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Dorfaktionstag nach Corona-Pause: Sonsbeck ist wieder blitzblank

Erster Dorfaktionstag nach Corona-Pause : Sonsbeck ist wieder blitzblank

Knapp 100 Bürger befreiten die Gemeinde beim ersten Dorfaktionstag nach der Corona-Pause von allerlei Müll und Unrat. Vielen Helfern war neben dem Säubern vor allem wichtig, mal wieder etwas mit der Dorfgemeinschaft unternehmen zu können.

Am Samstag war nach einer eineinhalbjährigen corona-bedingten Pause in Sonsbeck, Labbeck und Hamb im Rahmen des 19. Dorfaktionstages wieder Großreinemachen angesagt. Auf Einladung des Ortsausschusses Sonsbeck, des Heimat- und Verkehrsvereins sowie der Ortsvorsteher Gudrun Bach aus Hamb und Johannes Dieter Hinßen aus Labbeck beteiligten sich knapp 100 Bürger aller Altersklassen an dem „öffentlichen Hausputz“.

Damit die ehrenamtliche Arbeit bei der Hitze erträglich blieb, wurden die Müllsammler zwischendurch von den Organisatoren mit Getränken versorgt. „Eigentlich machen wir das im März, aber nach der langen Pause haben wir die Aktion vorgezogen“, erklärte Bürgermeister Heiko Schmidt, der in gelber Warnweste mithalf. Dass die Pandemie das Verhalten der Menschen verändert hat, ließ sich auch an ihren Hinterlassenschaften ablesen. Waren in den vergangenen Jahren die Bereiche um die Autobahnabfahrten mit Plastikbechern und Fastfood-Verpackungen vermüllt, so hat sich dies in Zeiten von Homeoffice und Kurzarbeit deutlich verändert. „Wir registrieren ein vermehrtes Müllaufkommen entlang unserer Radwanderrouten und Wege“, sagte Schmidt, der der ehrenamtlichen Unterstützung einen weiteren positiven Aspekt abgewinnt: „Es ist toll, dass so viele Kinder mitgenommen werden, das sorgt für einen nachhaltigen Effekt.“

 Nicht nur das Müllsammeln gehörte zum Dorfaktionstag. Diese starke Frauentruppe putzte die Fenster am Hubertushaus in Hamb.
Nicht nur das Müllsammeln gehörte zum Dorfaktionstag. Diese starke Frauentruppe putzte die Fenster am Hubertushaus in Hamb. Foto: Armin Fischer (arfi)
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Der lasse sich nach inzwischen 19 Müllsammelaktionen ohnehin schon erkennen, bemerkte Labbecks Ortsvorsteher Johannes Dieter Hinßen: „Es wird immer viel gemeckert, aber so schlimm sah es hier gar nicht aus.“ In Labbeck griffen zudem einige Helfer zu Schaufel und Harke, um rund um das Pfarrheim Beete vorzubereiten, die von der „Rentnergruppe“ am Montag bepflanzt werden.

Kurt Hannoschök, Sprecher der gärtnernden Seniorengemeinschaft, ist froh, dass es endlich wieder losgehen kann. „Außer den Rasen zu mähen konnten wir ja monatelang nichts machen. Inzwischen steht das Unkraut meterhoch, es wird also höchste Zeit“, sagte er energisch. Damit Labbeck wieder erblüht, bekommen die Rentner von der Gemeinde neben technischem Gerät rund 120 Blumen.

  Auch Vereine machten mit: Auf der Landstraße von Sonsbeck nach Hamb war das Team von ALKO SBK (Allgemeine Konzertorganisation Sonsbeck) unterwegs.
Auch Vereine machten mit: Auf der Landstraße von Sonsbeck nach Hamb war das Team von ALKO SBK (Allgemeine Konzertorganisation Sonsbeck) unterwegs. Foto: Armin Fischer (arfi)

Um keine verdreckte Stelle auszulassen, hat Hinßen vor dem Putztag mit Agnes Quinders eine Dorfbegehung gemacht und anstehende Aufgaben auf Zettel geschrieben, von denen sich jeder am Samstagmorgen einen nehmen durfte. Leider war das Helferaufkommen an diesem Tag nicht ganz so hoch wie erwartet. Die Arbeiten Spinnenfegen und Scheibenputzen an Pavillon und Bushaltestelle blieben deshalb ebenso unerledigt wie der Anstrich des Bobbycar-Übungsplatzes auf dem Gelände des Kindergartens. „Das müssen wir dann halt demnächst selber erledigen. Es ging uns auch hauptsächlich darum, das Dorf mal wieder aufzuhübschen“, sagte Hinßen, der ansonsten mit dem Erfolg der Dorfaktion sehr zufrieden war.

Sonsbecks Bürger helfen traditionell gerne mit, ihr Dorf zu säubern, aber in diesem Jahr war zusätzlich überall die Freude darüber spürbar, wieder etwas in der Gemeinschaft zu unternehmen. Das führte mitunter zu außergewöhnlichen Momenten. „Nein, das ist nicht meine Enkelin. Wir sind uns beim Müllsammeln an der Hochstraße begegnet und haben uns sofort angefreundet“, erklärte Brigitte Fucking und strich der sechsjährigen Amelie durchs Haar. Das Mädchen zog mit Blick auf ihre Ausbeute ein verärgertes Fazit: „Plastikmüll haben wir keinen gefunden, aber überall lagen Zigarettenkippen.“ Überhaupt macht die Motivation des Nachwuchses Hoffnung. „Ich freue mich schon so lange darauf, mit meinem Papa daran teilzunehmen. Ich wünsche mir einfach eine saubere Stadt“, sagte die elfjährige Antje Peters.

Etwa eine Tonne Müll hat Mario Bruntsch am Nachmittag zur Müllverbrennungsanlage gebracht. Bei den auffälligsten Hinterlassenschaften dürfte zumindest klar sein, welcher Berufsgruppe der Umweltsünder angehört. „Wir haben am Klärwerk zwei Trecker Reifen gefunden. Insgesamt kann man aber sagen, dass wir im Vergleich zu den vergangenen Jahren relativ wenig Müll gefunden haben. Manche Trupps waren richtig enttäuscht“, resümierte Bauhofleiter Gregor Daniels. Für den stellvertretenden Bürgermeister Matthias Broeckmann, der am Mittag Brötchen mit Schnitzel und Krautsalat an die Helfer verteilte, ist die Sache nicht so eindeutig: „Entweder ist der Müll wirklich weniger geworden oder man hat ihn nicht gefunden, weil das Gras in den Grünstreifen inzwischen so hochsteht.“ Dass die meisten Bürger unterwegs ihren Müll in die dafür vorgesehenen Abfalleimer werfen, findet Daniels erstmal gut. Jedoch hat er in der Corona-Zeit eine Entwicklung festgestellt, die ihn und seine Mitarbeiter auf die Palme bringt: „Die Menschen entsorgen zunehmend ihren Hausmüll in den öffentlichen Abfalleimern. Wenn wir dann den Nudelsalat abholen, ist da schon Leben drin.“