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Dürrejahre bereiten Sorgen: Waldteiche in Labbeck schrumpfen

Dürrejahre bereiten Sorgen : Waldteiche in Labbeck schrumpfen

Anwohner und Grüne sind besorgt über die niedrigen Wasserstände in den Weihern am Forsthaus Hasenacker. Verantwortlich seien die Dürrejahre, sagt Förster Georg Cuppenbender. Eine kurzfristige Lösung ist nicht in Sicht.

Es gibt kaum jemanden in der Gemeinde Sonsbeck, der keine schönen Kindheitserinnerungen mit ihnen verbindet. Die beiden Teiche am Hasenacker sind seit jeher Zielort unzähliger Exkursionen, um kleinen Entdeckern die Natur näher zu bringen – allen voran für die benachbarte Jugendbildungsstätte Forsthaus Hasenacker, aber ebenso für Schulklassen und Kindergärten. Familien unternehmen Ausflüge dorthin, um Erholung im Grünen zu finden, Kindern dienen sie als großer Abenteuerspielplatz. Und über Jahrzehnte waren sie Schauplatz der beliebten Waldkonzerte zu Pfingsten, die jährlich Besucher aus der gesamten Region anlockten. Doch jetzt bereiten die kaskadenartig angelegten Gewässer im Tüschenwald Sorgen. „Der Wasserstand ist seit einigen Jahren so niedrig, dass Flora und Fauna gefährdet sind“, berichtet Hans-Günter Reiner. Damit hat der Labbecker auch die Grünen Werner Kalter und Lukas Aster auf den Plan gerufen. Revierförster Georg Cuppenbender erklärte bei einem Gespräch vor Ort die Hintergründe.

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Reiner geht täglich mit seinem Hund an den Teichen entlang spazieren, verfolgt genau, wie sich der Pegel entwickelt. Die Schneeschmelze nach dem plötzlichen Wintereinbruch im vergangenen Frühjahr habe die Teiche nochmals gut gefüllt, erzählte er. Grundsätzliche gehe das Wasser aber merklich zurück. Tatsächlich bezeugen Algenlinien an der Staumauer des unteren Teiches fallende Pegel. Förster Cuppenbender bestätigte ein Absinken um rund 20 Zentimeter in den vergangenen zwei Jahren.

 An den Algenlinien der Staumauer lassen sich die sinkenden Wasserstände ablesen.
An den Algenlinien der Staumauer lassen sich die sinkenden Wasserstände ablesen. Foto: Armin Fischer (arfi)

Verantwortlich seien ihm zufolge vor allem die zu geringen Niederschlagsmengen. „Wir haben in den Jahren 2018 bis 2020 eine Dürre erlebt wie noch nie zuvor in der Region“, erklärt Cuppenbender. Trotz des nassen Sommers 2021 herrsche in einer Bodentiefe von 1,80 Metern noch immer eine ungewohnte Trockenheit. 

„Die Teiche am Hasenacker sind keine natürlichen Gewässer, sie wurden im 19. Jahrhundert künstlich zur Karpfenzucht angelegt“, so der Förster. So würden sie nicht vom Grundwasser gespeist, sondern vom Niederschlag und mehreren Quellen. Diese dienten schon vor 2000 Jahren den Römern, um die Colonia Ulpia Traiana zu versorgen. „Nach den trockenen Jahren sind die Speicher der Quellen vermutlich leer“, so der Förster. Ein Phänomen, das er auch im Heeser Wald beobachte. Dort sei eine Hangquelle komplett versiegt. Ob sie nach ein paar „normalen Jahren“ wieder aktiv würde, könne er nicht sagen, so Cuppenbender. „Da fehlen Erfahrungen.“

 Die beiden kleinen Teiche direkt an der Jugendbildungsstätte sind ausgetrocknet. Einer von ihnen (Foto) ist schon seit zwei Jahren leer.
Die beiden kleinen Teiche direkt an der Jugendbildungsstätte sind ausgetrocknet. Einer von ihnen (Foto) ist schon seit zwei Jahren leer. Foto: Wyglenda

Bei den Waldteichen in Labbeck sieht der Förster noch ein zweites Problem. „Wenn sich über Jahre die herabfallenden Blätter der umliegenden Bäume am Gewässerboden absetzen, verringert sich irgendwann die freie Wasserfläche“, erklärt er. Soll heißen: Die Weiher verschlammen. Bei starker Hitze im Sommer könne das zu Sauerstoffmangel führen und das Gewässer sogar „umkippen“, so Cuppenbender. Schon vor zwei Jahren habe er angeregt, die Teiche zumindest teilweise zu entschlammen. „Das ist aber ein erheblicher Eingriff, und das in einem Naturschutzgebiet“, ergänzt der Förster.

Forstamt und Untere Naturschutzbehörde müssten ihr Okay geben. Zudem gebe es noch ein paar Fragezeichen. Etwa, wo genau die Quellen liegen und verlaufen, um die Entschlammung am richtigen Ort durchzuführen. Oder ob sich der Wasserpegel nach anhaltenden Regenperioden nicht von selbst normalisiert, so dass der Eingriff unnötig wird. „Wir halten die Situation im Blick“, verspricht der Förster. „Wir wollen schließlich auch nicht, dass die Gewässer austrocknen oder umkippen.“

Zwei weitere, kleinere Teiche direkt am Forsthaus sind bereits verlandet. „Rund 20 Karpfen mussten umgesiedelt werden, damit sie nicht elend verenden“, erzählt Reiner. Dank der Schneeschmelze seien dort im vergangenen Jahr zumindest noch Molche und Frösche geschlüpft. „Fraglich ist, ob das in diesem Jahr noch einmal gelingt.“ Kreis-Grünen-Politiker Lukas Aster wirbt dafür, die Teiche als Lernort über die Folgen des Klimawandels zu nutzen. „In den Schulen erfahren Kinder von den schmelzenden Polkappen und gefährdeten Eisbären“, sagt er. „Hier wird aber greifbar, wie sich der Klimawandel auf ihre direkte Umgebung auswirkt.“