Merlin Frensch: Ein Bufdi für den Dom

Merlin Frensch: Ein Bufdi für den Dom

Er ist 18 Jahre jung, hat im vergangenen Jahr auf dem Stiftsgymnasium sein Abitur gemacht und arbeitet derzeit als Bufdi in der Xantener Propsteigemeinde: Merlin Frensch. Im Bundesfreiwilligendienst ist er ein Jahr lang in vielen Bereichen der Gemeinde eingesetzt.

Wie kommt man an eine einjährige Bufdi-Tätigkeit in einer katholischen Pfarrgemeinde?

Merlin Frensch Zunächst einmal, weil ich nach dem Abitur noch ein Jahr Zeit brauche, um mich für einen Beruf oder Studiengang zu entscheiden. Und da habe ich Kaplan Rothe gefragt, ob ich ein Jahr als FSJler arbeiten darf. Ich kenne mich in der Gemeinde aus, schließlich bin ich seit meiner Erstkommunion im Jahr 2007 Messdiener in der St.-Martin-Gemeinde in Vynen.

Was damals ja noch etwas Anderes war als heute...

Frensch Stimmt, es hat sich eine Menge getan. Früher hatten wir einmal in der Woche eine Gruppenstunde, und alle kamen im Grunde regelmäßig zu ihrer Altersstufe. Das ist heute gar nicht mehr möglich. Wir haben in Vynen derzeit gut 40 Messdiener und sechs Leiter, die alle ihre eigenen Stundenpläne in verschiedenen Schulen und Jahrgangsstufen haben - auch nachmittags. Dazu kommen die Hobbys. Die Zeitnot versuchen wir, durch gezielte Aktionen zu kompensieren - durch gemeinsame DVD-Abende, einzelne Fahrten zum Beispiel in den Movie-Park und Sommerfreizeiten. Das schweißt zusammen und ist auf einem Dorf dann Werbung für sich. Wir kennen uns noch alle - auch durch die Kirche.

Noch!

Frensch Ja, so sieht es leider aus. Es gibt immer weniger Kirchenangehörige. Das führt auf Dauer in kleinen Gemeinden zu weiteren Schwierigkeiten. Ich weiß aber, dass die Prop-steigemeinde alles tut, um die Kirche vor Ort zu erhalten.

Einen Einblick ins Geschehen haben Sie als Bufdi ja.

Frensch Ich kann zumindest in viele Bereiche hineinschnuppern. In die Gartenarbeit zum Beispiel. Den Büschen am Propsteiparkplatz habe ich einen Radikalschnitt verpassen dürfen. Da war alles zugewachsen. Wenn dann im Stiftsmuseum Not am Mann ist, helfe ich beispielsweise bei der Vorbereitung von Vorträgen, transportiere das Pult, kümmere mich um die Elektronik, bei Konzerten im Dom - wie bei Paddy Kelly und dem Luftwaffenmusikkorps- habe ich die Bühne mit aufgebaut und die Stühle hingestellt und auch Getränke eingekauft. In den Kindertagesstätten der Gemeinde habe ich schon mal die Aushilfen entlastet, Spielzeuge repariert, Glühbirnen erneuert, Lichterketten aufgehängt und ein eingeklemmtes Garagentor repariert.

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Zwei linke Hände haben Sie jedenfalls nicht.

Frensch Das wäre tatsächlich nicht hilfreich. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, sich nützlich zu machen. Die Rendantur in der Immunität ist die Kirchenverwaltung. Das ist vielleicht auch spannend für einen Bufdi.

Und ein Beruf für später?

Frensch Zumindest kann ich auch mal in die Büroarbeit reinschnuppern. Ich sehe das Jahr auch da als Chance, zumal ich mich in einen strukturierten Arbeitsalltag eingelebt habe, den ich bis dahin so nicht gekannt habe. Das könnte auch beim ... naja, vielleicht Jura-Studium, hilfreich sein.

Und dann ... die Kirche als Arbeitgeber?

Frensch Hauptberuflich? Vermutlich nicht. Aber man soll nie nie sagen. Ich sehe mich eher in der Wirtschaft oder gesellschaftlich tätig. Wobei ich das kirchliche Leben gern mitgestalten will. Da gibt es sicher noch viel zu tun. Wir müssen mehr Jugendliche gewinnen, sehen, wie wir mit dem Priestermangel fertig- werden. Es gibt ja genug Frauen und Verheiratete, die seelsorgerlich tätig werden wollen. Das ist aber sicher noch ein weiter Weg. Den würde ich gerne mitgehen.

HEINZ KÜHNEN FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP)
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