Zum Sonntag: Die Erfahrungen von Kirche updaten

Zum Sonntag: Die Erfahrungen von Kirche updaten

Wann lassen Sie denn mal das "K" in Ihrem Verband weg?" - So wurde kürzlich eine Teamkollegin der kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschland) bei der Planung der Regionalveranstaltung "Singen für den Frieden" gefragt. Dahinter steckt für mich unausgesprochen die Sichtweise: Wie passt das überhaupt zusammen: als 'katholische Christen', als Kirche allgemein für gute, lebensnahe, attraktive und anregende Veranstaltungen zu stehen?

Meine Teamkollegin hat gut geantwortet, indem sie deutlich machte, dass überhaupt kein Grund bestehe, das "K" zu streichen, denn 'katholisch' bedeute schließlich 'allumfassend', universal' und meine eben die auf das Ganze abzielende Ausrichtung - und dafür stehe die kfd schon lange mit ihrer weltoffenen und solidarischen Orientierung.

Aber es bleibt ja die Frage, warum gute Arbeit und das 'K' von 'Katholisch' und 'Kirche' in den Köpfen vieler Menschen nicht zusammen passen.

Und dann gibt es doch wieder dieses ungläubige Erstaunen, das sich etwa nach einem Gottesdienst äußert in Sätzen wie: "Das ist ja richtig ansprechend und zeitgemäß hier, das habe ich ja gar nicht gewusst..." oder "Früher war das doch noch ganz anders, da mussten wir..."

Allen, die es in den vergangenen Jahren versäumt haben, ihre in die Jahre gekommenen Erfahrungen von Kirche upzudaten, möchte ich sagen: Lassen Sie sich doch mal wieder überraschen, überzeugen Sie sich, dass auch in Kirche Wandlung möglich ist. Gelegenheiten, Kirche ganz 'anders' zu erleben, bieten die Gemeinden zuhauf. Und Kirche wird auch gar nicht zuerst in Rom gemacht oder in den Bischofskonferenzen, sondern da, wo Menschen einander helfen, ihr Leben zu bewältigen, gerade auch in den Tiefzeiten des Lebens, wo sich Menschen engagieren gegen Ungerechtigkeit und Ausgrenzung, wo Menschen Kraft schöpfen und Zuspruch erhalten in der Begegnung und dem Miteinander im Gottesdienst und in den Kreisen und Gruppen einer Gemeinde. Kirche schaut auf das Leben der Menschen mit seinen Höhen und Tiefen und hilft, es zu verstehen und zu bestehen.

Vielleicht lassen sich ja nach einem solchen Update neben den kirchenkritischen Attributen wie weltfremd, unmodern und rückwärtsgewandt auch ganz andere Begriffe finden wie menschenfreundlich, solidarisch und wohltuend.

AUTORIN GERTRUD SIVALINGAM IST PASTORALREFERENTIN IN DER KATHOLISCHEN PFARRGEMEINDE ST. MARIA MAGDALENA SONSBECK.

(RP)