Sonsbeck: Ein Schutzengel bei der Freiwilligen Feuerwehr

Sonsbeck: Ein Schutzengel bei der Freiwilligen Feuerwehr

In ihrer Freizeit gehört Silvia Geldermann in die Kategorie Schutzengel. Die Sonsbeckerin (36) ist seit 17 Jahren passionierte Feuerwehrfrau, ehrenamtlich und soweit möglich bereit zum Einsatz. "Mit 18 habe ich bei der Feuerwehr in Xanten ein Rettungspraktikum absolviert. Ich fand das so toll, dass ich sofort mitmachen wollte", erzählt sie. Dann wechselte sie aus privaten Gründen in die Nachbargemeinde Sonsbeck und klopfte dort bei der Feuerwehr an, um Mitglied zu werden. Damals war das ein eher exotisches Unterfangen. Die Wehr war noch reine Männerdomäne.

Bis heute hat sich das nur unwesentlich geändert. Doch da kommt nächstes Jahr im Sonsbecker Feuerwehrnachwuchs ordentlich was in Bewegung. "Dann fangen fünf Mädchen gleichzeitig an, Töchter von Feuerwehrmännern. Wir haben eine richtige Gruppe", freut sich die Jugendwartin auf die Aufgabe.

105 Mitglieder zählt die ehrenamtlich tätige Truppe von Feuerwehrchef Jürgen Köhlitz. Credo: "Retten, Löschen, Bergen, Schützen". Dazu kommen 24 Leute bei der Jugendfeuerwehr, für die Geldermann verantwortlich ist. "Hier sind 60 Prozent Jugendarbeit, 40 Prozent Feuerwehr", erläutert sie. Bei den Treffen gehe es nicht nur darum, die Jugendlichen ab zwölf Jahre durch Übungen früh mit der Arbeit der Vorbilder vertraut zu machen. Die Kameradschaft, Grundlage für das reibungslose Zusammenwirken der Einsatzkräfte im Notfall, wird durch gemeinsame Unternehmungen gefördert. Die jungen Leute fahren ins Fantasialand nach Brühl, sie bowlen oder schwimmen miteinander.

Auch erwachsene Frauen ohne eine entsprechende Ausbildung sind willkommen, betont Chef Köhlitz. Sie müssen zwischen 18 und 45 Jahre alt und gesund sein. Und natürlich Spaß an der Arbeit der Feuerwehr haben. "Dabei ist die Unterstützung in der Familie oder durch den Partner ganz wichtig", sagt die Mutter von Silas (8) und Svea (6) aus Erfahrung. Ihre beiden Jungs zeigen Interesse an der "Nebentätigkeit" von Silvia Geldermann. Geht zu Hause eine Alarmmeldung ein, müssen die Sprösslinge schnellstens anderweitig betreut werden, damit die 39-Jährige in wenigen Minuten im Gerätehaus eintrifft. Silvia Geldermann hat Glück, dass die Schwiegereltern ganz in der Nähe wohnen und zudem ihr Mann am späten Nachmittag heimkommt.

Jüngst hat sie noch den Lkw-Führerschein gemacht und darf jetzt auch größere Einsatzfahrzeuge mit bis zu 14 Tonnen lenken. "Toll. Ein Traum geht in Erfüllung." Schon als Kind durfte sie beim Vater im Lkw mitfahren. Das prägte.

Das wohl einschneidendste Erlebnis in diesem Jahr als Feuerwehrfrau war der schlimme Unfall auf der A 57 vor einigen Wochen. "Wir sind ja nicht nur dazu da, um zu löschen und zu bergen", erläutert die gelernte Bademeisterin. Auf der Autobahn hat sie sich als Rettungshelferin um Menschen, die unter Schock standen, gekümmert. "Wir sprechen mit den Betroffenen, die das schlimme Geschehen verarbeiten müssen. Das ist eine Aufgabe, die man nicht unbedingt direkt sieht", sagt der Sonsbecker Rettungsengel.

(kump)