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Firmenjubiläum in Sonsbeck: Meisterbetrieb Pimingstorfer hält den Motor am Laufen

Firmenjubiläum in Sonsbeck : Pimingstorfer hält den Motor am Laufen

Der Kfz-Meisterbetrieb in Labbeck feiert 50-jähriges Bestehen. Aus der auf einem Bauernhof betriebenen Hobby-Werkstatt ist ein modernes Autohaus entstanden. Heute leitet die zweite Generation die Geschäfte.

„Dem geb‘ ich keine zwei Jahre, dann ist der weg“: Kfz-Meister Karl Pimingstorfer strafte sie alle Lügen, die Landwirte, die ihn belächelt haben, als er sich an der Marienbaumer Straße eine kleine Werkstatt einrichtete und anfing, Kraftfahrzeuge zu reparieren. 50 Jahre ist das inzwischen her. Leider konnte der Seniorchef nicht mehr miterleben, wie Renault-Vertriebsleiter Torben Klenk am Montag mit einer Urkunde zum Firmenjubiläum in das Autohaus nach Labbeck gekommen ist. Die nahm stattdessen Sohn Ralf (55) entgegen, der 2017 den Betrieb übernommen hat, und den seine Mutter Dorothea nach dem Tod ihres Mannes Karl im Jahr 2007 weitergeführt hatte.

Angefangen hat alles auf einem Bauernhof am Dassendaler Weg, wo Karl Pimingstorfer nebenbei Autos reparierte. Er selber fuhr einen Renault mit Frontantrieb. „Früher lag hier im Winter viel Schnee, oft blieben Bauern mit ihren Autos mit Heckantrieb liegen. Mein Mann hat sie alle mit seinem Renault locker rausgezogen“, erinnert sich Dorothea Pimingstorfer. Ersatzteile für die Fahrzeuge, die er „nebenbei“ auf dem Bauernhof reparierte, besorgte ihr Mann unter anderem bei Bernsen-Staats in Moers, einem Renault-Vertragshändler. Die hätten sich schon gewundert, wer das denn da in Labbeck sein könnte, der so viele Ersatzeile bei ihnen kauft, erzählt Dorothea Pimingstorfer. „Da wurde dann Renault hellhörig.“

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Sie und ihr Mann hätten dann die alte Schmiede aufgekauft, in der bis zum Tod des damaligen Besitzers Bricken noch Pferde beschlagen worden waren. Dorothea Pimingstorfer war für „den Schreibkram“ zuständig, zog obendrein die beiden Töchter und ihren Sohn groß. „Ich habe Verkäuferin gelernt – aber Autos verkaufen konnte ich nie“, sagt die 78-Jährige, lacht und gibt zu, dass sie viel lieber Floristin geworden wäre. „Aber wir sind mit zehn Kindern auf einem kleinen Bauernhof hier groß geworden. Wenn wir aus der Schule kamen, mussten wir auf den Feldern helfen. Und mit 14 Jahren etwas ,Anständiges’ lernen“, erzählt Dorothea Pimingstorfer.

So wie Sohn Ralf, der in seiner Jugend eigentlich Feuerwehrmann werden wollte. Letztlich hat er seine Lehre aber doch bei Bernsen-Staats in Moers gemacht und dort zehn Jahre gearbeitet. Für neun Monate besuchte er die Meisterschule in Schleswig-Holstein, machte seinen Kfz-Meister und stieg in den elterlichen Betrieb ein. Er habe lange überlegt, ob er den Betrieb übernehmen solle, sagt der 55-Jährige. „Ich wusste ja, was auf mich zukommt: viel Arbeit“, sagt der Vater zweier erwachsener Söhne.

Er hat es dann doch getan, zur Freude seiner Mutter. Noch heute ist die 78-Jährige (fast) jeden Tag im Betrieb und erledigt kleine Büroarbeiten. Sie sei die „gute Seele des Hauses“, sagt Ralf Pimingstorfer. Seine Schwester Katja Quartier ist vormittags im Büro und macht auch die Buchführung. „Zwei Gesellen, ein Auszubildender, meine Mutter, meine Schwester und ich schmeißen den Betrieb“, sagt der Juniorchef und lacht. Und schiebt hinterher, dass die Aufgaben immer mehr und die Auflagen des Vertragspartners immer höher geworden seien, was Beleuchtung, Außengestaltung und Fußböden in den Ausstellungshallen angeht.

Auch als Kfz-Meister müsse man dazu lernen und geschult werden – Stichwort: Elektro-Autos. „An den Hochvolt-Anlagen, da darf nicht jeder dran arbeiten“, erklärt Ralf Pimingstorfer. Dafür brauchte auch er einen Lehrgang, den Renault in Brühl anbietet. Jedes zweite Auto, dass er verkauft, sei ein E-Fahrzeug. Vielleicht liegt das nicht nur daran, dass die ersten zehn Jahre keine Kfz-Steuer bezahlt werden muss: Die Bundesanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle unterstützt Käufer von E-Autos derzeit noch mit 6000 Euro, Renault gibt 4000 Euro Rabatt.