Einwohner von Sonsbeck wehren sich gegen Regionalplan des RVR

Streit um neuen Regionalplan : Bürger wehren sich gegen Gewerbegebiet

Rund 60 Sonsbecker machten im Bauausschuss ihren Ärger über den geplanten Kooperationsstandort an der Alpener Straße deutlich. Die Gemeinde betreibe einen Kuhhandel mit dem RVR. Bürgermeister Schmidt hatte Mühe, die Wogen zu glätten.

So einen Andrang wie am Dienstag hat es im Bauausschuss der Gemeinde Sonsbeck selten gegeben. Schon rund 20 Minuten vor Beginn waren die Zuhörerreihen im Kastell gut gefüllt, letztlich mussten sogar weitere Stühle herangeschafft werden. Knapp 60 Einwohner, darunter viele Landwirte, waren gekommen, um die erste Sitzung des Ausschusses im neuen Jahr zu verfolgen.

Und das taten sie hauptsächlich mit jeder Menge Wut im Bauch. Denn zum einzigen Thema des Abends – der Stellungnahme der Gemeinde zum Entwurf des neuen Regionalplans des Regionalverbands Ruhr (RVR) – wollten viele ihrem persönlichen Ärger Luft machen. Der Hauptkritikpunkt: die geplante Ausweisung des 43 Hektar großen Kooperationsstandorts für Gewerbebetriebe südlich der Alpener Straße, die von der Verwaltung in der Stellungnahme begrüßt wird.

Damit verrate nach Meinung der meisten Anwesenden die Gemeinde ihre eigene Identität. „Sonsbeck ist hauptsächlich landwirtschaftlich geprägt. Solche Großbetriebe passen überhaupt nicht in unsere dörfliche Struktur“, merkte ein Landwirt aus dem Publikum an. Und weiter: „Sie begrüßen die Ausweisung der Tourismusfläche in Labbeck, da so Standortsicherheit für den Campingplatz und das Hotel geschaffen wird. Aber Sie setzen sich nicht für die Standortsicherheit Ihrer Bauern ein, die durch die Kooperationsfläche ihre Felder verlieren würden?“

Immer wieder brandete Applaus aus den Reihen der Zuhörer auf. Derweil versuchte Bürgermeister Heiko Schmidt, die Wogen zu glätten. So sagte er schon zu Beginn der Sitzung, dass man sich grundsätzlich schon immer schwer damit getan habe, als Mitglied im RVR gleichzeitig auch zur Metropole Ruhr zu zählen. „Aber das wurde an höherer Stelle so entschieden.“ Nichtsdestotrotz versuchte er, mit sachlichen Argumenten den Einwohnern ihre Sorgen zu nehmen. „Wir besitzen immer noch die kommunale Planungshoheit und können nicht dazu gezwungen werden, von anderer Stelle gewollte Projekte umzusetzen.“ Dennoch wollen man dem RVR-Vorhaben „Kooperationsstandort“ zustimmen – was man in einer anderen Stellungnahme, die im Oktober 2018 an den Kreis Wesel ging, im Übrigen mit Ratsbeschluss bereits getan hat.

Abgesehen davon ist man mit dem aktuellen Regionalplan-Entwurf im Rathaus „äußerst unzufrieden“ – im Vergleich zum bisherigen Plan habe der RVR nur 0,1 Hektar zusätzliche Gewerbeflächen für Sonsbeck ausgewiesen. Mit diesen Zahlen habe man „keine Chance, unsere Gemeinde gut weiterentwickeln zu können.“ Um örtlichen Betrieben gerade im Gewerbegebiet Peterskaul dennoch die Möglichkeit zu geben, weiter zu wachsen, schlägt die Gemeinde vor, die Kooperationsfläche im nördlichen Bereich am Bergweg enden zu lassen und dafür die südliche Grenze bis zum Heideweg zu ziehen. „Es geht darum, sich Handlungsspielraum zu erhalten. Dass wir die Ausweisung der Fläche begrüßen, heißt noch lange nicht, dass dort am Ende auch Gewerbe angesiedelt wird“, erläuterte Schmidt.

Diese Aussage veranlasste eine Anwohnerin des Heidewegs zu einem flammenden Plädoyer gegen den Kooperationsstandort: „Und wenn doch angesiedelt wird? Was passiert mit den Menschen, die da leben? Ich habe durchaus Verständnis dafür, wenn für Sonsbecker Möglichkeiten geschaffen werden, sich eine unternehmerische Existenz aufzubauen. Aber von Großbetrieben, die von außerhalb kommen, haben wir überhaupt nichts.“

Die zahlreichen Einwände der Einwohner könnten letztlich vielleicht auch die Politik zu einem Umdenken bewegen. Der Ausschuss beschloss am Ende einstimmig, die Sorgen und Argumente noch einmal in den Fraktionen zu bewerten und ein abschließendes Votum erst in der Ratssitzung am kommenden Donnerstag zu fassen. „Sollten wir dem RVR eine andere Stellungnahme schicken als dem Kreis, wird man sich über uns wundern“, gab Schmidt zu bedenken. „Damit haben wir kein Problem“, entgegnete SPD-Frau Christa Weidinger.

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