Xanten: Ein Münsterländer am Niederrhein

Xanten: Ein Münsterländer am Niederrhein

Christoph Potowski ist neuer Kaplan in Xanten. Er mag hier vor allem die Herzlichkeit der Menschen.

Der Niederrhein ist noch ein ziemlich weißer Flecken für Christoph Potowski. Aber: "Bei uns im Münsterland gilt es schon als nette Geste, wenn einer zur Begrüßung zwei Finger vom Lenkrad hebt", sagt der Priester. "Hier in Xanten wird man richtig herzlich willkommen geheißen, mit Handschlag und Winken und allem drum und dran." Einen Monat lang hat der neue Kaplan der Propsteigemeinde St. Viktor diese Offenheit bereits kennengelernt. "Und ich glaube, das gefällt mir."

Wobei der 32-Jährige sogar schon "irgendwo zwischen Mentalitäten" aufgewachsen ist. Sogar in zwei verschiedenen Bistümern in einer Stadt. In Lünen bildet die Lippe die Grenze zwischen der nördlich gelegenen Diözese Münster und dem südlichen Paderborn. Die Mutter (früher Zahnarzthelferin) und ihre Familie sind im Glauben verwurzelt und eng mit der Kirche verbunden, der Vater (Berufssoldat und später bei der Bundesbank) eher dem Ruhrgebiet zugewandt: "Gläubig ja, aber kein Kirchgänger."

Da kam Christoph Potowski schon in seiner Jugend eher auf Muttern - in einer lebendigen Gemeinde, in der er bereits mit 15 Jahren Gruppenleiter der Messdiener wurde und mangels eines Kaplans auch viele der Aufgaben eines Jugendkaplans übernahm - von der auch religiösen Gestaltung der Gruppenstunden bis zur Organisation von Ferienlagern. Und schon kurz vor dem Abitur stand nach einem längeren Gespräch mit seinem Pfarrer für ihn fest: "Ich will Priester werden."

Dass auch das eine heftige Herausforderung sein kann, merkte Christoph Potowski schon bald nach seiner Weihe im Jahr 2013 - übrigens seinem Vorgänger in Xantens Dr. Oliver Rothe gemeinsam: Denn mit seinem damaligen Pastor an St. Otger in Stadtlohn lag er keineswegs auf derselben Längenwelle, wie sich der Geistliche vorsichtig äußert. Aber diese Zeit habe ihm auch klar gemacht, was seinen Beruf, seine Berufung wirklich trägt.

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Auch deshalb, weil er im westlichen Münsterland eine Form des Katholizismus kennengelernt habe, die es anderswo nicht mehr gibt. 16.000 Katholiken zählt die aus drei Gemeinden zusammengeschlossene katholische Kirchengemeinde in Stadtlohn. Und von 215 möglichen Jugendlichen gehen 190 zur Firmung.

Dass es im Münsterland traditionell in den größeren Orten eine Stadtkirche und möglicherweise noch ein oder zwei kleinere gibt, hat historische Gründe. Und auch darin unterscheidet es sich vom Niederrhein. In Xanten hat jeder Ort eine Kirche - alte und neue: "Angesichts eines damals riesigen Bedarfs war es zu Zeiten von Nachkriegsbischof Michael Keller üblich, Gemeinden mit mehr als 3500 Katholiken mit eigenen Kirchen zu bedenken", weiß Potowski. Da gelte es, den Dom als "wunderschöne Hauptkirche zu bewahren", sagt der Kaplan, der die Arbeit der Gemeindeausschüsse in Wardt und Marienbaum begleitet.

Und natürlich ist er auch in den klassischen Bereichen eines Jugendkaplans tätig: für die Messdiener am Dom, die Firmvorbereitung, die Sternsinger und den Religionsunterricht an der Marienschule. Ein besonderes Thema liegt dem Priester noch am Herzen: die Präventionsarbeit gegen sexualisierte Gewalt. Darüber hat er seine Pfarrexamensarbeit geschrieben und auch bereits ein Konzept erstellt, wie es an St. Viktor ebenfalls noch vorgeschrieben ist. Vertrauen finden, Ansprechpartner sein, das möchte er auch in Xanten bewerkstelligen.

Und wenn er dann doch Zeit findet: Kaplan Christoph Potowski interessiert sich besonders für Kunstgeschichte und liebt Gartenarbeit - auch schon in aller Frühe: "In aller Stille den Kopf freikriegen für die Aufgaben des Tages."

(RP)
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