Dom-Musikschule Xanten: Alfred Melters übergibt Vorsitz an Jürgen Kappel

Dom-Musikschule Xanten: Nachbarn sollen für Musik bezahlen

Die Dom-Musikschule Xanten hat einen neuen Vorsitzenden: Jürgen Kappel übernimmt von Alfred Melters. Bürgermeister Görtz will derweil mit Alpen und Sonsbeck über die künftige Finanzierung der Einrichtung sprechen, die 2018 ein leichtes Minus erwirtschaftete.

Wechsel an der Spitze der Dom-Musikschule Xanten (DMX): Alfred Melters, CDU-Altbürgermeister der Domstadt und seit den Anfängen der Schule im Jahr 1970 im Vorstand tätig, übergibt den Vorsitz nach 22 Jahren an Jürgen Kappel. Der 61-Jährige ist Redakteur bei der Bistumszeitung „Kirche und Leben“ und war bis vor gut drei Jahren Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat. Vor ihm liegt vor allem der unentwegte Kampf ums Geld einer Einrichtung, in der aktuell 546 Schüler von 27 Lehrern betreut werden. Xantens Bürgermeister Thomas Görtz (CDU) kündigte dazu eine Initiative in den umliegenden Kommunen an.

Kappel sei einer, „der sich in der Stadt und in der Politik auskennt“, sagte Melters. Und gute Verbindungen seien wichtig für den Fortbestand der Dom-Musikschule Xanten, denn diese leide unter „notorischer Magersucht“. Die Unterrichtsgebühren und Mitgliedsbeiträge allein decken den Haushalt nicht ab. Daran ändern auch die Zuschüsse des Landes und der Stadt für die Einrichtung im Kellergeschoss des Dreigiebelhauses wenig. Ohne Spenden und regelmäßige Sponsoren wie die Sparkasse am Niederrhein und die Volksbank Niederrhein gehe es nicht, sagte Melters. Immerhin: Das Jahr 2017 endete mit einem minimalen Defizit von gut 600 Euro.

Das mache zunächst zufrieden, verdecke aber ein grundsätzliches Problem, sagte Görtz: „Wir haben Gott sei Dank engagierte Lehrer, aber durch ihren Einsatz über die bezahlten Stunden hinaus verzichten sie real auf Geld.“ Auf Dauer stoße das Ehrenamt an seine Grenzen. „Wir müssen aufsatteln.“

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Wir, das sei zunächst einmal die Stadt Xanten, die seit der Gründung der Dom-Musikschule durch die beiden Kirchengemeinden Mitglied des Vereins ist und derzeit jährlich 27.500 Euro zuschießt. Ab dem Haushalt 2020 müsse der Betrag angehoben werden, sagte Görtz. Das möchte der Bürgermeister auch in Alpen erreichen. Der jährliche Zuschuss der Nachbargemeinde von 3000 Euro sollte zumindest hinterfragt werden. Auch bei Sonsbecks Bürgermeister Heiko Schmidt hat Görtz schon einmal „vorsichtig angeklopft“. Da sei er aber erst einmal auf wenig Gegenliebe gestoßen, „obwohl ein nicht unerheblicher Teil der Musikschüler von dort kommt“.

Melters-Nachfolger Jürgen Kappel hat darüber hinaus weitere Finanzierungsideen, denkt zum Beispiel an Crowdfunding-Kampagnen. Die sogenannte „Schwarmfinanzierung“ von einzelnen Projekten sei aber bislang nur ein Gedankenspiel, betonte Kappel, der seit seinem 50. Lebensjahr selbst Musikschüler ist.

Sein Saxophon steht in der Beliebtheitsskala der Musikschule aber eher im unteren Bereich. Ganz oben finden sich die Gitarre und neuerdings wieder das Klavier, sagte Schulleiter Thomas Brezinka. Ihm und Kappel bleibt „Urgestein Melters“ aber weiter erhalten: „Ich wollte aufhören, bevor ich umfalle“, sagt der 88-Jährige. Als „Außenbordmotor“ wolle er aber weiter im Fahrwasser der Dom-Musikschule mitschwimmen.

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