Xanten: Edeka kommt auch ohne Drogeriemarkt

Xanten : Edeka kommt auch ohne Drogeriemarkt

Menzelens Ortsvorsteher Edgar Giesen hat von Investor Thomas Luft per E-Mail die Zusage erhalten, dass der Supermarkt an der Schnittstelle B 57 / Bahndamm trotz mancher Hemmnisse gebaut werden soll - in zwei Jahren.

Im Schnittpunkt von alten Gleisen und Xantener Straße (B 57) am Bahnübergang in Menzelen liegt hinter einem verwittert verborgenen Maschendrahtzaun ein leicht hügeliges Fleckchen Wildnis. Früher hat hier mal eine Firma für "Erdbewegungen" Bodenhub gelagert. Doch unterm wuchernden, noch winterlich braunen Gestrüpp ranken seit Jahren Sehnsüchte der Menzelener Bevölkerung nach einem Edeka-Markt. "Es gibt wirklich kein anderes Thema in Menzelen und Bönning-Rill", sagt Edgar Giesen (60). "Vor allem nachdem Aldi in Birten geöffnet hat." Deshalb hat der Ortsvorsteher nachgehakt.

Und er wird so zum Überbringer einer guten Nachricht: "Trotz der negativen Begleiterscheinungen wollen wir den Standort verwirklichen." Das hat ihm Edeka-Kaufmann Thomas Luft versichert. Anders ausgedrückt: Edeka will sich weiter hier ansiedeln und den Supermarkt bauen.

Schon vor vier Jahren hat Investor Thomas Luft seine Unterschrift unter den Kaufvertrag für das verwunschene Stück Land (17.000 Quadratmeter) auf der Grenze zwischen Menzelen-West und Menzelen-Ost gesetzt. Aber bewegt hat sich hier seither nichts. Die unberührte Wildnis ist allenfalls weiter zugewachsen. Die Landesplanung hat am toten Bahnstrang lange auf der Bremse gestanden. Luft musste seine Marktpläne deutlich reduzieren. Von den ursprünglich geplanten 1800 Quadratmetern im "Sondergebiet für Nahversorgung" werden nur 1200 genehmigt. Auch von der Absicht, hier parallel einen Drogeriemarkt anzusiedeln, muss sich Luft, der schon die Edeka-Märkte in Borth und Alpen betreibt, wohl verabschieden. Der Regionaverband Ruhr (RVR) will sein Okay wegen zu geringer Einwohnerzahl nur für eine Verkaufsfläche von 250 Quadratmetern geben. An Raum für eine größere Wohnstube verschwendet keine Drogerie-Kette auch nur einen einzigen Gedanken.

Trotz alledem: Bei einem "Menzelen-Workshop", schreibt Thomas Luft in einer E-Mail an Edgar Giesen, sei gemeinsam mit seinen Partnern Edeka und der Bäckerei Büsch eine Entscheidung gefallen: "Alle drei waren sich einig. Wir stehen zu unserem Vorhaben als ,Stand-alone-Standort'." Also auch ohne Drogeriemarkt.

Dennoch dämpft Luft die Erwartungen, dass es nun schnell gehen könnte - auch wenn der Rat inzwischen die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen hat. Die Projektplanerin habe einen Zeitrahmen von zwei Jahren skizziert, heißt es in der Mail an den Ortsvorsteher: "Wenn alle Genehmigungsschritte problemlos durchlaufen." Da klingt nach den bisherigen Erfahrungen noch ein wenig Skepsis durch. "So leid es mir tut", schreibt Thomas Luft, wissend, dass die Menzelener auf ihn warten. "Ich würde lieber noch in diesem Jahr eröffnen, das können Sie mir glauben."

Edgar Giesen bedauert zwar, dass sich alle noch gedulden müssen. "Aber das Wichtigste ist doch, dass Edeka kommt", sagt er. Ein Supermarkt mit einem Bäcker sei für die Zukunft eines Ortes - er versteht sich ausdrücklich als Vertreter für Ost und West - von zentraler Bedeutung. "Das wird Menzelen aufwerten und sicher ein gutes Argument dafür liefern, dass junge Familien hier bleiben oder sich hier niederlassen", so Giesen.

Davon wiederum könnte auch Investor Luft profitieren. Denn die Gemeinde plant hinter dem Kindergarten St. Michael in Menzelen-West ein Neubaugebiet - möglichst mit Anbindung zur Siedlung Wiesenstraße hinterm Bahndamm. Wenn die Einwohnerzahl im Einzugsbereich des Marktes steigt, kann Luft mit grünem Licht der Behörden für eine Erweiterung der Verkaufsfläche rechnen. Das jedenfalls, so Luft, habe ihm der RVR in Aussicht gestellt. Mit Bauland ist frühestens in zwei Jahren zu rechnen, dann wenn auch der Edeka-Markt an den Start gehen soll.

"Das Baubaugebiet ist sehr wichtig für Menzelen", findet Giesen. Nur so könne man junge Leute durch einen Bauplatz an den Ort binden und Neubürger gewinnen. Das sichere auch die dörfliche Infrastruktur mit Kindergarten und Grundschule sowie Nachwuchs für Vereine. "So bleibt Menzelen auch in Zukunft attraktiv und lebendig", lautet Giesens Überzeugung. Es sei Zeit, dass sich was bewegt auf den dornenbewachsenen Hügeln hinterm Maschendrahtzaun.

(RP)
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