Xanten hilft den Bienen: Die neue Vorschrift für den Vorgarten

Xanten hilft den Bienen : Die neue Vorschrift für den Vorgarten

Ganz Deutschland klagt übers Bienensterben. Die Stadt Xanten wird nun tätig und ändert in den Bebauungsplänen ihre Festsetzungen für die Vorgärten. Der Nabu freut sich, ihm geht dieser Schritt aber noch nicht weit genug.

In Marienbaum, auf dem ehemaligen Spielplatz an der Birgittenstraße, entsteht ein neues Baugebiet. Das ist bekannt. Vor Wochen wurden dort die alten Spielgeräte abgebaut. Am Donnerstag, 3. Mai, folgt im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Umwelt der nächste Schritt: Der Bebauungsplan mit all seinen Bestandteilen soll als Satzung beschlossen werden.

Besonderes Augenmerk verdient dabei die Seite 19. Dort heißt es, um es mit einfachen Worten aufzudrücken: Die jeweiligen Vorgärten müssen bepflanzt, nur Gehwege und Stellflächen - und das auch nur in einem vertretbaren Maße - dürfen gepflastert oder bekiest werden.

Das ist neu, wie Xantens Stadtplanerin Christina Kutschaty auf Anfrage unserer Redaktion sagt. "Bisher stand in den Festsetzungen, dass die Flächen nicht versiegelt werden dürfen. Das war, wenn man sich die Baugebiete in Xanten anschaut, wohl nicht konkret genug. "Hier kam es zu Missverständnissen, was die Festsetzung betrifft."

Der Alpener Christian Chwallek, stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) NRW, ist etwas direkter. Er nennt es "Gärten des Grauens". Gemeint sind die vielen "Steinwüsten in den Vorgärten", die nicht nur in den Xantener Baugebieten seit einigen Jahren immer mehr das Bild bestimmen. Für Chwallek sind sie eine Ursache für das Insektensterben, das deutschlandweit beklagt wird.

Dem möchte nun auch die Stadt Xanten entgegenwirken. "Auf der Chelsea Flower Show wurde einmal ein Trend vorgestellt. So haben wir es auch im Kurpark gemacht. Im Bibelgarten beispielsweise gibt es gegen das Unkraut einen Abstreu, der schon im nächsten Jahr, wenn die Stauden sich entfaltet haben, nicht mehr zu sehen ist.

Die deutschen Grundstücksbesitzer machen es allerdings meist anders. Sie verlegen unter den Steinen eine Folie. Dadurch ist die Fläche hermetisch abgeriegelt. Es findet kein Austausch mehr zwischen Luft und Boden statt, kein Vogel kann dort einen Wurm picken, keine Biene Nektar saugen", erklärt Kutschaty. Ihrer Meinung nach passen die Steinchengärten auch nicht in die dörfliche Gestaltung, vor allem nicht nach Marienbaum. "Der Vorgarten ist ein halböffentlicher Raum, er sollte sich der Umgebung anpassen."

CDU-Fraktionschef Pankraz Gasseling, hauptberuflich Diplom-Ingenieur für Gartenbau und bei der Landwirtschaftskammer NRW, findet die neue Festsetzung im Bebauungsplan gut: "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ganz Deutschland spricht übers Bienensterben. Mit einem grünen Vorgarten kann jeder etwas dagegen tun."

Christian Chwallek sieht das genauso. Ihm geht die Festsetzung der Stadt, die auch für weitere Baugebiete gelten soll, allerdings noch nicht weit genug. "Ich hätte es noch besser gefunden, wenn in den grünordnerischen Verordnungen auch die heimischen Gewächse in den Fokus gestellt worden wären."

(jul)
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