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Die Stiftung Störche NRW hat einen Kalender mit Meister Adebar herausgebracht

Naturschutz in Xanten : Meister Adebar wird zum Wirtschaftsfaktor

Die Stiftung Störche NRW hat’s befördert, dass der Storch den Niederrhein neu für sich entdeckt hat. Der Kalender 2021 mit Motiven des Natur-Fotografen Hans Glader belegt das recht eindrucksvoll.

Es gibt kaum einen majestätischeren Sympathieträger für die Natur als Meister Adebar. Der scheint sich am Niederrhein zunehmend wohl zu fühlen. „Die Population des Weißstorchs ist angestiegen“, bestätigt Hans Glader von der Stiftung Störche NRW. Die ist vor sechs Jahren an den Start gegangen und hat sich auf die Fahnen geschrieben, dem Wappenvogel des Nabu in der Region Rückenwind unters Gefieder zu blasen, ihm Flügel zu verleihen und ihn so zu veranlassen, sich vermehrt in der grünen Niederung von Vater Rhein niederzulassen. Mit wachsendem Erfolg.

Der Storch ist hier inzwischen im sprichwörtlichen Sinne zum Zugvogel geworden. Er lockt Touristen an den Niederrhein, die sich das Naturschauspiel aus der Nähe anschauen möchten. Zum Marketing für die sommerliche Heimat von Meister Adebar trägt auch der Kalender bei mit 13 Motiven (inklusive Deckblatt) mit dem stolzen Vogel. Die hat der leidenschaftliche Naturfotograf Glader allesamt am Niederrhein entdeckt.

Mit Ausnahme des Deckblatts. Das zeigt einen Schwarzstorch im Landeanflug auf Lesbos. Den hat Glader, vor seinem Ruhestand Sprecher der Biologischen Station des Kreises Wesel, schon vor geraumer Zeit bei einer seiner Foto-Safaris auf der griechischen Insel geschossen. „Lesbos liegt auf der osteuropäischen Vogelflugroute und ist eine beliebte Zwischenstation für Störche auf dem Weg von Europa nach Afrika und umgekehrt“, erläutert Glader.

Das angestammte Revier des Kärnteners, der im westlichen Münsterland lebt, aber ist der Niederrhein. Hier hat er sich mit seine Freunden vor Jahren aufgemacht, den irgendwann raren Vogel hier wieder anzusiedeln, seine Lebensumstände komfortabler zu gestalten und seine Lebensgewohnheiten wissenschaftlich auszuwerten. Das alles zu finanzieren, leistet der Verkauf des Foto-Kalenders – es ist bereits der vierte – einen wichtigen Baustein. Der Erlös fließt nach Abzug aller Kosten in die Stiftung.

Glader ist auch am linken Niederrhein unterwegs. Farbenprächtig ist der April. Da hat er ein Elternteil geknipst, das in einem Horst bei Borth/Wallach den Nachwuchs füttert, dessen graue Köpfchen übers Nest ragen – vor der leuchtend roten Kulisse blühender Kastanien. Ein herrliches Bild, das im Winter Lust macht auf Frühling.

Eindrucksvoll auch der Schnappschuss, der den Mai schmückt: Ein Storch mit aufgerissenem roten Schnabel lässt es sich genüsslich schmecken. Der Tisch sei in den feuchten Wiesen des Rheinvorlandes für den Storch reich gedeckt, um seinen Nachwuchs aufzuziehen, berichtet Glader. „Gerade am Anfang brauchen die Jungen proteinreiche Regenwürmer, um schnell groß zu werden“, so der Kenner, „später fressen sie wie die Alten auch sehr gerne Mäuse.“ Befürchtungen, dass in den Dürresommern das Nahrungsangebot knapp werden könnte und sich Adebar wieder vom Acker macht, hätten sich nicht bestätigt.

Nicht in den Kalender ’21 geschafft hat’s das Foto eines stelzigen Sommergastes auf der Bislicher Insel. Er trägt gut sichtbar einen kleinen Sender am dünnen Bein, der seine Flugbewegungen aufzeichnet und Wissenschaftlern wichtige Daten seiner Flugrouten und damit neue Erkenntnisse liefert.

Die Bislicher Insel ist schon seit vielen Jahren Brutplatz für Störche. Allein in diesem Jahr seien in dem Naturschutzgebiet, das auch der Seeadler schätzt, 13 Brutpaare gezählt worden. Besonderheit: Auf der Bislicher Insel brüten die einzigen Storchenpaare in Nordrhein-Westfalen in abgebrochenen Baumkronen und kommen beim Nestbau ganz ohne menschliche Hilfen aus.

Die Stiftung, die Dorfvereine unterstützt, die einen Horst aufrichten wollen, um Meister Adebar ein Angebot zu machen, gibt wertvolle Tipps, es dem Storch schmackhaft zu machen. „Stromtrassen in der Nähe sind ungünstig, weil die Tiere sich darin leicht verfangen und verletzen“, so Glader, der darauf verweist, dass die Ansiedlung von Meister Adebar durchaus eine Art von Wirtschaftsförderung sei: „Die Störche ziehen Menschen an, die als Tagestouristen ihr Geld in Cafés, Restaurants oder Ferienwohnungen in der Region lassen.“

In Bislich, im Fährkopf-Dorf Xanten gegenüber, gibt’s beispielsweise eine gut angenommene Storchenwanderroute. Eine Kamera am Horst auf der Kirchenwoij liefert alljährlich Live-Bilder aus der Kinderstube ins weltweite Netz – mit steigenden Einschaltquoten. Der Hotspot aber lag in diesem Sommer um Lichtenholz bei Hamminkeln: Hier ließen sich allabendlich bis zu 50 Jungstörche auf kahlen Baumgerippen in den weiten Wiesen nieder, um zu schlafen. „Wie in Afrika, wo sie auf Bäume sicher sind vor Raubkatzen“, erklärt Glader das Phänomen. Eine Erklärung, warum sich der Schlafplatz unter Störchen offenbar herumspricht, hat er nicht. „Wir wissen schon viel über den Storch, aber längst noch nicht alles.“ Zahlreiche Radtouristen hat’s gefreut. Sie sind in Scharen zu den schlafenden Störchen gepilgert. Viele fragen sich, ob die Störche auch hier wieder landen, wenn sie im Frühjahr zurückkehren aus Afrika.