von Asylbewerbern bereitstellen. Das städtische Übergangsheim am Küvenkamp platzt schon jetzt aus allen Nähten: 62 Personen leben dort nach Angaben der Verwaltung auf engstem Raum (die RP berichtete), gleichzeitig steigen die Zahlen der in NRW erwarteten Asylbewerber weiter an. Bis Ende des Jahres rechnet die Landesregierung mit bis zu 37 000 Neuankömmlingen; im kommenden Jahr könnten noch einmal 45 000 Asylbewerber dazukommen. Das heißt: Die Platzprobleme werden immer größer.

In Xanten könnten angemietete Hotelzimmer das Problem kurzfristig entschärfen - konkret könnten Flüchtlinge bald zum Beispiel im "Hotel Birten" untergebracht werden. Görtz erklärte, dass es zumindest eine lose Anfrage gab. Noch sei aber nichts dingfest, sagt Görtz. "Wir denken in alle Richtungen."

Bislang übernachten in dem Hotel, das sich im unteren Preissegment bewegt, vor allem Montagearbeiter, die beruflich einen günstigen Schlafplatz suchen. Bald könnten in dem Hotel statt Einzelpersonen Flüchtlingsfamilien wohnen.

Für die Stadt wäre die Unterbringung im Hotel Birten eine Variante mit - vergleichsweise - überschaubarem Kostenaufwand. Eine Übernachtung in einem der zehn Doppelzimmer kostet in dem Hotel 55 Euro pro Nacht. Würde die Stadt alle Zimmer ein Jahr lang mieten, machte das 198 000 Euro für die Unterbringung von bis zu 20 Flüchtlingen. Im Vergleich dazu: In Moers soll bald ein Containerdorf für 80 Flüchtlinge entstehen, dessen Bau etwa zwei Millionen kosten würde und jährlich dazu rund 100 000 Euro laufende Kosten veranschlagen würde.

Eine Unterbringung im Hotel hätte sogar weitere Vorteile, zum Beispiel, dass Plätze für spontan zugewiesene Flüchtlinge dort schnell zur Verfügung stünden. Görtz verdeutlicht: "Es kann vorkommen, dass wir freitags eine Mitteilung erhalten, dass montags eine fünfköpfige Familie ankommt, die wir unterbringen müssen." Ein weiterer Vorteil: Bei fehlendem Bedarf ließe sich der Mitvertrag einfach kündigen.

Dennoch gäbe es bei der Unterbringung in Hotelzimmern auch Probleme: Auf den Zimmern gibt es keine Küchen. Die Flüchtlinge könnten sich dort also nicht selbst vorsorgen, so wie es etwa in der städtischen Unterkunft am Küvenkamp der Fall ist. "Dafür müssten wir dann sorgen", sagt der Bürgermeister.

Wie die RP außerdem erfuhr, arbeitet die Stadt parallel dazu bereits an einer langfristigen Lösung, um den steigenden Zahlen von Asylbewerbern gerecht werden zu können. "Wir werden investieren und baulich tätig werden müssen", sagte Görtz. Wie weit die Planungen bereits gediehen sind, ließ der Bürgermeister offen. Er verriet nur: "Wir haben städtische Gebäude, die derzeit leer stehen."

Welche Objekte für einen Um- oder Ausbau in Frage kommen, wird wohl erst in zwei bis drei Wochen bekanntwerden. Görtz will dann in den Ausschüssen davon berichten, wie eine Lösung der Flüchtlingsproblematik in Xanten aussehen könnte. Dann könnte auch feststehen, für wie viele Flüchtlinge gebaut werden soll. "Wir sind in der Verantwortung, für die Menschen zu sorgen, die bei uns Asyl suchen", sagt Görtz.

(RP)
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