Xanten: Die digitale Musterschule

Xanten: Die digitale Musterschule

An der Gesamtschule Xanten-Sonsbeck gehören Smartphones und Tablets zum Unterrichtsalltag.

Ein Mensch ohne Smartphone ist vielleicht nicht unbedingt wie ein Fisch ohne Schuppen. Er mutet im digitalen Zeitalter doch etwas exotisch an. Und auch in Schulen lässt sich die Digitalisierung nicht mehr wegradieren wie ein Bleistift-Eintrag ins Klassenbuch. Was sich ebenfalls geändert hat, ist der Auftrag, den Schulen heute haben und der längst über die Vermittlung von Wissen und sozialen Kompetenzen hinausgeht: Sie müssen für die digitale Welt fitgemacht werden. Der Leiter der Gesamtschule Xanten-Sonsbeck, Frank Pieper, bringt es auf den Punkt: "Bring Dein eigenes Gerät ruhig mit, aber nutze es nur zu Unterrichtszwecken."

Darin ist die Gesamtschule längst geübt und gehört damit zu einer bundesweit besonderen Schulgruppe. Um die Digitalisierung an Schulen voranzubringen, haben sich nämlich in einem Forum "Bildung Digitalisierung" sechs große Stiftungen zusammengeschlossen, unter ihnen die Telekom, Bertelsmann, Siemens und die Montag-Stiftung "Jugend und Gesellschaft". Und sie haben bundesweit 38 Schulen ausgeguckt, in denen das digitale Zeitalter nicht gerade erst angefangen hat, sondern in denen die neuen Medien schon intensiv genutzt werden. Von ihren Erfahrungen können wiederum andere Schulen profitieren.

Die Gesamtschule Xanten-Sonsbeck verfügt - auch dank großzügiger Sponsoren und Mittel der Kommune - bereits seit einiger Zeit über die technische notwendige Ausstattung: schnelle Internetzugänge, Wlan und Lan in den Klassen- und Lehrerzimmern, geeignete Präsentationstechnik und Endgeräte. Und Leute, die sich im Netz auskennen und ihr Wissen weitergeben.

"Ich kam hierher und hatte nichts: kein Smartphone, kein Tablet", erzählt Lehrerin Annette Derksen. "Aber ich habe von den Medienscouts hier viel gelernt." Medienscouts, das sind immer um die 30 Schüler aus den Jahrgängen sechs bis neun, die Lehrer Christian Hauk um sich geschart hat. Regelmäßig gibt es Sprechstunden, in denen die "Medien-Pfadfinder" anderen helfen, wenn sie Hilfe brauchen. Die jeden Tag in den großen Pausen in einem kleinen Raum Dienst schieben, in dem Smartphones und Tablets in Regalen liegen, die sich alle Schüler der Schule mit ihrem Medienausweis ausleihen können. Shane Mänß und Noah Elbers aus der sechsten Klasse sind zum Beispiel im laufenden Schuljahr montags an der Reihe.

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An der Gesamtschule Xanten-Sonsbeck ist übrigens wie vermutlich an inzwischen allen Schulen auch der Stunden- und Vertretungsplan im Netz. "So kann jeder Lehrer zu Hause morgens schon sehen, ob und wann er für den kranken Kollegen als Vertretung eingeteilt ist", so Frank Pieper.

Aber auch so ein Plan pflegt sich nicht von allein: Dafür steht Johannes Völlm, der Sport und Mathematik unterrichtet, morgens früher auf als die Kollegen. Er ist schon um 6.45 Uhr in der Schule. Durch entsprechende Codes sollen übrigens demnächst auch Schüler den Vertretungsplan daheim beim Frühstück einsehen können und wissen, ob sie "normalen" Unterricht haben oder beispielsweise Sport statt Englisch, weil der Lehrer krank ist.

An der Gesamtschule Xanten-Sonsbeck wird übrigens mit dem Untis Mobile gearbeitet, eine Software, die von immer mehr Schulen für die Planung der Stundenpläne genutzt wird. Der Server steht "irgendwo in Österreich, unterirdisch", vermutet Schulleiter Pieper. Unterirdisch, nämlich im Keller der Gesamtschule in Xanten, sind übrigens auch die alten Klassenbücher untergebracht, die mehr als 25 Jahre aufbewahrt werden müssen. Die werden erst mal nicht digitalisiert.

(jas)
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