Unsere Woche: Der Wahlkampf ist eröffnet

Unsere Woche: Der Wahlkampf ist eröffnet

Am Donnerstagabend hat mir jemand gesagt: "Der Xantener Bürgermeister kann einem momentan richtig leidtun. Was er auch macht, er macht es verkehrt. Macht er nichts, bekommt er Prügel. Macht er zu viel, bekommt er auch Prügel." Auch ich habe in dieser Woche, die in Xanten die Woche der Bezirksausschüsse war, häufig gedacht: "Und noch einen."

Gemeint sind die Bugschüsse der Politiker. Ein, wie es scheint, parteiübergreifendes Gemeinschaftsprojekt gegen Bürgermeister Thomas Görtz. Und damit auch gegen seine Mitarbeiter. Ländliches Wegenetzkonzept der Stadt Xanten - Verwaltungsvorschlag abgelehnt. Antrag der Aktionsgemeinschaft Poststraße zur Verhinderung des Lkw-Durchgangsverkehrs - Verwaltungsvorschlag abgelehnt. Umlaufschranke am Alleenradweg in Marienbaum - Verwaltungsvorschlag abgelehnt. Unbeschrankter Bahnübergang in Birten - Verwaltungsvorschlag abgelehnt. Vor allem der Bezirksausschuss in Xanten war für Görtz ein Spießrutenlauf sondergleichen. In der Einwohnerfragestunde, bei der eigentlich nur jeweils drei Fragen (und eben keine Stellungnahmen!) in vorgegebener Zeit gestellt werden dürfen, musste sich Görtz fast anderthalb Stunden lang der Kritik - leider nicht immer sachlich und korrekt - stellen.

Nun kann man sagen: Das Thema "Poststraße" ist ein sehr emotionales Thema, da möchte man den Bürgern auch entsprechend Raum geben. Böse Zungen behaupten allerdings, dass der Vorsitzende des Ausschusses - Görtz' Parteifreund Rainer Groß - die Einwohnerfragestunde gezielt etwas lockerer moderiert habe.

Doch wem nützt es, den Bürgermeister vorzuführen? SPD, FBI, BBX, FDP, Grüne und Linke haben qua Partei sicherlich nichts dagegen. Aber der CDU? Nachdem noch im Juli 2017 demonstrativ Geschlossenheit zwischen Bürgermeister, Fraktions- und Parteivorsitzenden symbolisiert wurde - Pankraz Gasseling damals: "Wir sind eine Familie" - ist davon gut acht Monate später nicht mehr viel übrig geblieben. Im Gegenteil: Es kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass die Xantener CDU eine Partei mit zwei Lagern ist. Ein Lager für Görtz und ein Lager gegen ihn. Hier - also bei der Poststraße, Fahrradstraße und Co. - geht es nicht ausschließlich um die Sache und die Bürger. Hier geht es auch um einen Machtkampf!

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Der Wahlkampf ist eröffnet. Ich frag' mich, wer sich 2020 so alles als Gegenkandidat zu erkennen gibt?

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(RP)
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